Rechtswidriger Rauswurf

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TONI REISBERGER, Landsberg – Da hat der Vorstand um Edith Sieg die Rechnung im wahrsten Sinne des Wortes ohne den Wirt gemacht: Der Vereinsausschluss des ehe­maliges Pächters des Jahn-Stüberls, zugleich stell­vertretender Leiter der Fußball-Abteilung, aus der Freien Turnerschaft Jahn, war nicht rechtmäßig. Der Rauswurf von Klaus H. muss aufgehoben werden, so das Urteil von Richter Matthias Neumann. Der Kläger war nach 32-jähriger Jahn-Mitgliedschaft in der Ausschusssitzung am 8. Juni ausgeschlossen worden. Der Grund: Die Jahn-Oberen warfen Klaus H. vor, er habe bei Rückgabe der Vereinsgaststätte zwei Wasserschläuche des Vereins von Küchenmaschinen abmontiert und unrechtmäßig mitgenommen, die Schankanlage nicht ausreichend gereinigt sowie vor allem als Wirt und Vereinsmitglied den Vorstand und andere Vereinsmitglieder mehrfach beleidigt. Das so gescholtene Jahn-Mitglied, das mehrere Auszeichnungen für sein ehrenamtliches Engagement erhalten hat, stritt die Vorwürfe ab und möchte weiterhin für den Verein tätig bleiben. Daher klagte H. auf Feststellung der Unwirksamkeit des Vereinsausschlusses. „Eine gütliche Beilegung des Rechtsstreits ohne ein Urteil war wegen der tiefgreifenden Differenzen zwischen dem Vorstand der Freien Turnerschaft Jahn und dem Kläger nicht gelungen“, so Richter Neumann. Die Anschuldigungen seien in dem Prozess am Amtsgericht Landsberg nicht bestätigt worden. So seien die Mängel bei Rückgabe der Gaststätte in dem grundsätzlich abschließenden Übergabeprotokoll nicht aufgeführt gewesen. „Sie konnten wegen der bereits erfolgten ordentlichen Kündigung des Pacht­verhältnisses durch die FT Jahn Landsberg mangels Wie­der­holungsgefahr den Vereinsausschluss nicht tragen.“ Grattler und A…loch Beleidigungen von Vorstandsmitgliedern seien in dem Verfahren nicht konkret behauptet worden, erläutert der Amtsrichter gegenüber dem KREISBOTEN weiter. Die Anschuldigungen eines ehemaligen Vereins­- mitglieds, der nach seinen Angaben im Anschluss an ein gemeinsames Kartenspiel vom Kläger als „Grattler und Arschloch“ beleidigt worden sei, seien durch die angehörten Zeugen nicht bestätigt worden. Ein weiterer Vorfall, bei dem der Kläger zwei ehemalige Vereinmitglieder bereits am 2. Mai vergangenen Jahres am Spielfeldrand beschimpft haben soll, liege schon so lange zurück und sei nicht gravierend genug, als dass der Vereinsausschluss allein darauf hätte gestützt werden können. Die Beleidigungen sollen ihren Hintergrund darin gehabt haben, dass die Söhne der Beschimpften von der FT Jahn Landsberg zum VfL Kaufering gewechselt waren. Richter Matthias Neumann abschließend: „Der Ausschluss war überdies bereits deshalb rechtswidrig, weil die nach der Vereinssatzung vor einem Ausschluss durchzuführende Anhörung nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden war.“

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