Gute Chancen auf dem Ersten Arbeitsmarkt

Regens Wagner bildet in Landsberg junge Menschen mit Lernschwierigkeiten aus

Corinna, 19 Jahre, Katharina, 25 Jahre und Jessica, 20 Jahre (von li.) während einer praktischen Übung im extra dafür eingerichteten Raum des Regens Wagner Ausbildungszentrums.
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Corinna, 19 Jahre, Katharina, 25 Jahre und Jessica, 20 Jahre (von li.) während einer praktischen Übung im extra dafür eingerichteten Raum des Ausbildungszentrums.

Landsberg – Jugendliche und junge Erwachsene können im beruflichen Regens Wagner-Ausbildungszentrum in Landsberg verschiedene Ausbildungsberufe erlernen. Die meisten davon sind sogenannte Reha-Ausbildungen, speziell für Jugendliche mit einer Lernbeeinträchtigung. Ihren ‚Fachpraktiker für personale Dienstleistungen‘ gerade erfolgreich abgeschlossen hat die 20-jährige Jessica. Mit guten Aussichten für die Zukunft auf dem ‚Ersten Arbeitsmarkt‘.

Insgesamt 31 Auszubildende gehen derzeit im Landsberger Ausbildungszentrum ihrem Ziel nach, eine Berufsausbildung abzuschließen. Sei es im Bereich Hauswirtschaft, Malerhandwerk, Bauten- und Objektbeschichtung oder eben personale Dienstleistungen. „Das ist momentan ein Tiefstand“, sagt Ausbildungsleiterin Barbara Straub. Corona-bedingt hätten lange keine Beratungen stattgefunden. Das mache sich bemerkbar.

Die Ausbildung ‚FaPedi‘, Fachpraktiker für personale Dienstleistungen – eine Kombination aus Pflege, Hauswirtschaft und Kosmetik – gibt es seit 2006. Der Begriff ‚Fachpraktiker‘ wurde von der Industrie- und Handelskammer kreiert. „Früher hieß das einfach Helfer oder Werker“, erklärt Straub. Dabei handelt es sich um eine dreijährige Ausbildung mit zwei-bis dreiwöchigen Praktika im Wechsel, während der die Jugendlichen – je nach Bedarf und Entfernung von Daheim – auch in Wohngruppen in Landsberg leben können.

Pro Jahrgang gibt es im Landsberger Ausbildungszentrum durchschnittlich nur zwei bis drei Auszubildende. Sie werden von der Agentur für Arbeit, als Kostenträger der Maßnahme, zugewiesen. Voraussetzung ist der Reha-Status, der eine individuelle Förderung vorsieht. Meistens ist das eine Lernbeeinträchtigung. Wie bei Jessica, die Schwierigkeiten hatte, besonders in Mathe. Es könne aber auch sein, dass die Jugendlichen vom Reha-Berater als „nicht ausbildungsreif‘ eingestuft werden, so Straub. „Dann erreichen sie den Reha-Status gar nicht erst und damit auch nicht unser Ausbildungszentrum.“ Ihr Weg führe dann meist in eine der Behindertenwerkstätten oder in den CAP-Markt, jedoch nicht auf den Ersten Arbeitsmarkt.

Die geringe Zahl an Auszubildenden ist gewollt: „So hat man einen persönlichen Bezug und kann sich intensiv um die Jugendlichen kümmern“, sagt Barbara Straub. Genau das hat Jessica geschätzt – und ihre Ausbildung dadurch als erfüllend empfunden. „Ich hatte eine schwere Zeit im Leben“, erzählt sie. „Aber hier hat man immer an mich geglaubt und mich unterstützt.“ Die Jugendlichen erhalten während ihrer Ausbildungszeit viel Zuspruch und Motivation von den Ausbildern, die alle eine rehapädagogische Zusatzqualifikation haben. Außerdem werden sie professionell sozialpädagogisch und psychologisch betreut. Hilfestellungen bei der Bewältigung des Arbeitsalltags und beim Schreiben der Bewerbung oder beim Vorbereiten auf ein Vorstellungsgespräch sind Teil der Unterstützung. Weitere wichtige Aspekte: regelmäßige betriebliche Praktika und eine enge Zusammenarbeit und stetiger Austausch mit Eltern, Berufsschule und Praktikumsbetrieben.

Vor ihrer Ausbildung ging Jessica neun Jahre im Regens Wagner-Förderzentrum in Holzhausen zur Schule. Andere Auszubildende kommen aus dem Förderzentrum Landsberg oder auch aus angrenzenden Landkreisen. Kinder- und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten, die in der Regelschule oder schon vorher Probleme bekommen, erhalten auf solchen Schulen eine individuelle Lernförderung.

Bevor dann die Ausbildung startet, kann bei Bedarf eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) absolviert werden. Während der elfmonatigen BVB-Zeit können die Jugendlichen alle Ausbildungsbereiche kennenlernen und auch Praktika außerhalb der Einrichtung machen. Erst dann entscheiden sie, auch in Gesprächen mit der Agentur für Arbeit, welchen Beruf sie wählen. Jetzt beginnt die eigentliche Ausbildung.

Die haben alle Auszubildenden erfolgreich abgeschlossen und die Prüfung, die sich aus einem theoretischen und praktischen Teil zusammensetzt, bestanden. Jessica sogar mit der Traumnote 1,1. „Mit dem Abschluss verliert man den Reha-Status“, sagt Straub. „Und ist damit ein ganz regulär zu vermittelnder junger Mensch.“ Alle seien gut auf dem Ersten Arbeitsmarkt untergekommen. „Es ist einfach ein unheimlich großer Bedarf da“, sagt Ausbilderin Sigrid Blank.

Jessica hat ihre Ausbildung im Juli abgeschlossen und arbeitet jetzt in der mobilen Pflege in einer Senioren-WG in Fuchstal. Während der letzten Jahre hat sie viele Praktika gemacht, um Erfahrungen zu sammeln. „Ich hätte nie gedacht, dass mir der Job so viel Spaß macht“, erzählt sie – und möchte nie mehr wechseln. Das nächste Ziel hat sie schon vor Augen: die Weiterbildung als Fachkraft zur Altenpflegerin. Auch das könnte sich Jessica gut vorstellen. Und startet jetzt durch.
Andrea Schmelzle

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