Sündenfall am Wiesenring?

Reihenhäuser fressen Grünfläche

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Nach der aktuellen Planung soll der Grünstreifen zwischen Lärmschutzwall (links) und Wiesenring (rechts) mit zweimal acht Reihenhäuser bebaut werden. Die Anlieger setzten sich mit aller Kraft dagegen zur Wehr.

Landsberg – Gegen die zusätzliche Wohnbebauung im verbliebenen Grünstreifen im Gebiet „Obere Wiesen“ regt sich unter den Anwohnern erheblicher Widerstand, eine Bürgerinitiative sammelt Unterschriften und geht bei der Verwaltung gegen das Vorhaben vor – reichlich spät, denn die Planungen sind inzwischen weit fortgeschritten.

Mit 22:4 Stimmen hatte der Stadtrat vor Jahresfrist gegen den Rat von Stadtbaumeisterin Annegret Michler auf Antrag der CSU beschlossen, am Lärmschutzwall zur B17/Schongauer Straße weitere Baugrundstücke auszuweisen. In welchem Umfang das geschehen soll, wurde damals nicht abgefragt, die Verwaltung wurde lediglich beauftragt, ein Konzept auszuarbei- ten.

„Zwei oder drei Häuser im Knick im Süden“ waren OB Mathias Neuner damals auf Nachfrage des KREISBOTEN vorge- schwebt, eine „Grüne Lunge“ im dicht bebauten Gebiet sollte auch nach seiner Meinung bleiben. Außerdem sei eine Nachverdichtung ohnehin dort sinnvoller, „wo man 20 oder 30 Häuser unterbringen kann und nicht drei“. Nach weiteren Beschlüssen und in der Amtlichen Bekanntmachung der Stadt sieht das jetzt so aus: Die „maßvolle Nachverdichtung innerhalb bebauter Gebiete“ soll fast bis zur Einmündung Obere Wiesen/Wiesenring reichen, geplant sind im 16 (zweimal acht) Reihenhäuser.

Kein Grün mehr

Mit „Bestürzung“ habe sie den Entwurf des qualifizierten Bebauungsplan „Obere Wiesen – 9. Änderung Obere Wiesen Ost“ zur Kenntnis genom- men, schreibt die Initiative in einem Brief an den OB. Zum einen fehlten Parkplätze, „in 20 Jahren ist dann keine Grünfläche mehr vorhanden“. Zudem sollten laut Bauplan „weit über 100 Bäume abgeholzt werden, wo man sonst nicht einen Baum fällen darf“, es sei im „viel zu dicht besiedelten Bauvorhaben der Oberen Wiesen überhaupt kein Baumbestand mehr vorhanden.“

Auf letzteren Punkt wurde im Gutachten der Verwaltung bereits eingegangen, der darin enthaltene Vergleich mit der Schwaighofsiedlung sei aber „irreführend“, so die Initiatoren. Dort stünden sehr viele Einfamilienhäuser mit großen Gärten, „ein Weiher, ein Tennisplatz und sehr viele begrünte Zonen.“ Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt hatte der Stadt nahegelegt, vor einer Baum-Fällaktion eine Artenschutzrechtliche Vorprüfung durchzuführen.

Unabhängig davon hatte vor allem die CSU beim Stadtratsbeschluss darauf hingewiesen, dass der Grünstreifen ohnehin ursprünglich zur Disposition gestanden hätte. Bei einer (dann nicht verwirklichten) Stadtbahn wäre dort ein Haltepunkt inklusive Park&Ride-Plätzen vorgesehen gewesen. Somit könne man dort jetzt auch Wohnhäuser bauen, hatten der damalige Fraktionssprecher Helmut Weber und Bürgermeister Norbert Kreuzer betont.

In den vergangenen Jahren wurde der Bereich am Lärmschutzwall vorwiegend von Kindern und Jugendlichen aus der Siedlung in Beschlag genommen; im Sommer als Bolzplatz, im Winter als Rodelhang.

Aktuell befindet sich der Bebauungsplan in der „1. Auslegung“ (bis 27. Juni), danach erfolgen Abwägung, „2. Auslegung“ und schließlich der Satzungsbeschluss im Stadtrat. Gegen den B-Plan wurde bereits in kurzer Zeit eine erhebliche Zahl an Unterschriften gesammelt. Ein kürzlich erfolgtes persönliches Gespräch der Initiatoren mit dem Oberbürgermeister blieb allerdings ergebnislos. Offenbar hat die Initiative dort klar signalisiert bekommen, dass man an der Planung festhalten werde.

Derlei Signale erbosen Reinhardt Müller gehörig. Mit den „an den Lärmschutzwall angeklebten Hundehütten“ werde die „ursprünglich großzügige Wohnbebauung der wbl ad absurdum geführt“, wettert der Wiesenring-Anwohner in einem Offenen Brief und spricht von einem „städtebaulichen Südenfall“.

Mit den Leuten reden

Die Stadtbaumeisterin nimmt den Protest der Anwohner sehr ernst. Sie könne den Ratsmitgliedern inzwischen nicht mehr empfehlen, das Vorhaben „so durchzuziehen“, räumt Annegret Michler auf Anfrage des KREISBOTEN ein. Vielmehr sei „rausgehen und mit den Leuten reden“ ein probates Mittel, um einen gemeinsamen Nenner für die geplante Bebauung des Grünstreifens zu finden. Da könne unter Umständen auch weiterhelfen, wenn der vorhandene Grünanger im Zentrum von Obere Wiesen zu einem ordentlichen Treffpunkt ausgebaut würde.

Die „eindrucksvolle Unterschriftenliste“ der Initiative vor Augen, spricht sich inzwischen auch die SPD für eine ausführliche Infoveranstaltung aus. Da könnten die Bürger dann ihre „Bedenken und eigenen Vorschläge darstellen“, schreibt Fraktionsvorsitzender Dieter Völkel an OB Mathias Neuner (CSU). Weiter schlägt er einen Ortstermin für Stadtrat oder Bauausschuss vor, um im Anschluss den Bebauungsplan neu zu erörtern.

Christoph Kruse/Toni Schwaiger

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