Ein "Heim" für das mobile Zuhause

Die Region attraktiver machen: Ehepaar plant Wohnmobilstellplatz in Penzing

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Wohin mit dem Wohnmobil? Stellplätze sind im Landkreis rar. Ein junges Ehepaar aus Penzing will das jetzt ändern. Geplant ist ein Stellplatz in Penzing.

Landkreis – Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, trägt sein Zuhause sozusagen huckepack. Eine Voraussetzung, die vor allem dieses Jahr mit Hygiene- und Abstandsregeln in anderen Ferienunterkünften regen Zuspruch findet. Aber wo kann man länger als einen Tag halten – abgesehen vom Campingplatz? Wohnmobilstellplätze im Landkreis sind rar. Das findet auch das Ehepaar Kristina und Julian Kalkschmidt aus Penzing. Die beiden begeisterten Wohnmobilisten planen einen Wohnmobilstellplatz in Penzing, den sie selbst betreiben. Und auch selbst finanzieren.

„Die Idee dazu haben wir seit über zwei Jahren im Kopf“, erzählt Kristina Kalkschmidt. Denn der 33-jährige Projektleiter Julian und die 31-jährige Marketingmitarbeiterin mitsamt zwei Kindern sind selbst begeisterte Wohnmobilisten. „Auch unsere Kinder mit ihren drei und fünf Jahren lieben diese Art zu reisen. Sie haben im Wohnmobil ihre gewohnte Umgebung und können alle paar Tage Neues erkunden“, erzählt Kristina. Man lerne unterwegs unglaublich viele andere Wohnmobil-Urlauber kennen. Die gerne in den Landkreis kommen würden – wenn die Infrastruktur nur besser wäre.

Das Ehepaar startete Recherchen, nahm Kontakt zum Tourismusverband auf. „Die Zulassungszahlen für Wohnmobile steigen schon seit Jahren“, erzählt Kristina. Insbesondere heuer gebe es viele Neucamper. Dazu kommen immer mehr Plattformen, auf denen man Wohnmobile mieten kann.

Und wie viele Stellplätze pro Wohnmobil gibt es in der Gegend? „Wir sind auf nur gute 90 gekommen“, antwortet die 31-Jährige. 40 in Andechs, ein paar in Herrsching. Im Landkreis Landsberg gebe es drei Plätze beim Staudenwirt in Finning. Dießen bietet einen Stellplatz für rund 15 Wohnmobile in der Windermerestraße, Höchstparkdauer vier Tage. Auf der Waitzinger Wiese in Landsberg dürfen acht Wohnmobile parken, ebenfalls maximal vier Tage, „aber der ist eigentlich immer voll“, weiß Kristina. Ansonsten sieht es im Landkreis mau aus. Keine Plätze in Eching, Greifenberg und Schondorf. Dort wurde vor Kurzem sogar die Höchstparkdauer in der Seestraße auf vier Stunden begrenzt – um insbesondere Wohnmobilisten vom Dauerparken abzuhalten. Und Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann teilt auf Anfrage des KREISBOTEN mit: „Das Campen auf öffentlichen Stellplätzen und Straßen ist ausdrücklich nicht erwünscht.“ Der Markt Kaufering bietet keine Stellplätze. Und auch im Lechrain sucht man vergeblich.

Die Wohnmobil-Nutzer dürfen ihr Fahrzeug zwar an öffentlichen Straßen abstellen und dort eine Nacht stehenbleiben, außer die Parkzeit ist begrenzt oder Wohnmobile sind ausdrücklich verboten. Ausgewiesene Stellplätze bieten aber auch einen Stromanschluss sowie die Möglichkeit zur Ver- und Entsorgung von Wasser. Und die Besucher stehen nicht mitten auf der Straße – ein eher unattraktiver Urlaubsort.

Auf die Ästhetik legen die Kalkschmidts Wert. Sie wollen mehr als eine graue, versiegelte Fläche bieten: einen Stellplatz für rund 40 Wohnmobile samt einer Fläche, die in Hochzeiten als Ausweichfläche dient, „damit niemand auf der Straße stehen muss“. Ob auch Wohnwagen zugelassen sein werden, muss das Ehepaar noch überdenken. Unter anderem, weil dann andere Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit das Landratsamt den Platz genehmigt.

Eine grüne Oase

Geplant sind Grünstreifen und Wiesen, Fotovoltaikanlage, um den Strom selbst zu erzeugen, vielleicht sogar noch ein Imker, der dort seine Bienenkästen aufstellt. Den Müll können Besucher auf dem Stellplatz getrennt entsorgen. Und auch ein Sanitärhaus samt barrierefreier Toilette soll auf dem Stellplatz stehen. „Wohnmobilisten nutzen gerne auch mal externe Anlagen zum Duschen“, weiß Kristina aus eigener Erfahrung.

Die Höchstparkdauer soll bei drei oder vier Tagen liegen. Denn Wohnmobilisten seien nicht unbedingt die, die drei Wochen am selben Fleck blieben: Da gebe es Besucher aus Augsburg, die eben nur mal kurz ein Wochenende in der Region verbringen wollen. „Oder die, die eine Deutschlandreise machen“, sagt Kristina. Der Wohnmobilbesitzer an sich sei laut Statistik eher 50 plus und ausgabefreudig, „nicht das junge Partyvolk“ – nicht umsonst liegen die Kosten für manche Fahrzeuge im sechststelligen Bereich.

„In Zukunft könnten wir uns dort auch einen E-Car und E-Bike-Verleih vorstellen, damit die Besucher die Gegend vom Stellplatz aus gut erkunden können“, erzählt die 31-Jährige weiter. Denn auch das ist dem Ehepaar wichtig: Der Platz soll die Region attraktiver machen und so auch für die Gemeinde von Vorteil sein. Da die Besucher ja auch die Geschäfte in der Umgebung zum Einkaufen nutzen, Museen besuchen, Essen gehen oder auch einen Film im Kino genießen – zum Beispiel in dem in Penzing.

Betreiber der Anlage werden die Kalkschmidts selbst sein, im Nebenerwerb. Ein Büro soll auf dem Gelände stehen, auch wenn der Betrieb digital laufen wird: Die Besucher erwerben eine Karte, auf die sie Geld laden. Von dort werden sämtliche Gebühren abgebucht.

Grundstückssuche

Und wo soll der Stellplatz sein? „Wir sind schon lange auf der Suche nach einem Grundstück“, erzählt Kristina. Es gehe darum, ein Gelände zu einem akzeptablen Preis zu kaufen, pachten funktioniere aufgrund der hohen Investitionssumme nicht. Rund 750.000 Euro wird das Ehepaar investieren. Ein Landwirt würde ein Gelände verkaufen. Die beiden haben ihr Konzept jetzt aber auch im Gemeinderat vorgestellt. Und der findet es unterstützenswert. So sehr, dass sich Gemeinde und Kalkschmidts gemeinsam auf die Suche nach „dem perfekten Ort“ machen. Vielleicht komme auch ein Gebiet am Baggersee infrage. Aber der Weg dahin ist noch lang. Jetzt gelte es, Böden zu prüfen, mit dem Landratsamt zu sprechen, alles nochmals zu überdenken, betont Kristina. „Da ist bisher noch überhaupt nichts entschieden.“
Susanne Greiner

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