IHK jetzt näher am Landkreis Landsberg

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Mit Taktstock: Hans-Günter Schwanzer (Hailix Blechle) gestattete Reinhard Häckl (IHK), beim Wirtschaftsempfang den Radetzky-Marsch zu dirigieren.

Landkreis – Was für ein Start für den vor Kurzem gegründeten Regionalausschuss Landsberg der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern: Schon der erste Wirtschaftsempfang am Montag Abend, zu dem Ausschuss-Vorsitzender Reinhard Häckl gemeinsam mit Landrat Thomas Eichinger eingeladen hatte, stieß auf so großes Interesse der Unternehmen, dass im Festsaal des Historischen Rathauses kein Platz mehr frei war. Wohl jeder schloss zurecht daraus: Es ist gut, dass die IHK ein Stück näher an den Landkreis herangerückt ist.

Landrat Eichinger begrüßte die Neuorganisation dann auch explizit. „Das ist ja geradezu ein historischer Moment. Ich bin sehr glücklich über die Entscheidung der IHK, sich zu regionalisieren. Der Kreis hat jetzt ein Pendant auf Seiten der Kammer.“ Freilich philosophierte Eichinger, wie im vergangenen Jahr beim Unternehmerfrühstück im Landratsamt, über die „starke Orientierung“ der Menschen im Landkreis in Richtung „große Stadt München“; das habe „Schattenseiten“. Folgerichtig widmete er einen größeren Teil seiner Ausführungen der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere der zweiten Stammstrecke der S-Bahn, die in zehn Jahren das Pendeln in die Hauptstadt des Freistaats glücklicherweise erleichtere.

Das anschließende Grußwort des Landsberger Oberbürgermeisters Mathias Neuner wirkte insofern wie ein Konter. „Das mit der Stammstrecke können die schon machen. Aber Landsberg ist ein Einpendlerstandort. Wir brauchen eine vernünftige S-Bahn, damit die Leute zu uns zum Arbeiten kommen. Wir haben fast 14.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Landsberg, aber nur 10.500 Arbeitnehmer. Landsberg ist keine Bettenburg von München, keine Auspendlerstadt nach München. Landsberg ist ein Wirtschaftsstandort.“ In Landsberg habe man die Möglichkeit, dort wo man lebe auch zu arbeiten. Wer genau hinhörte, erkannte diese feine Kontroverse – und fragte sich, ob die starke München-Orientierung des Landrats eigentlich im Sinne hiesigen Unternehmen ist.

Trennung war richtig

Regionalausschussvorsitzender Reinhard Häckl war vom Zuspruch der Unternehmer und Führungskräfte aus dem Landkreis jedenfalls „komplett überwältigt“. Er belege, dass die Trennung der viele Jahre vereinten IHK-Region „Landsberg/Weilheim-Schongau“ richtig sei. Das Arbeitsprogramm für Landsberg sehe eine Verbesserung der Standortfaktoren im Landkreis vor. Wichtige Themen seien die Digitalisierung und der Breitbandausbau, die Verkehrs­infrastruktur und die Nachnutzung des Bundeswehr-Areals in Penzing. Ziel sei auch, die Wirtschaft im Landkreis mehr als bisher zu vernetzen.

Häckl berichtete aus einer aktuellen IHK-Umfrage, dass die bayerischen Unternehmen mit ihrer Geschäftslage außerordentlich zufrieden sind. Allerdings sehe auch jeder zweite Betrieb in den weltpolitischen Unsicherheiten ein Geschäftsrisiko. Insbesondere der unkalkulierbare Kurs der neuen US-Regierung verursache große Sorgen. „Wir als IHK sprechen uns gegen Nationalisierungstendenzen wie in Großbritannien und Frankreich aus. Sie sind für unsere Wirtschaft schädlich.“ Auch die Bundestagswahl sei aus Sicht der Unternehmen ein Risiko, etwa die Ankündigung, die Agenda 2010 korrigieren zu wollen.

Werner Lauff

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