Wenn die Reis-Ernte mager bleibt

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Beim Themenabend Landwirtschaft in Weil (von links): Franz Maisterl (Raiffeisenbank Weil und Umgebung), Leonhard Welzmiller (BBV), Professor Dr. Johannes Holzner und Gastgeber Stefan Jörg, Vorstand der VR-Bank-Landsberg-Ammersee.

Weil – Welche Auswirkung hat das Wetter in Indien auf die Landwirtschaft in Bayern? Warum ist die amerikanische Weizenernte wichtig für die Bauern zwischen Lech und Ammersee? So lauteten einige der Fragen beim diesjährigen Themenabend, den die VR-Bank Landsberg-Ammersee mit dem Bayerischen Bauernverband veranstaltete. In seinem Vortrag „Landwirtschaft in Bayern – intensiv und/oder nachhaltig?“ beleuchtete Professor Dr. Johannes Holzner, Agrarökonom an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die Herausforderungen und Chancen der globalen Märkte für die heimischen Bauern.

Denn global ist die Landwirtschaft längst, und jeder Betriebsleiter tut gut daran, die wichtigsten Zusammenhänge zu kennen. So seien es die Erträge von Winterweizen, Mais und Reis, die weltweit die Getreidepreise bestimmen, erläuterte Holzner.

Wer also die Ernteaussichten der größten Weizenexporteure – USA, Russland und Ukraine – im Auge behalte, könne Preisentwicklungen absehen und sich selbst entsprechend positionieren. Ähnliches gilt für Raps und Soja: Die Ernten in den USA, Brasilien und Argentinien seien ausschlaggebend für die weltweite Marktlage, so Holzner. Den heimischen Bauern riet er deshalb: „Die Ernteprognosen für diese Länder beachten und darauf basierend die eigenen Raps- und Soja-Kontrakte aushandeln.“

Auch klimatische Faktoren in den Abnehmerländern spielen eine Rolle. So ließen Hochwasserprobleme im Reis-Land Indien vor wenigen Jahren etwa den dortigen Getreidebedarf nach oben schnellen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die internationalen Handelsströme.

Interaktiv

Mit kleinen Umfragen unter den rund 80 Besuchern im Saal des Gasthauses Probst in Weil gestaltete Holzner seinen Vortrag interaktiv und sorgte damit nicht nur für Auflockerung, sondern auch für interessante Erkenntnisse. So gaben nur acht Prozent der Anwesenden an, dass sie in ihrem Betrieb über ein automatisches Lenksystem verfügen. Bei der Konkurrenz, beispielsweise in der „Kornkammer“ Kasachstan, sei dies aber bereits Standard, so Holzner. Ebenso sei es sinnvoll, Milch an den Warenterminbörsen gegen Preisverfall zu versichern. Noch wird dies offenbar kaum praktiziert, dabei sei es „ein ganz normales Strategie-Instrument.“

Für einen zukunftsfähigen Betrieb kann die eigene Energieversorgung durchaus Thema sein. Der Agrarökonom riet gerade Milchviehhalten, sich etwa über kleine Windräder zu informieren. Genehmigungsfähige Zehn-Kilowatt-Anlagen erforderten ein Investitionsvolumen von lediglich 75 000 Euro.

Doch nicht nur harte Faktoren wie der Weltmarkt und die technische Ausstattung der Betriebe beeinflussen den Erfolg der Landwirtschaft. Spannungsfelder entstehen auch durch eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung der Landwirtschaft und durch familiäre Konflikte. Holzner riet deshalb dazu, auch dem Privatleben genügend Raum zu geben.

Banken-Hochzeit

Keinen privaten Charakter hat die Hochzeit, die VR-Bank-Vorstand Stefan Jörg in seinem Grußwort ansprach – gemeint war die Fusion seines Hauses mit der Raiffeisenbank Weil und Umgebung, die in diesen Wochen von den Mitgliederversammlungen beider Banken abgesegnet werden soll.

Doch nicht nur deshalb traf man sich an diesem Abend in Weil. Die gemeinsamen Veranstaltungen von VR-Bank und Bauernverband im Weiler Gasthof haben längst Tradition. „Wir sind mit dieser erfolgreichen Reihe im neunten Jahr“, so Jörg. „Raiffeisen und Landwirtschaft – das passt halt einfach zusammen.“

Ulrike Osman

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