Eier zum Stapeln und noch viel mehr:

RBK zeigt vielfältige Kunst in der Säulenhalle Landsberg

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Gute Kunst zieht an: Zur Vernissage der 29. Jahresausstellung des RBK am vergangenen Freitag kamen zahlreiche Neugierige in die Säulenhalle.

Landsberg – Da ist viel rot. Und einige Skulpturen: Holzfiguren. Alabaster- und Metallwerke. Ein Schalltrichter aus Gold und Gips gegenüber Eiern zum Stapeln. Gemälde säumen die Wände. Landschaften, Gesichter, hie und da auch abstrakte Farbflächen. Und Fotografien. Die 45 Künstler, die bei der Jahresausstellung des Vereins „Regionalverbands Bildender Künstler Oberbayern West“ (RBK) derzeit ihre Werke präsentieren, zeigen Vielfalt in spannenden Arrangements. Und so kamen zur Vernissage am Freitag zahlreiche Neugierige in die Säulenhalle. Für musikalische Untermalung sorgte „Quergestreift“, ein poli-instrumentelles Trio mit hörenswerten Eigenkompositionen voller Humor – natürlich in quergestreiften Shirts.

Auch RBK-Vorsitzende Silvia Großkopf gehört zu den Ausstellern. Ihre „Hommage an H. D.“ ist eine Formation roter Farbflächen mit einer strahlenden Ecke Gelb. H. D., das ist Hajo Düchting, der im Mai dieses Jahres gestorben ist. „Ich sehe darin viel Wärme und viel Lebendigkeit“, beschreibt Kunsthistorikern Birgit Kremer in ihrer Einführung. Hajo Düchting selbst sei durch seine Bilder immer noch anwesend. Vier sind zu sehen: leuchtende Kombinationen aus Farbe und Schrift. Auf einem ein Fischschwarm, auf einem anderen scheint ein Würfel im Würfel zu leuchten. Auch hier Flächen in Rot, „Gut gemacht“ steht daneben. Das Sehen von Rot zeichne den Menschen aus, meint Kremer. Denn „die meisten Säugetiere sind rotblind.“ Der Mensch sieht Rot nicht nur, er reagiert auch stark darauf. Rot heißt Glühen, Hitze – und damit: Vorsicht. Aber eben auch Wärme. Und Leben.

Skulpturen gibt es einige. Dominant im Raum Helmut Hagers Bronze-Werk aus fünf verschiedenen Gesichtern. Drei von ihnen sind in Kreis, Trapez und Quadrat gefangen, zwei hingegen nicht kopf-, aber „formlos“. „Different Faces – Different Minds“ heißt der erklärende Titel. Im Angesicht von Hagers Gesichtern der „Pol-Sprung“: ein handgeschliffenes Objekt aus Alabaster von Ulrike Schroe­ter. Sanfte Linien laden zum Berühren ein. Otto Scherer hat einen Schalltrichter aus Gips gebaut, wie für ein Grammophon. Mit Gold und Lack versehen, schimmert er dem Betrachter entgegen. „Stellen Sie sich davor, dann sehen Sie den Schall tatsächlich auf sich zukommen“, weist Kremer an. Oder man begibt sich gemeinsam mit Erik Urbschats halbmannshohen Holzfiguren „Pilzsammler und seine Frau“ auf Nahrungssuche.

Zwei kleine Bronze-Beine ohne Restkörper präsentieren sich auf einem Podest: „immer unterwegs …“ von Lore Kienzl. Bert Praxenthaler zeigt einen seiner Kuben mit Löchern und Ausbuchtungen, jetzt Nr. III. Und Angelika Waskönig imitiert mit Korken und Ton zwei Köpfe – einer davon vielleicht auch ein Party-Käseigel? Hervorstechend Marlen Labus Raku-Figuren, zwei nicht vollständig ausgeformte Menschen, sozusagen im Entwurfsmodus steckengeblieben: „Nachbarfreundschaften“ nennt sie das. Das „Hochstapel.Ei“ von Johann Neuhauser zeigt Humor durch Wortspiel und Idee: Drei Modell-Eier mit abgeflachten Enden bieten sich zum Stapeln an. Und wie sich das für einen Bausatz gehört, gibt es eine Anleitung. Mit Zeichnungen und Kurzabhandlungen über die Stabilität der Hochstapel.Ei und deren Schattenwurf.

Bei den Gemälden zieren zwei großformatige Landschaften Kopf und Fuß der Säulenhalle, die beide durch ihre monochrome Farbgebung definiert sind: Elke Jordans Landschaft aus der Serie „Sehnsucht nach Meer“ zeigt grüne Dünen, während Margarete Bartschs Zweiteiler einer erdigen Schlammlandschaft ähnelt. Es gibt an Cézanne erinnernde Badende – allerdings hier eindeutig Jugendliche in trendigen Sporthemden. Oder die beeindruckende Zimmerflucht von Angelika Böhm-Silber­horn. Aber die Welt ist nicht nur heil. Und auch nicht immer schön. Und deshalb malt Gerhard Stachora in den Bildern seines Tryptichons „Mare Nostrum“ Menschen mit weit aufgerissenen Augen und Mündern vor oder vielleicht auch im Meer. Und er legt ihnen Worte in den Mund: „Hopefully gone to reach Freedom“.

Die Ausstellung des RBK in der Säulenhalle läuft noch bis zum 24. September. Hingehen!

Susanne Greiner

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