"Reflex" mit Folgen

In der Verhandlung gegen den Hobbyfußballer, der wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Landsberg stand, ist vergangene Woche das Urteil gefallen. Strafrichterin Beate Kreller verurteilte den 32-jährigen Kauferinger zu 2100 Euro Geldstrafe. Nach Überzeugung des Gerichts steht fest, dass der Torwart bei einem Fußballspiel in Finning einem Zuschauer einen Kinnhaken versetzt hat.

Die Begegnung zwischen dem SV Finning und Türkspor Landsberg fand, wie im KREISBOTEN berichtet, im September vergangenen Jahres statt. Zehn Minuten vor Schluss lag Finning mit einem Treffer in Führung. Als der Torwart der Gastmannschaft den Ball nach einem verschossenen Elfmeter aufs Spielfeld zurückholen wollte, kickte ein Zuschauer ihn offensichtlich zum Spaß in eine andere Richtung – „um den Torwart zu ärgern oder das Spiel zu verzögern“, wie ein ermittelnder Polizeibeamter vermutete. Da­- nach streckte der Torwart den 62-jährigen Landwirt mit einem Kinnhaken nieder. Der Angeklagte bestritt die Tat, diverse Zeugen schilderten im ersten Verhandlungstermin ganz unterschiedliche Versionen. Deshalb setzte Kreller einen zweiten Termin an und lud weitere Zeugen vor. Der wichtigste unter ihnen war ein Bekannter des Geschädigten, der das Geschehen aus unmittelbarer Nähe beobachtet hatte. Der Angeklagte habe sich nach dem Ball gebückt, den der Landwirt in diesem Moment weggekickt habe. Da habe der Tormann „gleich durchgezogen“ und dem Geschädigten einen Kinnhaken verpasst, dass er zu Boden ging. „Er war ein paar Minuten nicht ansprechbar und sah ganz käsig aus“, sagte der Zeuge aus. Verteidigerin Anita Trautwein führte die Entscheidung des Sportgerichts ins Feld, wo der Fall ebenfalls verhandelt worden war. Dort war der Torwart nicht wegen einer Tätlichkeit belangt worden, sondern nur wegen unsportlichen Verhaltens. „Normalerweise gilt dort die kleinste Kleinigkeit schon als Tätlichkeit“, so Trautwein. Der Geschädigte war vor dem Sportgericht allerdings nicht zu Wort gekommen. Trautwein wies außerdem darauf hin, dass der Landwirt „nicht einmal einen blauen Fleck“ davongetragen habe, nicht zum Arzt gegangen sei und eigentlich gar kein Aufhebens um den Vorfall machen wollte. Dies stütze die Version des Angeklagten, der angab, den Zuschauer nur mit der flachen Hand weggeschubst zu haben. „Das war keine vorsätzliche Körperverletzung, sondern eine Reflexhandlung“, so Trautwein. Die vielen verschiedenen Schilderungen des Tathergangs machten es Richterin Kreller schwer. Letztendlich folgte sie jedoch den Angaben des Geschädigten und seines Bekannten. „Wer weiß eigentlich besser, was passiert ist, als der Betroffene?“, so Kreller in ihrer Urteilsbegründung. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass dieser den Torwart zu Unrecht belasten wollte. Ob er nun geschlagen habe oder geschubst – „der Angeklagte hat billigend in Kauf genommen, dass er den Geschädigten heftig trifft“. Mit einer Geldstrafe von 2100 Euro blieb das Urteil des Amtsgerichtes Landsberg allerdings unter dem Antrag von Staatsanwältin Yvonne Möller, die zuvor noch 2800 Euro gefordert hatte.

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