Der richtige Masten am falschen Ort

Als erste Landkreisgemeinde hat sich Kaufering vergangene Woche gegen einen Behördenfunkmast ausgesprochen. Vorerst. Der Marktgemeinde lehnte den Sendemast für Polizei- und Feuerwehrfunk auf dem Areal der ehemaligen Mülldeponie Richtung Riedhof ab. Grund: Das Plenum wurde erstmals auf der Ratssitzung über die Funktionsweise und die zu erwartenden Auswirkungen des Sendemastes informiert.

Für die Mehrheit der Ratsmitglieder war die Informationszeit offenbar zu knapp, um eine Entscheidung zu treffen. Sie wollten die Fakten in den Fraktionen nochmals besprechen und die Grundsatzentscheidung deshalb vertagen. Der Antrag dafür blieb aber aus. So stellte Bürgermeister Dr. Klaus Bühler den Tagesordnungspunkt zur Abstimmung, was mit einem 9:10 quittiert wurde. Abgelehnt. Zuvor hatte der unabhängige Experte Harald Klußmann sehr ausführlich über die Technik und das Gefah­renpotenzial dieses digitalen Funksystems informiert. Klußmann machte deutlich, dass zur ordnungsmäßigen und tech­nisch sinnvollen Erstellung eines Digitalfunks für Notdienste im Bereich Kaufering-Dorf ein Standort für einen Sen­- demast gefunden werden müsse. So schlug die Verwaltung das gemeindeeigene Areal der ehemaligen Müll­deponie Richtung Riedhof vor. "Asbach uralt" Klußmann stellte weiterhin klar, dass der alte Behördenfunk mit einem halben Jahrhundert auf dem Buckel „asbach“ sei: „Rein technisch gesehen sind wir Lichtjahre vom Stand des Möglichen entfernt.“ Schwachpunkte sind aus seiner Sicht „die Störanfälligkeit, es ist unverschlüsselt und eine grenzüberschreitende Kommunikation ist nicht möglich“. Der neue digitale Funk dagegen sei abhörsicher, störungsfrei und bündle alle heute noch weitgehend getrennt arbeitenden Organisationen und Dienste. „Ein Mast an dieser Stelle zuzulassen, wäre ein Beitrag zu unserer Sicherheit“, so Klußmann. 20 Watt Sendeleistung Mit Blick auf die Technik des Mastes geht der Experte von einer Sendeleistung von 20 Watt aus. Durch Leistungsverlust in den Leitungen würden letztlich in gut 40 Metern Höhe – so hoch ist der Mast – 12,7 Watt ankommen. Da sich die Strahlung horizontal ausbreite, läge der Sicherheitsabstand, wenn man sich vom Boden nach oben der Antenne nähern würde, bei 72 Zentimeter. Für den in der Nähe befindlichen Hof von Gemeinderat Johann Drexl läge die Belastung damit bei 0,14 Prozent, und dies nur, wenn der Mast viel in Betrieb ist. Die Reichweite des Sendemastes auf dem Land schätzte Klußmann auf 14 bis 25 Kilometer. Geplant seien solche Masten in direkter Nachbarschaft noch in Penzing und Stoffersberg. Für Hans Koch (SPD) stellte sich da gleich die Frage, ob solch ein Mast in Kaufering überhaupt nötig ist: „Hier muss ein Gesamtkonzept her, der alle möglichen Standorte berücksichtigt.“ Ebenso sieht es Gabriele Triebel (GAL). Ihre Fraktion plant einen Antrag zu stellen, um neue Standort zu finden, „die für das Dorf und den Betreiber optimal sind“. "Sehr enttäuscht" Auch die Abstimmung über den Funkmasten an besagtem Standort ging vielen Gemeinderatsmitgliedern zu schnell. Eigentlich hatten CSU, GAL und SPD vor, die Abstimmung zu vertagen – „zwecks Nachbesprechung“. Ein Antrag dazu blieb aber aus und Bürgermeister Dr. Bühler stellte den Tagesordnungspunkt zur Abstimmung. Über die ablehnende Haltung der Mehrheit seiner Ratskollegen zeigte sich der Rathauschef „sehr enttäuscht“.

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