Fakten schaffen:

Erst die Bäume, dann der Beschluss

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Fakten schaffen: Obgleich die Bebauungsplanänderung „Obere Wiesen“ erst am kommenden Mittwoch im Stadtrat abgesegnet werden soll, lässt die Bauverwaltung seit gesern bereits die Bäume am Lärmschutzwall zur B17 fällen.

Landsberg – Es sieht zwar so aus, als würde der Stadtrat am kommenden Mittwoch­abend dem Bau von 16 Reihenhäusern am Wiesenring zustimmen. Aber noch ist der Flächennutzungsplan nicht geändert und der Bebauungsplan nur beantragt. Warum werden dann sechs Tage vor der Entscheidung bereits die rund 100 Bäume gefällt, die für die Nachverdichtung weichen sollen?

Dies ist umso unverständlicher, als das Vorhaben zumindest bis dato hoch umstritten war. Mit den „an den Lärmschutzwall angeklebten Hundehütten“ werde die „ursprünglich großzügige Wohnbebauung der wbl ad absurdum geführt“, hatte der Wiesenring-Anwohner Reinhardt Müller vor zwei Jahren in einem Offenen Brief geschrieben und von einem „städtebaulichen Sündenfall“ gesprochen (der KREISBOTE berichtete).

Viele seiner Nachbarn schlossen sich dieser Meinung an. Sie sammelten Unterschriften, er­zwangen Bürgerinformationen und trafen sich mit Stadträten zu Ortsterminen. „Die Bäume kommen weg, die Grünfläche auch und Parkplätze entfallen. Die Kinder müssen sich einen anderen Spielplatz suchen“, beklagten die Anwohner und resümierten: „Das ist Nachverdichtung ohne Sinn und Verstand“.

In der ersten Runde hatte der Stadtrat daher über die außergewöhnlich hohe Zahl von 160 Einwendungen gegen das Vorhaben zu entscheiden. Sie erklärt sich allerdings dadurch, dass jede einzelne Unterschrift wie ein förmlicher Einwand bewertet wurde. Zwischenzeitlich sah es so aus, als sei der Widerspruch erlahmt. Nach der öffentlichen Auslegung der Änderungen des Bebauungs- und des Flächennutzungsplans von Anfang Dezember bis Mitte Januar gab es keine einzige ablehnende Stellungnahme von Bürgern mehr.

Geändert hat sich seitdem aber nichts. Auch die Schongauer Straße ist nicht leiser geworden; deswegen bleibt es dabei, dass an den Gebäuden „zum Lüften notwendige Fenster von Schlafräumen nicht zulässig sind“. Und mit der Fällung der Bäume hatten die Anwohner nach wie vor nicht ihren Frieden gemacht. Das rund zwei Hektar große Areal zwischen Ehrenpreisstraße und Mohnblumenring soll wenigstens im Rahmen des sogenannten „Landsberger Modells“ vergeben werden; das war der einzige Fortschritt, der bei den bisherigen Stadtratsberatungen zu verzeichnen war.

Nun herrscht wieder großes Unverständnis. „Wieso können eine Woche vor der Beschlussfassung schon vollendete Tatsachen geschaffen werden?“, wunderten sich die Müllers gegenüber dem KREISBOTEN. Damit werde die Sitzung doch zur Farce. Und die Aktion schaffe neue Wunden: „Man fühlt sich hilflos.“ Nachbar Wolfgang Sand ist ebenfalls verbittert und wird noch deutlicher: „Das war wohl eine pro-forma-Bürgerversammlung als Placebo für die Bürger, die dachten, sie könnten noch Einfluss nehmen. Über 160 Einwendungen, die niemanden interessieren. Und nun ein Kahlschlag bei Nacht und Nebel.“ Wessen Interessen, will Sand wissen, würden da eigentlich durchgesetzt?

Werner Lauff

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