Fliegerhorst Penzing:

"Oh, das ist ja Postbauschule!"

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Unter Denkmalschutz: das Offizierscasino im Fliegerhorst Penzing.

Penzing – Warum stehen Hangars und Gebäude auf dem Fliegerhorst unter Denkmalschutz? Welche Folgen hat das für die Bundeswehr und zivile Nachnutzer aus der Wirtschaft? Darüber sprach der KREISBOTE mit Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem, auf deren Initiative die Eintragung in die Denkmalliste erfolgte.

Ausgangspunkt war eine Einladung zu einem Empfang im Offizierskasino. Bei dieser Gelegenheit schaute sich die Kreisheimatpflegerin im Gebäude um und stellte mit geschultem Auge fest: „Das muss stehenbleiben, selbst wenn ringsum alles fällt“. Da wusste sie noch nicht, was „ringsum“ so alles stand – „es war eine Abendveranstaltung, es war dunkel und man ist ja nicht zum Spazierengehen da“. Als wenig später auf ihre Bitte die Listenabteilung des Landesamts für Denkmalpflege in Penzing vorsprach, wurde die ganze Dimension deutlich: „Die haben sofort gesagt: Oh, das ist ja Postbauschule!“

Gebaut hat die Gebäude nämlich Rudolf Grimm, ein Schüler von Robert Vorhoelzer, der auch an der TU München lehrte. Der war gleichzeitig Oberbaurat bei der Postverwaltung. In den 1920er und 1930er Jahren habe er etliche große Postbauten entworfen, berichtet Weishaar-Kiem. Die Stilrichtung, die Vorhoelzer begründet hat, wurde daher die „Bayerische Postbauschule“ genannt, die in baukünstlerischer Hinsicht für eine „reduzierte klassische Moderne“ und „neue Sachlichkeit“ steht.

Wie ein Vorort

Warum man das nicht vorher entdeckt hat? Man hat die Gebäude wohl „ein bisschen übersehen“, sagt Weishaar-Kiem. „Sie waren in Gebrauch. Keiner hat darüber nachgedacht. Und wenn, dann ist man davon ausgegangen, dass ohnehin schon das Meiste renoviert ist“. Aber unglaublich viel sei auf dem Fliegerhorst noch in der Ursprungsform erhalten, schwärmt die Kreisheimatpflegerin und nennt die Sporthalle, das Offizierskasino, die Mannschaftsgebäude, die Wirtschaftsverwaltungsgebäude, das Feuerwehrgebäude, die Hangars und die Garagen.

Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weishaar-Kiem.

„Das Ganze ist städtebaulich so gestaltet, dass es wie ein Vor­ort wirkt“. Aus der Luft sollte erst einmal nicht erkennbar sein, dass es sich um einen künftigen Flugplatz handelt. 1933 galten noch die Versailler Verträge; damit war der Aufbau der Luftwaffe nicht möglich. Daher plante das Deutsche Reich die Bauten im Geheimen. 1935 waren sie fertig, wurden zunächst von einer Fliegerbodenorganisation genutzt; das war schon Teil der „offenen Remilitarisierung“. Ab 1937 begann der Flugbetrieb. Bis 1944 wurde er fortgesetzt; dann zerbombten die Alliierten die Start- und Landebahn. Die Häuser aber blieben intakt. Weißhaar-Kiem: „Das ist eine aufregende Baugeschichte und ein Teil der Geschichte des Dritten Reichs“.

Im Ensemble könne man noch gut die Abstufungen sehen: Piloten im Klosterhof, Offiziere und Mannschaften in den anderen Gebäuden – „das spiegelt sich auch im Baumaterial wider“. Vieles stehe noch „pur“ da, zum Teil mit unverändertem Interieur. Im Offizierscasino gebe es Türgewände aus Keramik und einen Keramik-Kamin. Die Türklinken und die Fenster seien gut erhaltene Zeugnisse der damaligen Ausstattung – das sei „Postbauschule unter den Bedingungen der Luftwaffe“. Normalerweise seien Gebäude aus dieser Zeit „zweimal durchgeräumt“. Dann zögere das Landesamt für Denkmalpflege, sie auf die Liste zu setzen.

Minimaler Unterhalt

In diesem Fall aber tat das Amt das, und zwar 2013. Seitdem gilt für die Bundeswehr, aber auch für mögliche Nachnutzer, die Pflicht, die Gebäude und Hangars zu erhalten. „Die Fenster und das Dach müssen in Ordnung bleiben.“ Zu gewährleisten sei im Rahmen der angekündigten „Stillstandswartung“ ein „minimaler Unterhalt“. Aber die Bundeswehr sei erfahren genug; es gebe etliche Objekte in ihren Kasernen unter Denkmalschutz.

Was gelte bei einer Übernahme des Areals durch Privatunternehmen? Das Gleiche, erklärt Weishaar-Kiem. Der Denkmalschutz bleibe bei einem Verkauf bestehen – „ein Investor kauft bestimmte Pflichten mit“. Auf ewig? „Ich kenne kein Verfallsdatum im Denkmalrecht“, lacht Weishaar-Kiem. Aber wer ein denkmalgeschütztes Bauernhaus erwerbe, müsse keine Kühe in den Stall stellen. Will heißen: Man dürfe die Gebäude zeitgemäß nutzen. Zum Beispiel könnten in den Hangars Hochregallager entstehen. Auch die Haustechnik dürfe „in Absprache“ angepasst werden. Gleichwohl sei es durchaus eine „Hypothek“, räumt Weishaar-Kiem ein: „Die richtige Nutzung zu finden, ist schwierig“.

Dennoch ist sie überzeugt, dass der Schritt notwendig war. „Man kann Geschichte nicht ausradieren“, sagt Weishaar-Kiem. Am Anfang habe man das im Fliegerhorst nicht ganz so gesehen. „Wir haben doch keine Barockkapelle. Was soll denn hier geschützt werden?“ Aber dann habe sich das historische Bewusstsein nach und nach durchgesetzt. „Als letztendlich die Gebäude auf die Liste kamen, hat zwar niemand gejubelt, aber auch niemand geklagt.“

Werner Lauff

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