Regierung schließt "Gipfelstürmer" 

Jugend-Terror im Lechrain

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Die Jugendhilfeeinrichtung „Gipfelstürmer“ in Thainig ist momentan verwaist.

Thaining – Terror, Brandstiftung, Medikamenten-Überdosen und kör­- perliche Gewalt gegenüber Betreuern: Wie konnte es zu solchen Auswüchsen in der Jugendhilfeeinrichtung der „Gipfelstürmer“ in Thaining kommen? Die Betreiber sprechen von „Gruppendynamik“.

Die Betreiber wollen alles daran setzen, die private Einrichtung für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche wieder in Betrieb zu nehmen, nachdem die Regierung von Oberbayern die Betreuungsstätte erst mal dicht gemacht hat (siehe dazu "Terror im Kinderheim" vom 27. Februar).

Die Gefährdung des Kindeswohls sei ausschlaggebend gewesen, die Betriebserlaubnis zu entziehen, erklärt Regierungssprecherin Ines Schantz. In der Einrichtung seien diverse Auflagen nicht eingehalten worden. Welche Versäumnisse im Speziellen vorlagen, darüber könne die Regierung momentan aus Datenschutzgründen keine Angaben machen.

Fest steht jedoch: Die Polizei in Landsberg registrierte in kurzer Zeit 19 Straftaten, die von schwer erziehbaren Jugendlichen aus der Einrichtung begangen worden waren. Laut Polizeisprecher Franz Kreuzer seien die Betreuer wohl „restlos überfordert“ gewesen. Und darunter hatten auch die Nachbarn zu leiden, die von einer immensen Zerstörungswut berichten: „Man wusste nie, was als nächstes kommt“, sagt der unmittelbare Anwohner Klaus Rausch. Die Jugendlichen hätten auch alle Freiheiten gehabt, seien sogar auf dem Dach herumgeturnt. „Die Einrichtung war wohl ein Experiment, das leider gescheitert ist.“

Äußerst auffällig

Auf Anfrage des KREISBOTEN bezieht auch der Betreiber Stellung zu den Vorfällen: Drei „äußerst verhaltensauffällige“ Ju­- gendliche seien fast zeitgleich aufgenommen worden. Nur deshalb habe sich die Situation so zugespitzt, erklärt Manfred Müller von „Gipfelstürmer“, der Gesellschaft für Kinder- und Jugendhilfe mbh, mit Hauptsitz in Marktoberdorf. Eine Gruppendynamik habe sich da entwickelt, so Müller und fügt hinzu: „Wir wollen die Jugendlichen gerne integrieren, doch das geht eben nicht von heute auf morgen.“

Aus heutiger Sicht hätte daher der dritte Jugendliche wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen werden dürfen. „Das ist aber der einzige Vorwurf, den wir uns machen können,“ meint Müller. Im Gegensatz zur Regierung von Oberbayern legt er dar, dass das Kindeswohl zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen wäre. Die Vorfälle hätten sich ja erst nach Aufnahme der drei Extremfälle ab Mitte Dezember ereignet. Darauf habe man reagiert und die betreffenden Jugendlichen aus der Einrichtung genommen, versichert Müller.

Mehr Betreuer

Auch Thainings Bürgermeister Leonhard Stork hat diese Zuspitzung der Lage beobachtet: Nachdem die Einrichtung im November 2011 eröffnet worden war, habe es zunächst keine Beschwerden gegeben. Doch im Herbst vergangenen Jahres gingen die ersten Beschwerden von Bürgern ein, bis die Situation ab Weihnachten plötzlich eskalierte. „Das ganze zog immer weitere Kreise“, weiß Stork. Nicht nur Nachbarn seien terrorisiert worden, auch Spaziergänger hätten die jungen Leuten immer wieder angepöbelt – „von den diversen Sachbeschädigungen und sonstigen schwereren Straftaten ganz zu schweigen. Außerdem haben die Jugendlichen im Dorf und bei Geschäftsleuten gebettelt.“ Alle Vermittlungsversuche der Gemeinde versuchte seien unter anderem daran gescheitert, dass die Betreuer ständig wechselten, so der Bürgermeister. „Es hätten einfach mehr Betreuer vor Ort sein müssen.“

Die Betreibergesellschaft hat die Angelegenheit nun an einen Rechtsanwalt übergeben und will versuchen, die Betriebserlaubnis zurückzuerlangen. Zudem sei eine Dienstauf­sichtsbeschwerde gegen einen Beamten der Heimaufsicht der Regierung von Oberbayern eingeleitet worden, da den „Gipfelstürmern“ bereits „vor der Eröffnung ungerechtfertigterweise Steine in den Weg gelegt“ worden seien, erhebt Müller seinerseits Vorwürfe. Laut Pressesprecherin Ines Schantz liegt der Regierung jedoch bisher keine derartige Beschwerde vor. Deshalb könne sie den Vorwurf nicht kommentieren.

Manuela Schmid

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