ÖPNV-Projekt

Fuchstalbahn und Stadtbahn aus einem Guss?

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Die Augsburger Localbahn (Foto) blockiert die Katharinenstraße auf Höhe des Landsberger Bahnhofes nur einmal täglich, im Falle einer Reaktivierung der Fuchstal- mit Stadtbahn wäre das alle 15 Minuten der Fall.

Landsberg – Landrat Walter Eichner (CSU) will eine mögliche Reaktivierung der Fuchstalbahn nicht aus den Augen verlieren. Selbiges gilt für den ÖPNV-Experten im Landratsamt: Dietmar Winkler kennt das Für und Wider des Konzepts, ebenso wie das einer Stadtbahn.

Die Pläne für eine Stadtbahn liegen bei Stadt und Landkreis in der Schublade, waren doch bis 2005 weitere Haltepunkte im Stadtgebiet im Gespräch. Bis dato liegen diese Planungen auf Eis. Mit der Diskussion um die Fuchstalbahn lebt auch die um eine Stadtbahn wieder auf. Der KREISBOTE hakte bei Dietmar Winkler nach.

Etwa Mitte der 90er Jahre wollte man den Bahnverkehr in der Lechstadt – insbesondere in den Süden – ausbauen, erklärt Winkler. Dazu sollten neben den Bahnhöfen „Schule“ und „Landsberg am Lech“ auch noch Haltepunkte im Norden auf Höhe des Industrie- und Gewerbegebietes, am Englischen Garten und im Süden an der Schongauer Straße entstehen. „Das war der ursprüngliche Plan“, sagt der Nahverkehrsexperte im Landratsamt. „Dieser hat sich aber dann zerschlagen, weil die Bayerische Eisenbahngesellschaft nur einen weiteren Haltepunkt in Landsberg-Süd wollte.“ Da dieser damals aber „mitten im nichts“ gewesen wäre, habe der Stadtrat sich dagegen entschieden.

Auch hätte die Stadt für neue Haltepunkte einiges investieren müssen: neben den Haltestellen hätten noch Bahnübergänge (aus-)gebaut werden müssen. „Wenn die Schranke in der Katharinenstraße alle 15 Minuten zu geht, führt das zu einem Verkehrskollaps“, deutet Winkler die Problematik an. Zudem seien die Anwohner damals schon auf die Barrikaden gegangen, insbesondere die am Englischen Garten, da der Zug auch Signale geben müsste, wenn er dort durchfahre.

„Die Fuchstalbahn ist aktuell noch gar nicht wirklich im Gespräch“, sagt Winkler, „aber wenn sie kommt, dann ist sie ein Projekt zusammen mit der Stadtbahn.“ Inwiefern die Reaktivierung der Bahn sinnvoll ist, soll nun ein Gutachten klären. „Im letzten Gutachten von 2002 hat man angenommen, dass es die zusätzlichen Haltepunkte in der Stadt bereits gibt.“ Weil aber so viele Faktoren voneinander abhängen, brauche man ein neues, aktuelleres Gutachten.

Die Struktur- und Verkehrskommission des Landkreises will, so kündigt es Landrat Eichner an, über dieses Thema in ihrer nächsten Sitzung am 25. September beraten. Winkler : „Erst muss die Kommission beschließen, ob sie ein neues Gutachten haben möchte.“ Von den rund 20000 Euro dafür übernimmt die Hälfte der Landkreis Weilheim-Schongau. Auf Grundlage des Gutachtens könne dann über die Reaktivierung der Fuchstal- und der Stadtbahn beraten werden.

Am schwierigsten werde es nach Ansicht des Nahverkehrsexperten, die Zeitschienen der verschiedenen Bahnlinien aneinander anzupassen, damit man schließlich zwischen Augsburg, Geltendorf, Weilheim, Schongau und Landsberg „eine Art Ringschluss“ bekäme. Zudem müssten alle Haltestellen, auch die der Stadtbahn in das Gesamtkonzept passen, denn jeder Stopp verlängere die Fahr­zeit und mache es schwieriger, die Fahrpläne und Verknüpfungen anzugleichen.

Ob Stadtbahn oder Fuchstalbahn – es „muss ein langfristiges Thema sein, so Dietmar Winkler, schon allein wegen der Finanzierung. Im Gutachten von 2002 waren die Kosten für den Ausbau der Schienenstrecke und der Haltestellen mit zehn bis 13 Millionen Euro beziffert. Der Freistaat Bayern finanziere zwar den Schienen-personenverkehr, nicht aber die Bahnhöfe. „Das müssen wir vor Ort zahlen, entweder der Landkreis oder die Kommunen.“

Sache der Stadt

Falls sich die Verkehrskommission dafür entscheidet ein neues Gutachten in Auftrag zu geben, werde es ohnehin bis zu einem Jahr dauern bis es fertig ist, sagt Winkler. Es soll in jedem Fall auf der alten Untersuchung beruhen und zusätzliche Haltepunkte in Landsberg prüfen. „Die Stadtbahn ist dann Sache der Stadt“, so Winkler. „Aber dazu muss erst einmal das Gutachten auf dem Tisch liegen.“

Janina Bauch

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