Bodenständig und unversnobt

Reit- und Fahrverein Ammersee feiert sein 50-Jähriges

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Die Freude am Umgang mit Pferden spürt man überall beim Reit- und Fahrverein Ammersee in Dießen. Hier Ute Merkel und Sandra Roth von der Vorstandschaft, Momo Hostrup (7) auf dem Reitpony Betty und Jana Demleitner (15).

Dießen – Eine ganze Reihe von runden Geburtstagen und Jubiläen gibt es in diesem Jahr in der Marktgemeinde Dießen zu feiern. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 150 Jahre alt, der Gasthof Unterbräu ist seit 110 Jahren in Familienbesitz, die Ammersee-Segelschule Marx gibt es seit 90 Jahren und der Reit- und Fahrverein Ammersee (RFV) blickt auf sein 50-jähriges Bestehen zurück. Grund genug, auch dieses jüngste „Geburtstagskind“ näher vorzustellen.

Bei der Gründung 1968 wählte man den Zusatz „Fahrverein“, weil neben den rund 40 aktiven Reitern drei Mitglieder mit der Kutsche gefahren sind. Die treibende Kraft beim Start des RFV war das Dießener Urgestein Kaspar „Sanktus“ Sanktjohanser, der fast 30 Jahre lang als Vorsitzender die Geschicke des Vereins leitete. Stallungen und Reithalle waren damals in St. Georgen-Wengen, wo man ab 1976 Unterricht mit einem fest angestellten Reitlehrer und eigenen Schulungspferden anbot. Das obligatorische Reiterstüberl zum geselligen Zusammensein war damals eine schwarzgebaute Holzhütte. In den 80er Jahren durfte der Verein sogar die Oberbayerischen Meisterschaften in der Vielseitigkeit ausrichten.

Der große Aufschwung des RFV kam im Jahr 2004 mit dem Umzug in die Probst-Herkulan-Karg-Straße. Die Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul als Besitzer des Schacky-Parks machten dem Verein das Angebot, den bislang landwirtschaftlich genutzten westlichen Teil des Parks für 66 Jahre zu pachten. Da konnte man einfach nicht Nein sagen. Zusammen mit regionalen Handwerksbetrieben und viel Enthusiasmus in tausenden Arbeitsstunden in Eigenregie entstand die heutige imposante Anlage. Aus dem Kuhstall wurde der Pferdestall mit 27 großzügigen Boxen, der Hühnerstall wurde zum Offenstall ausgebaut, aus der Melkkammer wurde die Sattelkammer, der Kälberstall verwandelte sich in das gemütliche Reiterstübchen. Ende 2004 wurde die nagelneue Reithalle in den Maßen 20 mal 40 Meter eingeweiht. Im Außenbereich entstand ein Spring- und Dressurparcours und ein großer Reitplatz, der dank seines Belages aus Sand und Teppichschnitzeln ganzjährig bereitbar ist. Dazu gibt es Gras- und Schlechtwetterkoppeln. Im Pferdestall sind nicht nur die eigenen Schulungspferde untergebracht, sondern auch „Pensionsgäste“, wie man hier die Privatpferde nennt.

Derzeit zählt der Verein ungefähr 250 Mitglieder, davon sind fast die Hälfte Kinder und Jugendliche. Ein Hauptanliegen dieses Reitvereins ist es, dem Nachwuchs zu moderaten Preisen Reitsport und den Umgang mit Pferden nahezubringen. Daneben ist die Reittherapie ein wichtiger Bestandteil des Programms. Sie richtet sich nicht nur an junge Leute mit Handicaps und Verhaltensauffälligkeiten, sondern auch an ältere und ängstliche Menschen. Mit dem benachbarten SOS-Kinderdorf besteht hier eine enge Zusammenarbeit. Die Kosten für die Reittherapie werden übrigens teilweise von den Krankenkassen und Jugendämtern übernommen.

Der Verein hat aktuell sieben eigene Lehrpferde für den Reitunterricht, intern liebevoll „Schulis“ genannt. Diese Schulpferde kommen neben dem Unterricht jeden Tag auf die Koppel oder bei schlechtem Wetter auf den Paddock. In zwei kleinen Herden dürfen sie ganz Pferd sein und können ihr angeborenes Verhaltensrepertoire voll ausleben.

Auch für Freizeit ist gesorgt: In den Weihnachts- und Sommerferien genießen die Pferde jeweils zwei Wochen „Urlaub“ mit ganztägigem Weidegang und ganz ohne Reiter. Zur individuellen Rundumversorgung gehört neben dem turnusgemäßen Besuchen von Tierarzt und Hufschmied auch eine regelmäßige Behandlung durch eine Tier-Physiotherapeutin. Für Reitsport-Interessenten jeden Alters gibt es ein Schnupperangebote mit fünf Reitstunden inklusive Unfall- und Haftpflichtversicherung.

Bei den Fortgeschrittenen teilen sich derzeit fünf Reitlehrer den Unterricht in Dressur und Springen. Sie organisieren auch Lehrgänge und Prüfungen für Reitabzeichen sowie Ferienprogramme. Die Mitglieder des RFV nehmen regelmäßig erfolgreich an internen und externen Gelände-, Spring- und Dressurturnieren teil.

Das Schöne am RFV mit ihrer Vorsitzenden Susanne Völker: Hier präsentiert sich kein elitärer und versnobter Reiterclub, sondern ein bodenständiger Verein von Pferdefreunden, die mit viel Eigenleistung, Verantwortung und gegenseitiger Unterstützung ihrem Hobby nachgehen. 

Dieter Roettig

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