Gutes Klima im Landkreis?

Ergebnisse der Regional-Klimastudie im Umweltausschuss vorgestellt

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Der CO2-Ausstoß als Messlatte für die Wirkung des Klimaschutzes.

Landkreis – Die letzten vier Jahre strotzen vor Klimaextremen: wärmer, nasser, stürmischer. Aber Klimawandel wirkt sich regional unterschiedlich aus. Weshalb das Landratsamt eine auf fünf Kilometer regionalisierte Klimawandelstudie in Auftrag gegeben hatte, samt Datenerhebung der Vergangenheit und einem Zukunftsszenario bis 2050 (der KREISBOTE berichtete). Im Umweltausschuss wurden jetzt die Ergebnisse vorgestellt.

Für die Studie wurde ein globales Klimamodellszenario regionalisiert, wofür Daten an neun Orten im Landkreis erhoben wurden – teilweise seit 1781 (Hohenpeißenberg). Die Schwerpunkte der Studie, die Klimaforscher Harald Kunstmann vorstellte, lagen auf der Klimaentwicklung in Vergangenheit und Zukunft, auf der Überprüfung von extremen Wetterphänomenen (Starkregen und Trockenperioden) und auf der Längenmessung der Vegetationsperiode. Die Gültigkeit des Modells wurde mittels Vorhersagen aus „alten“ Daten und deren Verifizierung an der Realität überprüft.

Ein lokales Ergebnis ist dabei beispielsweise die Temperaturzunahme in Kaufering um 2,4 Grad innerhalb der letzten 40 Jahre. In Landsberg stellt die Studie dagegen einen Temperaturrückgang fest. Allerdings müsse man hier sehen, dass die Landsberger Messung erst seit 2000 läuft – die Daten sind somit nicht signifikant. Eine allgemeine Temperatursteigerung (+ 1 Grad), vor allem im Frühling und Winter, sowie eine geringe Niederschlagszunahme (+ 100 mm), hier ebenfalls vor allem im Winter, sei bis 2050 zu erkennen. Ein lokaler „Störer“ ist aber zum Beispiel der Niederschlag-Rückgang im südlichen Landkreis. Die Studie könne zudem keine Zunahme der Extremwetterphänomene im Landkreis voraussagen. Dafür seien die einzelnen lokalen Werte zu unterschiedlich. Allerdings sei das keine Entwarnung: „Wenn die Temperatur steigt, gelangt mehr Wasser in die Atmosphäre. Stärkere Niederschläge sind also laut Physik zu erwarten.“ Das Problem bei Extremen liege in ihnen: Sie treten nur selten auf. Um Durchschnittswerte zu bekommen, brauche es lange Messperioden.

Konkrete Ergebnisse kann die Studie nur im Bezug auf die Vegetationsperioden nennen, also die Zeit von Frühling bis Herbst, in der die Temperaturen über sieben Grad liegen. Denn die werden länger. Hört sich ja eigentlich nicht schlecht an. „Aber eine längere Wachstumsperiode heißt natürlich nicht, alles ist gut“, sagt Kunstmann: „Man muss auch fragen, ob genug Wasser vorhanden ist, wie es mit Schädlingsbefall aussieht. Das ist ein extrem komplexes Gebilde.“ Zwar solle man sich nicht in „Schreckensszenarien“ hineinsteigern. Allerdings sei der Klimawandel eben stark vom CO2-Ausstoß abhängig. „Und da liegen wir jetzt schon über dem Wert, der im pessimistischsten Fall angenommen wurde.“ Die Auswirkungen dieser Annahmen würden sich aber erst langfristig deutlich zeigen – erst nach 2050. „Bis dahin liegen die Werte bei unterschiedlichen CO2-Ausstoß-Annahmen noch nah beieinander.“

Der Kohlendioxid-Anstieg sei jedoch der ausschlaggebende Faktor für den Klimawandel. Gab es vor der Industrialisierung 180 ppm (Parts per million), sind es jetzt 411 ppm. „Solange der Anteil der CO2-Teile in der Atmosphäre steigt, hat der Klimaschutz nichts bewirkt.“

Landwirt Leonhard Welzmiller (CSU) versuchte, die Studienergebnisse positiv zu deuten. Weniger Regen im Frühjahr und eien längere Vegetationsperiode seien doch gut. Und trotz langer Trockenperiode hätten einige Landwirte 2018 Spitzenerträge eingefahren. Kontra gab Wolfgang Butter (ÖDP), der die Arbeitsweise der Studie anzweifelte: „Man kann in der Natur nicht linear rechnen“, kritisierte er die ermittelten Trendwerte. Zudem müssten auch weitere Faktoren einbezogen werden. Das System arbeite sehr wohl nichtlinear, betonte Kunstmann. Lediglich die Trends seien eine lineare Interpretation. Und auch Faktoren wie Bevölkerungswachstum und Energiemix der Zukunft hätten Einfluss in dem verwendeten System. „Nicht aufgenommen ist hingegen, wenn bei einem Erdbeben Methanhydrat im Meer austritt oder ein Vulkan ausbricht.“ Eine Unsicherheit bleibe immer: „Wir vermuten eben Sachen.“

Über ein „gut“ oder „schlecht“ in Bezug auf den Klimawandel zu streiten, bringe nichts, wandte Landrat Thomas Eichinger ein. Die Projektion bleibe immer unsicher, „Sie können ja nicht Roulette vorhersagen“. Vielmehr gelte es, sich dem Klimawandel anzupassen. Und zum Beispiel darüber nachzudenken, in Schulen zukünftig Klimaanlagen einzubauen.

Dennoch, sich auf den Ergebnissen für den Landkreis auszuruhen, sei nicht zielführend, betonte Josef Lutzenberger (GAL). „Ich möchte weiterhin eine Lanze für die globale Betrachtung brechen.“

Susanne Greiner

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