Wildes Märchen-Spektakel

Humpelstilzchen klaut Rotcapis Koffer

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Ich nehme den Zauberspiegel: Rotcapi, Rosdörnchen und der Spiegel (von links).

Landsberg – Die Märchenwelt steht Kopf! Statt dem zarten Rotkäppchen huscht der lässige Rotcapi über die Bühne, lässt sich von Humpelstilzchen den Koffer klauen, sucht Rat bei rauflustigen Zwergen mit Klopapier-Problem und trifft schließlich auf ein überaus pampiges Rosdörnchen. Mit ihrem aberwitzigen „wilden Märchen-Potpourri“ brachte die Theatergruppe der Offenen Hilfen in der Lebenshilfe Landsberg das Publikum im Stadttheater zum Lachen, aber auch zum Nachdenken – und erntete am Ende begeisterten Applaus.

Rotcapi ist cool, legt mit seinen Kumpeln einen flotten Breakdance zu Michael Jacksons „Killer“ aufs Parkett und hat im Schlaf einen Koffer mit Zauberstaub bekommen. Nur: Der wirkt lediglich einen Tag lang und der Koffer wird ihm an der Bushaltestelle geklaut. Was nun? Hilfe erhält Rotcapi bei den ehemals acht großen Zwergen („einer war zwider, den haben wir rausgeschmissen“.

Rotcapi an der Bushaltestelle, wo ihm wenig später der Koffer mit dem Ein-Tages-Zauberstab geklaut wird.

Die Zuschauer kommen angesichts der wilden Geschichte aus dem Lachen oft gar nicht mehr heraus. Da flaniert immer wieder ein Zwergenehepaar über die Bühne und lässt sich auch durch den Hinweis „Ihr seid im falschen Märchen“ nicht drausbringen („Ja und?“). Dann wieder verstaucht sich Humpelstilzchen beim Zornen den Knöchel, später faucht eine beeindruckende Zeitmaschine mit Zungenspezialisten auf der Bühne.

Gut, dass der Erzähler – gut erkennbar am passenden T-Shirt – den Faden nie verliert. So gelangt Rotcapi am Ende doch noch zum Schloss. Dort jedoch verordnet er dem gehässigen Rosdörnchen („Du musst mal zum Friseur“) weitere 100 Jahre Schlaf und lebt stattdessen mit dem Zauberspiegel glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage.

Spätestens jetzt ist im bis auf den letzten Stehplatz besetzten Stadttheater klar, wer Zuschauer und wer Schauspieler ist. Anfangs nämlich saßen sich Reihen von Menschen gegenüber und rätselten, wann es losgeht und wann Pause ist.

Die 15 Akteure ernteten nicht nur für ihre Spielfreude und ihr schauspielerisches Können immer wieder Szenenapplaus. Großen Beifall gab es auch für die kurzen Filmsequenzen dazwischen, in denen Fabian Exter und Martin Jokisch Wünsche, Zukunftsträume und Lebensgeschichten der Schauspieler eingefangen hatten. Und die waren oft gar nicht so verschiedenen von denen der Zuschauer.

Dem Stück genügten wenige Kulissen, für die weitere Orientierung (und zusätzlichen Spaß) sorgt der Schildträger mit Bezeichnungen wie „Waldlichtung“ und „Waldlichtung 2“. Bänke, Betten und alles Weitere wurden von fleißigen Helfern stets flott und zu herrlich passender („Ich hab einen Koffer in Berlin“) Musik angeordnet, sodass der Spielfluss nie verloren ging.

Den Beifall am Ende hatten sich alle Mitwirkenden und vor allem auch Regisseurin Mirjam Kendler mehr als redlich verdient.

Daniela Hollrotter

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