Schurken im Doppelpack

„Richard & Macbeth – Die Achse des Bösen“ im Stadttheater

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Konstan Moreth (rechts) als Richard III. mit Sven Hussock als einer von Richards Brüdern in Ioan Thomas Stück "„Richard & Macbeth – Die Achse des Bösen“, das am Freitag in Landsberg Premiere hat.

Was treibt Menschen zum Mord? Das hat sich auch William Shakespeare gefragt. Und zwei Paradebeispiele erschaffen: Macbeth, der aufgrund einer Prophezeiung herrschen will, und Richard III., so hässlich, dass ihm nur die Macht als Lebensziel sinnvoll scheint. Beide haben das gleiche Ziel: den Thron. Aber ihre Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein. Aus dieser Parallele und gleichzeitigen Divergenz hat Ioan Toma ein Stück für die Moreth Company geschrieben: „Richard & Macbeth – Die Achse des Bösen“. Am Freitag hat es im Stadttheater Premiere.

„Das interessante ist der unterschiedliche Kompass beider Figuren“, sagt der Landsberger Schauspieler Konstantin Moreth, der nicht nur Macbeth, sondern auch Richard III. in Thomas Stück gibt. „Das gleiche Ziel, aber ein anderer Ausschlag.“ Da sei einerseits Macbeth, „der Grübler“. Der zwar mit seinen Taten hadert und in Gewissensbissen badet, aber dennoch den Königsmord begeht. Und da ist Richard III. Für Moreth ein Mann, der „mit sich im Reinen ist“. Einmal den Entschluss zur Macht gefasst, „zieht er ihn durch, ohne Moral. Und es macht ihm auch noch Spaß!“ Was beide Charaktere vereint, ist ihr Ende: Sie sterben. „Wenn man alles einem Ziel unterordnet, zum Despot wird, muss man scheitern“, zieht Moreth einen – möglichen – Schluss. Das gehe heutigen Despoten (hoffentlich) auch noch so.

Für den Autor und Regisseur Toma ist die Handlungsparallele dieser zwei großen Shakespeare-Protagonisten ein Geschenk: hier der „Entertainer, der provokant lustige“ Richard, dort die „bodenlose Verzweiflung“ Macbeths. „Ich bin von Shakespeare fasziniert. Die Freude an diesem Autor ist mein Motor, ganz einfach.“ Was ihm besonders gefalle, sei Shakespeares Darstellung des Menschen: So wie er ist, nicht so, wie er vielleicht sein soll. Und die Liebe zum Menschen, die aus Shakespeares Stücken spreche.

Läuft die Handlung zuerst streng parallel, vermischen sich die beiden Stränge am Ende. Zum Beispiel, wenn Richard Macbeth zitiert und sich über diesen ‚Gewissenslöwen‘ lustig macht. Insgesamt habe es ihn auch gereizt, so ein Stück mit nur drei Schauspielern zu inszenieren, sagt Toma. Neben Moreth spielt Sven Hussock sechs Rollen – unter anderem Richards zwei Brüdern sowie seine Mutter, die ihn liebevoll „Kröte“ nennt. Hussock war unter anderem am Münchener Prinzregententheater und am Staatstheater Darmstadt zu sehen. Nadine Germann ist mit sieben Rollen vertreten: unter anderem als Lady Macbeth und Lady Anne, aber auch als Radiostimme, die die neuesten Kriegsnachrichten verkündet. Germann spielte beispielsweise unter der Intendanz von Dieter Dorn am Münchner Residenztheater. Und hat ein eigenes Album als Sängerin veröffentlicht.

Die beiden Shakespeare-Dramen muss man nicht kennen, um Tomas Stück zu verstehen. Die Grundzüge der Protagonisten sind im Programmheft skizziert, die Handlung – in beiden Fällen ja ähnlich – aufgelistet. Überblick ist also garantiert.

Aber auch das Bühnenbild und die Kostüme von Bonnie Tillemann – samt über-, unter- und echtlebensgroßen Stühlen – helfen dem Zuschauer beim Zuordnen: Macbeth spielt immer mit freiem Oberkörper in einem Metallrahmen, dem „Käfig seiner inneren Welt“, erklärt Toma. Um sein Gefangensein noch deutlicher zu machen, hält Macbeth seine Monologe auf einem Laufband, das Konterfei im Großformat auf die Rückleinwand projiziert. Richard hingegen bewegt sich – mit Jacket bekleidet – lässig im ganzen Raum. Ihn engt kein Gewissen, er spielt sein Machtspiel herz- und bedenkenlos.

Auch Musik wird es geben, von den Schauspielern auf einem 100 Jahre alten Harmonium live gespielt, teilweise sogar gesungen. Und wenn bei Macbeths Monolog mit dem Dolch „Fade to Grey“ aus dem Instrument dringt, dann, ja, dann lehrt einen das wirklich das Fürchten.

Am Freitag, 11. Oktober, um 20 Uhr ist Premiere im Stadttheater Landsberg. Das Stück ist noch an zwei weiteren Terminen dort zu sehen: am 16. und 19. Oktober, jeweils 20 Uhr.
Susanne Greiner

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