Kommentar

Das Virus und das Kommunikationsversagen im Landratsamt Landsberg

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Aus dem Landratsamt Landsberg (Foto) gibt es kaum Informationen zum deutschlandweit ersten Coronavirus-Fall.

Der KREISBOTE bemüht sich seit Montag intensiv darum, in der gedruckten Ausgabe, auf der Website und in den sozialen Medien Informationen über den ersten Fall des Ausbruchs des Coronavirus in Deutschland zu geben. Die frühe Veröffentlichung des betroffenen Ortes Kaufering am Dienstag und die Empfehlungen des Klinikums am heutigen Donnerstag gehen auf diese Bemühungen zurück. Die Redaktion musste diese Informationen aber selbst einholen.

Aktive Unterrichtungen durch das zuständige Gesundheitsamt des Landkreises Landsberg gab es bislang nur in Form eines fünf Zeilen umfassenden Briefes gegenüber den Eltern, die ihre Kinder in den Don-Bosco-Kindergarten geschickt haben. Das Kind des infizierten 33-Jährigen sei „gesund und zeige keine Symptome“. Dass es sich um diesen Kindergarten handelt, mussten die Eltern von Kindern, die andere Tagesstätten besuchen, mit Hilfe der Medien selbst recherchieren.
So etwas ist keine Krisenkommunikation, das ist ein handfestes Kommunikationsversagen. Selbst die Landratsämter Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen, in denen gar kein Erkrankungsfall aufgetreten ist, informieren regelmäßig und proaktiv. Interessanterweise scheint das Landsberger Landratsamt sein Defizit zu kennen; es leitete den heutigen Beitrag des KREISBOTEN über die Empfehlungen des Klinikums nämlich an seine Facebook-Follower weiter. Das reicht aber bei weitem nicht aus. In Kaufering und in Landsberg herrscht Unsicherheit. In dieser Phase ist es eine der wichtigsten Aufgaben des Landratsamts, jedem Bürger zu verdeutlichen, dass es tätig wird und wie es tätig wird. Schon der Hinweis das Kind sei „gesund, ohne Symptome“ wirft Fragen auf: Sind denn Mutter und Tochter getestet worden? Oder ruft man nur bei ihnen von Zeit zu Zeit an und fragt, wie es ihnen geht? Auch die drei Webasto-Mitarbeiter, bei denen man ebenfalls das Virus diagnostiziert hat, klagen nicht über Symptome. Sie sind aber dennoch in Schwabing isoliert.
Dass die Ärzte des Gesundheitsamts tätig sind, geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamts hervor. Es sagte gestern einen Termin „aufgrund der sehr zeitintensiven Ermittlungen des Gesundheitsamtes Landsberg am Lech im aktuellen Corona-Virus-Fall“ ab. Worin bestehen sie? Was wird getan? Welche Ergebnisse gibt es? Das Landratsamt macht zig Pressekonferenzen im Jahr und sendet eine Menge Pressemitteilungen heraus, deren Themen nicht annähernd so bedeutend sind wie dieses hier. Hier aber duckt sich das Amt weg - vielleicht auch mit dem Kalkül, wer sich der Presse nicht stellt, könne auch nicht von ihr kritisiert werden. Wir jedenfalls würden gerne vieles hinterfragen - und warten mit Ungeduld auf die erste Gelegenheit dazu.

Werner Lauff

Klarer Fall: Informationsdefizit.

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