Hund und Mensch im Klinsch

Renitenter Rentner mit 29 Vorstrafen bedroht Nachbarin: Geldstrafe

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Weil der Hund seiner Nachbarin seinen Hund angeblich beißen wollte, hat ein 77-Jähriger einen Tobsuchtsanfall bekommen.

Ammersee – Zwei Nachbarn, zwei Hunde und ein Mangel an Selbstbeherrschung – mit einer Straftat, die sich aus dieser Konstellation ergeben hat, musste sich jüngst das Amtsgericht Landsberg beschäftigen. Auf der Anklagebank saß ein 77-Jähriger, der laut Staatsanwaltschaft eine 75-jährige Nachbarin beleidigt und bedroht hatte.

Die beiden Beteiligten leben in einem Acht-Parteien-Haus am Ammersee. Eine weitere Frau wohnt mit ihrem Jack-Russell-Terrier im gleichen Stockwerk wie der Angeklagte und sein Collie. „Er hat eine große Bandbreite an Verhalten – von liebenswürdig bis Herumbrüllen“, berichtete die 63-Jährige im Zeugenstand. Zornig wurde der Angeklagte offenbar vor allem dann, wenn er der Nachbarin im Flur begegnete und der Terrier seinem Collie zu nahe kam. „Er hat so gebrüllt, dass mein Hund ihn sich gemerkt hat“, gab die Frau zu Protokoll.

An einem Tag Ende April führte eine andere Nachbarin den Terrier aus. Der 77-Jährige war mit seinem Hund ebenfalls

draußen. Als der Terrier die beiden bemerkte, soll er sich aus seinem Halsband befreit haben und auf den Collie zugelaufen sein – angeblich ohne zu bellen, wie die 75-Jährige ein ums andere Mal behauptete. Der Terrier habe den Collie lediglich beschnüffelt.

Der Angeklagte soll daraufhin einen neuerlichen Tobsuchtsanfall bekommen haben. Er werde den Terrier umbringen, habe er gebrüllt und sei dann auf die 75-Jährige zugekommen. Er habe sie an einen Zaun gedrängt, übel beschimpft, die Hände wie zum Schlag gehoben und auch sie bedroht („wenn Sie jetzt ein Wort sagen, schlage ich Sie tot“).

Ein zufällig vorbeikommender Radler trennte die beiden. „Ich weiß nicht, wer mehr Lärm gemacht hat – die Herrschaften oder die Hunde“, berichtete der 67-Jährige im Zeugenstand. Er habe den Angeklagten von der Frau „wegkomplementiert“ und dann noch eine Weile mit ihm gesprochen. „Da war er wieder völlig ruhig.“

Der Angeklagte hingegen sagte aus, er habe lediglich den Terrier weggestoßen, weil dieser seinen Collie beißen wollte. Da der Mann eine gelähmte linke Hand hat und in der rechten die Hundeleine hielt, ließ sich auch nicht nachvollziehen, wie er die Arme wie zum Schlag gehoben haben sollte. Seine 29 Vorstrafen, darunter viele wegen Beleidigung, fielen allerdings negativ ins Gewicht.

Doch auch die Darstellung der 75-Jährigen überzeugte Richter Michael Eberle nicht ganz, zumal die Frau – auf Widersprüche aufmerksam gemacht – ausgesprochen unverschämt reagierte („komm, Herr Richter“). Nach Aussage einer weiteren Nachbarin soll die 75-Jährige den Collie-Besitzer mehrfach als „Abschaum“ bezeichnet haben. Sie werde dafür sorgen, dass er aus dem Haus verschwinde, habe die Rentnerin geäußert.

Der Anklagevertreter forderte eine fünfmonatige Haftstrafe ohne Bewährung für den 77-jährigen ehemaligen Ingenieur. „Es scheint, als hätten Sie sich einfach nicht im Griff. Sie sind renitent.“ Verteidiger Bernhard Mehr wies darauf hin, dass sein Mandant ein sehr kranker Mensch sei, der ständig Schmerzmittel nehmen müsse und aufgrund seiner neurotischen Art extrem reagiere, wenn er provoziert werde. In diesem Fall sei der Terrier dem Collie an die Kehle gegangen. „Er hatte Angst um seinen Hund.“

Da es für die angeblichen Beleidigungen keine Zeugen gab, verurteilte Richter Eberle den 77-Jährigen lediglich wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe von 900 Euro (90 Tagessätze à zehn Euro). Dem Vorfall im April seien offenbar längere Nachbarschaftsstreitigkeiten vorausgegangen, zu denen beide Seiten ihren Beitrag geleistet hätten, meinte Eberle.
Ulrike Osman

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