Opfer wird zur Täterin

Rentnerin betrügt mehrere Bekannte um insgesamt 12.600 Euro

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Eine Rentnerin wurde um ihr Erspartes gebracht. Anschließend betrog sie ihre Bekannten selbst um 12.600 Euro.

Landsberg – Wegen siebenfachen Betrugs ist eine 68-Jährige vor dem Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die Frau hatte aus einer Geldnot heraus private Darlehen von Bekannten angenommen. Diese ließ sie im Glauben, das Geld innerhalb weniger Tage zurückzuzahlen.

Um insgesamt 12.600 Euro hat die Frau aus dem nördlichen Landkreis ihre Gläubiger betrogen. Auslöser war, dass sie zuvor selbst Opfer eines Betrugs wurde. Die Rentnerin erklärte, dass ihr Finanzberater ihr zu einer Investition in das Münchener Unternehmen Premium Safe Limited geraten habe. 10.000 Euro von ihrem Erspartem habe sie daraufhin in die Firma gesteckt. Kurze Zeit später ging das Unternehmen allerdings in die Insolvenz und mehrere Verantwortliche der Firma wurden wegen gewerbsmäßigem Betrug und leichtfertiger Geldwäsche angeklagt. Die 10.000 Euro der Rentnerin waren verloren.

Um ihre Verluste wieder auszugleichen, suchte sich die Angeklagte eine andere Investitionsmöglichkeit. „Ich bin da auch ein Stück weit blauäugig gewesen“, gab sie vor Gericht zu. Letztlich fiel sie auf die sogenannte Nigeria Connection herein – seit vielen Jahren ein Synonym für Vorauszahlungsbetrug. Im Gegenzug zu ihren Zahlungen, die sie nach Nairobi schickte, wurden der 68-Jährigen Goldbarren versprochen. Diese würden aus Afrika nach Deutschland geschickt werden, wo sie dann beim Zoll abgeholt werden könnten. „Abenteuerlichst“ nannte Richter Alexander Kessler die Überweisungen. „Wenn man ein bisschen schlau ist und sich die Konditionen mal ansieht, dann merkt man schnell, dass das nicht seriös ist.“ Das Geld dafür hatte sich die Rentnerin zuvor von verschiedenen Bekannten geliehen. Zum Beispiel von einem Sandkastenfreund, ihrer Vermieterin oder einer ehemaligen Mitarbeiterin. Die geliehenen Beträge liegen zwischen 150 und 3.500 Euro.

„Ich habe dabei aber nie einen Betrug gesehen. Ich wollte das Geld ja zurückzahlen“, gab die Angeklagte an. Richter Kessler erkannte zwar an, dass sie das Geld zurückgegeben hätte, wenn es ihr möglich gewesen wäre. „Aber unter einer realistischen Betrachtung musste Ihnen klar sein, dass Sie das Geld nicht mehr zurückzahlen können.“ Ihr Konto befand sich nämlich aufgrund der ersten fehlgeschlagenen Investition zu diesem Zeitpunkt deutlich über dem Dispolimit von 5.100 Euro. „Das hätten Sie den Leuten sagen müssen“, mahnte Kessler. Stattdessen habe sie das Vertrauen der Menschen missbraucht, die sie seit Jahren kannte. Weil sie genau wusste, dass sie kein Geld geliehen bekäme, wenn sie „die Karten offen auf den Tisch gelegt hätte“, so Kessler.

Stattdessen versicherte die Rentnerin ihren Geldgebern, dass sie das Geld binnen weniger Tage oder maximal zwei Wochen zurückzahlen würde. Das Ganze geschah im Zeitraum von Mai 2016 bis Februar 2017. Bis heute hat keiner ihrer Gläubiger etwas von dem geliehenen Geld zurückbekommen, da sich die finanzielle Situation der Frau nach wie vor nicht verbessert hat. Vor Gericht erklärte sie außerdem, dass sie ihre Miete seit Längerem nicht mehr bezahlt habe. Deshalb stünde ihr und ihrem Ehemann in einer Woche eine Zwangsräumung bevor. Eine neue Bleibe hätten sie noch nicht gefunden.

Staatsanwältin Andrea Lieb forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung, 100 Stunden sozialer Dienst und die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 12.600 Euro. Lieb sah zu Gunsten der Angeklagten, dass sie geständig war und nicht vorbestraft ist. Die bevorstehende Obdachlosigkeit diene womöglich als Warnung, um nicht mehr straffällig zu werden. Zum Nachteil der 68-Jährigen wog die Tatsache, dass sie auch nach etwa eineinhalb Jahren nicht versucht habe, wenigstens einen kleinen Teil zurückzuzahlen.

Richter Kessler schloss sich den Forderungen der Staatsanwältin an. Zum Schluss redete er der Rentnerin nochmals ins Gewissen. Die gemeinsame Rente von 1.700 Euro sei zwar nicht üppig, aber man könne davon leben. „Stecken Sie jetzt nicht den Kopf in den Sand.“ Diverse Ämter und Behörden könnten die Frau und ihren Mann in der aktuellen Situation unterstützen. Dennoch solle sie sich dringend Gedanken machen, wie sie das Geld Stück für Stück zurückzahlen könne.

Stephanie Novy

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