Vom Anfang und vom Ende

RBK-Ausstellung im Stadtmuseum beschließt Jubiläumsjahr

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Neue Perspektiven ermöglicht Gertrud von Wincklers Skulptur „Spuren im Raum“, eines von 47 Werken, die in der aktuellen Ausstellung des RBK anlässlich des 30-Jährigen im Neuen Stadtmuseum zu sehen sind.

Landsberg – Die Kreise schließen sich. Der Regionalverband Bildender Künstler beschließt mit der Jahresausstellung im Neuen Stadtmuseum ‚Kunststück! III‘ seinen Jubiläumsreigen zum 30-Jährigen. Gleichzeitig schließt sich auch der Kreis der Örtlichkeit: Fand die erste Jahresausstellung des RBK 1988 ihren Raum im Neuen Stadtmuseum, ist auch die 30. Jahresausstellung wieder hier lokalisiert. Aber es gibt noch eine dritte Linie, die sich in den Schwanz beißt, ein dritter sich schließender Kreis: War die RBK-Ausstellung 1988 eine der ersten nach der Eröffnung des Neuen Stadtmuseums, formen die aktuellen Kunststücke eine der letzten Ausstellungen, bevor die Tore des Neuen Stadtmuseums den Durchlass verwehren. Für die lang gewünschte, lang geplante und auch lang dauernde Sanierung des Gebäudes.

Die ‚Kunststück!‘-Prozession des RBK durch die Stadt begann in Altstadtsaal und Rathausfoyer, zog durch die Stadtverwaltung und findet nun ihren Schlusspunkt im Neuen Stadtmuseum. Ein Demonstrationszug der Kunst, begleitet vom RBK-Rauschen in der Zederpassage. Zu sehen waren und sind die Lieblingsstücke der Künstler – besondere Werke, die auch einen kurzen Augenblick auf den Künstler selbst erlauben: auf die in der Kunst gespiegelte Sicht der Dinge, die ihm wichtig ist.

Gleich am Eingang fasst Ulrike Schröters alabasterner ‚Sternengreifer‘ die Augen des Besuchers. Im Hintergrund Eva Mähls farbintensives ‚Was fehlt‘, Bienen und Bienen-Leerstellen. Bert Praxenthalers ‚Mikado‘ demonstriert Pessimismus trotz farbenfroher Gestaltung: eine Holzkiste, ausgeschlagen mit Zeitungsschnipseln, die fragen „What do you represent?“ oder günstige Jagdwurst anpreisen. In der Kiste ein Kopf, bedeckt von Bergen bunter Holzstäbe. Der Mensch, vom Weltinput erschlagen?

Der zweite Raum lädt zu neuen Perspektiven: Gertrud von Wincklers ‚Spuren im Raum‘, Acrylglas-Ebenen nebeneinander, in denen Kratzer ‚schwimmen‘. „Eine Nebelwand, die sich verflüchtigt oder verdichtet“, beschreibt Museumsleiterin Sonia Fischer in ihrer Einleitung. Von der Seite betrachtet aber ein Objekt, das alles hinter sich zerschneidet und zum Verschwinden bringt – um es nach der Passage wieder in Ganzheit zu entlassen.

Daneben Tom Schmids ‚Demagogengipfel‘, zwei Drucke gleich Fischen, die sich anschauen. Dass es sich dabei um korrodierte Schraubverschlüsse handelt, die der Künstler in der Sahara an der Grenze von Algerien und Marokko aus dem Staub gerettet hat, ist erst zu erkennen, wenn man es weiß. Auch Lore Kienzl verfremdet: ein Stück Holz, dessen Bruchkante zur ‚Felsenstadt‘ im Miniformat wird.

RBK-Vorsitzende Silvia Großkopf widmet sich der Zeit. Postkarten ihrer Mutter, eine vergangene Epoche, eingepackt in transparentes Papier, auf dem Großkopf Linien wiederholt, verfremdet, übermalt – und, so Fischer, „eine Verbindung zur Gegenwart herstellt“.

Kunst als Spiegel der Welt

Ein Nebeneinander von Welten, erzeugt durch die Bilderflut der Medien, zeigt Gerhard Stachoras Collage auf Aluminium-Dibond im dritten Raum des Stadtmuseums: Das obere Ende ziert ein Surfer, unten stehen Menschen ohne Heimat, Menschen in Müllbergen. Und mittendrin absurd-bunte Unterhaltung. Auch Barbara Manns spricht ein gesellschaftliches Thema an: die Rolle der Frau –die sie als schreiendrote Figur versus zwei komplementär-grüne männliche Figuren eines Tischkickerspiels zeichnet.

Die Ausstellung füllt das Neue Stadtmuseum, ohne es zu überladen. 47 Künstler finden mit ihren Lieblingswerken Raum, auch wenn Fischer dem ein oder anderen Objekt „mehr Raum“ wünscht. Der verfügbare Platz ist gut genutzt – alles optimal gehängt. Sicher trägt dazu auch die von Fischer betonte „entspannte und unaufgeregte Zusammenarbeit“ mit dem RBK bei. Eine gelungene Ausstellung, um Ruhe zu finden und aus dieser Ruhe heraus einen Dialog mit Kunst zu wagen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 7. Oktober. Es lohnt sich, ein letztes Mal vor Schließung das Erdgeschoss des Neuen Stadtmuseums zu erkunden.

Susanne Greiner

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