Rats-Schmankerl

Baumeister vom Wiesenring

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Am Wiesenring (Foto) dürfen demnächst 16 Bauherren gemeinsam Reihenhäuser entwickeln.

Landsberg – Nach „Zuhause im Glück“ und den „Baurettern“ könnte es im deutschen Fernsehen bald ein drittes erfolgreiches Format rund ums Bauen geben – und zwar aus Landsberg. Die Stadtverwaltung will nämlich die Grundstücke für die beschlossenen Reihenhäuser am Wiesenring einzeln verkaufen; die 16 Neu-Eigentümer sollen sich dann auf eine koordinierte Bauausführung einigen. Dieses Konzept dürfte für gute Unterhaltung sorgen.

Die Herausforderung lautet: 16 Erwerber, allesamt bautechnisch unerfahren, müssen individuell Häuser bauen, die aneinander angrenzen und zueinander passen. Dabei müssen sie sämtliche Probleme, die mehrere oder alle Häuser betreffen, gemeinsam lösen. Einzige Vorgabe ist der Bebauungsplan. So etwa könnte die Beschreibung für das neue Fernsehformat lauten, das Landsberg bundesweit Aufmerksamkeit garantiert.

Ob die Stadtverwaltung die Vermarktung an RTL, VOX oder kabel eins bereits im Kalkül hat, ist unklar. Jedenfalls eignet sich eine solche „Challenge“, wie die Aufgabe im TV-Jargon heißt, ohne Zweifel dafür. „Begleiten Kamerateams die Bauherren-Familien von Anfang an, können sie Emotionen pur einfangen. Die Freudentränen beim Notartermin. Die Wut, wenn man über die Bauzeit streitet. Die Querelen um die Kellerquerverkabelung. Die Missgunst wegen des Wintergartens des Nachbarn. Den Wettlauf um die besten Handwerker. Die Verzweiflung derer, die entnervt aussteigen. Das ist Stoff für die beste Sendezeit“, urteilte ein Branchenexperte gegenüber dem KREISBOTEN.

Das Bauamt hat die Spielregeln schon definiert. Teilnahmeberechtigt sind Bewerber, die seit mindestens fünf Jahren in Landsberg wohnen oder arbeiten. Familien mit Kindern und niedrigem Einkommen werden bevorzugt. Diese allgemeinen Voraussetzungen des vom Stadtrat beschlossenen „Landsberger Modells“ bekommen beim neuen TV-Format eine besondere Note: Wer bei diesem Spiel den Zuschlag für ein Grundstück erhält, steckt ein Scheitern in der Bauphase nicht einfach weg. Da geht es nicht mehr nur um Wohnen, sondern um die finanzielle Existenz – die Spannung der Zuschauer steigt durch dieses Risiko ins Unermessliche.

Draufhalten, mitschneiden, ausstrahlen – das werden sich Deutschlands Privatsender nicht zweimal sagen lassen. Ähnlich wie bei „Wetten, Dass“ oder „DSDS“ müssen sie allerdings bei jeder Folge Zahlungen an die Stadt Landsberg leisten, denn die hat das neue Format ja erfunden. Der Stadtbaumeisterin wäre anzuraten, sich bei Frank Elstner zu erkundigen, was man da so verlangen kann.

Eigentlich kann diesen Plan nur noch ein unglücklicher Umstand verhindern: Wenn die derzeit stattfindenden Bodenuntersuchungen zu dem Ergebnis führen, dass wegen des Untergrunds oder aufgrund von Altlasten doch mehr Vorarbeit nötig ist. Dann würde die Stadt wahrscheinlich wieder zum Normalfall zurückkehren und einen Bauträger auswählen, der die Häuser aus einer Hand baut und nach Fertigstellung an die Interessenten verkauft. Doch dann macht der Landsberger Hausbau zu Babel keine Fernsehgeschichte mehr. Es wäre schade drum.

Werner Lauff

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