Die Realitäten ins Auge fassen

Unter anderem das Grundstückgeschäft für das Edeka-Logistikentrum im Frauenwald sorgte dafür, dass die Stadt Landsberg finanzwirtschaftlich in eine ganz positive Phase starten kann. Foto: Schwaiger

Solche Töne sind dem Stadtkämmerer seit Jahren nicht mehr über die Lippen gekommen: „Wir starten finanzwirtschaftlich eigentlich in eine ganz positive Phase und können die Haushaltsberatungen mit einem posi­- tiven Vorzeichen angehen.“ Gleichwohl riet Manfred Schilcher am Mittwoch im Finanzausschuss allen Ratsmitgliedern, den Rotstift zu spitzen. In erster Linie gelte es, die Investitionen auf ein „allgemein erträgliches Maß“ zurückzu­schrauben.

Erwartungsgemäß stand zum Auftakt der Haushaltsberatungen das Thema Kreisumlage besonders im Fokus. Wie berichtet, sinkt die Umlagekraft des Landkreises Landsberg um satte 12,58 Prozent, parallel dazu bleiben die Bedürfnisse in der Summe unverändert. Um diese „Spätfolge der konjunkturellen Entwicklung“ ausgleichen zu können, steht eine Erhöhung der Kreisumlage von 51,5 auf 58,91 Prozent im Raum. Schilcher dazu: „Wir müssen die Realitäten ins Auge fassen und mit 58 Prozent rechnen.“ Die Lechstadt wäre in diesem Fall mit knapp 15,5 Millionen Euro gefordert – ebenso viel wie heuer. "Unsittlich" Von „unsittlichem In-die-Tasche-Greifen“ sprach CSU-Fraktionschef Helmut Weber, zeigte aber Verständnis für den Landkreis. Er habe ja nur diese Einnahmequelle. Spannend sei jedoch, wie sich dieser schmerz­- liche Würgegriff in Zukunft entwickeln werde. Der Kämmerer sah hier durchaus ein Problem: „Wenn wir in den nächsten Jahren wieder mehr erwirtschaften und es bei diesem Kreisumlageniveau bleibt, dann geht’s an die Substanz.“ Ohnehin müsse sich die Stadt weiter in Zurückhaltung üben. Die Investitionstätigkeit sei zurückzuschrauben, so Schilcher, während beim Gebäudeunterhalt allein das unbedingt Notwendige mit rund zehn Millionen Euro zu Buche schlage. Um all das zu finanzieren, bedarf es auch entsprechender Einnahmen. Die Gewerbesteuer spielt hier eine wesentliche Rolle. Von 20 Millionen Euro, so der Stadtkämmerer, dürfe man für 2011 ausgehen, das sind zwei Millionen mehr als der Ansatz 2010. In eine „völlig andere Welt“ hingegen bewegt sich die Stadt im Bereich ihrer Grundstücksgeschäfte. Die Konversionsflächen Katharinenanger sowie Obere Wiesen sind weitgehend abgearbeitet, im Industrie- und Gewerbepark Frauenwald gehe es zurückhaltend voran. Weniger Einnahmen bei gleichbleibend hohen Ausgaben – „da liegt unsere Problem in den nächsten Jahren“, weiß Schilcher. Augenscheinlich wird das bereits jetzt im Finanzplan, der im Moment alle Mittelanforderungen berücksichtigt. Das 21 Millionen-Euro-Loch unter dem Strich sei finanzwirtschaftlich nicht seriös und stelle Verwaltung wie auch Stadtrat vor eine große Aufgabe. Will heißen: Der Rotstift muss so lange kreisen, bis eine Nettoneuverschuldung absolut kein Thema mehr ist. Nicht zu rütteln sei an den Personalkosten, die sich nach Ansicht Schilchers in einem „vernünftigen Bereich“ bewegen. Mit fast 14 Millionen Euro und 4,94 Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr bilden sie einen großer Block auf der Ausgabenseite. „Damit liegen wir im unteren Mittelfeld vergleichbarer Städte.“ Im Personalbereich sei die Verwaltung inzwischen an einer Schnittstelle an­- gekommen, die Anlass zu einer Neuausrichtung sein sollte. Ein Beispiel dafür sei der bereits beschlossene Neubau der Kindertagesstätte am Klinikum. Hier begebe sich die Stadt auf neues Terrain, denn die Kinderbetreuungseinrichtung mit sechs Gruppen ist die erste unter städtischer Trägerschaft. „Es ächzt und krächzt in allen Ecken“, so der Kämmerer, vor allem in der Bauverwaltung, die mit dem aktuellen Personalstand im kommenden Jahr nicht mal den Bauunterhalt bewerkstelligen könne.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Vier Neue am Vogelherd
Vier Neue am Vogelherd

Kommentare