Ein Streifzug durch Jahrhunderte

Rathauskonzerte Landsberg: das Berlin Phil Brass Trio

Gábor Tarkövi, Andrej Žust und Jesper Busk Sørensen  in der Aula der Mittelschule Landsberg
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Gábor Tarkövi, Andrej Žust und Jesper Busk Sørensen (v.l.): das Berlin Phil Brass Trio. Am Freitagabend war es im Rahmen der Rathauskonzerte in der Aula der Mittelschule zu genießen.

Landsberg – Das erste Rathauskonzert der Saison auf den Punkt gebracht: grandiose Musiker in einem nicht ganz so schönen Ambiente wie gewohnt, dafür mit ungemeiner Leidenschaft zum Spiel – im doppelten Wortsinn. Denn neben dem musikalischen Spiel zeigten die drei Mitglieder des Berlin Phil Brass Trio auch ihre Leidenschaft zum spielerischen Umgang mit Musik. Das Programm setzte einen Schwerpunkt auf das 20. Jahrhundert, nahm aber auch klassische und romantische Noten in sich auf.

Am Anfang tönt Bach. Bläser und Bach, das lässt manchen an Christbaumkugeln denken. Dass die drei Blechbläser des Trios mit dem ‚Chef des Barocks‘ einsetzen, mag zwei Gründe haben: dessen Einfluss auf die Musik zu betonen. Aber auch zu zeigen, über welche strikten Rahmen die neuere Musik hinauszureichen vermag. Zu hören vor allem im zweiten Stück, Francis Poulencs Sonata für Trompete, Horn und Posaune – das, wie alle Stücke an diesem Abend bis auf Bachs Suite, auch genau für diese Besetzung geschrieben wurde. Und gerade das ist den Kompositionen anzuhören: Sie arbeiten mit den ‚Spezialitäten‘ der Blechblasinstrumente.

Poulencs Sonata, das zweite Kammermusikstück, das der Franzose 1922 schrieb und 1945 nochmals überarbeitete, kenne jeder, der eines der drei Instrumente spiele, sagt Gábor Tarkövi, der Mann an der Trompete. Sie ist ein Spiel mit Rhythmen, Dynamik und Klängen – und zugleich das Zentrum des Konzerts, der Punkt, auf den sich alle nachfolgenden Stücke zu beziehen scheinen. Im Allegro entsteht ein musikalischer Dialog zwischen Tarkövis Trompete und Andrej Žusts Horn, zu dem die Posaune mit einem absteigenden Dreiklang ihre Meinung ‚geigt‘. Erste Taktwechsel leiten in die in elegische Romantik über, bevor der Satz mit Motiven vom Anfang ausklingt. Das folgende Andante ist ein Schwelgen, bevor im Rondeau wieder tänzerische Elemente auftauchen.

Poulenc hat in seine Kompositionen den Charakter des Vaudeville aufgenommen, eine Leichtigkeit, die nicht impressionistisch verfitzelt, sondern charmant und voller Esprit bezaubert. Genau der Esprit, der auch die anderen Kompositionen begleitet.

„Mippy II - Ein richtiger Köter“

Jesper Busk Sørensen

Einen eleganten Witz erzählt Posaunist Jesper Busk Sørensen mit Leonard Bernsteins Posaunensolo „Elegy for Mippy II“. Wobei Mippy II der Hund von Bernsteins Bruder gewesen sei, er glaube „ein richtiger Köter“, scherzt Sørensen. Das Stück setzt mit gleichmäßigen Taktschritten des Musikers ein („Das muss so sein, ich bin nicht taktlos“), wohl den Schritten des ‚Herrchens‘, zu denen die Posaune Mippys Wege schildert: mal hierhin, dort hinter den Busch, dann um die Ecke. Und am Ende mit einem Plumps auf den Platz vor dem Kamin.

Ebenso lautmalerisch ist das Stück der 1982 geborenen Slowenierin Nina Šenk: „... da kehrte Ruhe ein ...“ – ein Lied, geschrieben im Lockdown, erzählt Tarkövi. Mit Wah-Wah-Dämpfern erzeugen Posaune, Horn und Trompete quäkende Nebelklänge aus dem Nichts kommend, Lieder von Sirenen, wabernde Töne, die Bilder malen. Und Stille trotz hörbaren Klängen erzeugen.

Václav Nelhybels Trio ist ein Streifzug durch die Jahrhunderte, mit Bach neben volkslied­ähnlichen Tänzen im Dreiertakt, spanischen Flamencotakten und Gershwin-Einsprengseln. Beim letzten Trio von Jean-François Michel betört vor allem der zweite, langsame Satz: Das Blech scheint zu singen.

Dass auch der pure Jazz dem Trio im Blut liegt, zeigen die drei Musiker in ihrer Zugabe: dem Dave-Brubeck-Klassiker „Take Five“ aus den 1950ern. So schlicht, so sanft und so ungemein lässig – Brubeck wäre begeistert gewesen.

Waren die Zuschauer beim ersten Konzert des Abends noch etwas unterkühlt im Applaus, gab es beim zweiten zahlreiche Bravo-Rufe – und die waren mehr als berechtigt.
ks

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