Einwandfrei, der Ding

Rolf Miller sorgt beim Landsberger Publikum für einen Angriff auf die Lachmuskeln

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Rolf Miller wie man ihn kennt: Breitbeinig in Proll-Haltung und nur einer Wasserflasche als Requisite auf der Bühne in der Landsberger Mittelschule.

Landsberg – Einen Stuhl, ein Mikrofon und eine Wasserflasche. Mehr braucht der Kabarettist Rolf Miller nicht, um den vollbesetzten Saal in der Landsberger Mittelschule zum Grölen zu bringen. „Obacht Miller – Se return of se normal one“ heißt das mittlerweile siebte Programm des Odenwälders. Und wieder einmal mehr zeigte er, warum er zurecht als Meister des Halbsatzes gilt.

„Ganz schön viel Meinung für so wenig Wissen.“ Das unterstellt Miller zwar dem Fußballtrainer Mario Basler. Zutreffend ist das aber für seine Bühnenfigur mindestens genauso. Zu so ziemlich allem gibt er seinen Senf dazu. Er lässt sich über die „glutenfreien Ingwer-Gesichter“, wie er die Veganer gerne nennt, genauso aus wie über Politik. Von der „S und der CD-Ding“ hält er allerdings nicht viel. Aber während sich andere Kabarettisten auch mal das ganze Programm hindurch über Angela Merkel & Co. auslassen, bleibt es bei Miller bei einem kurzen Intermezzo.

Stattdessen widmet er sich lieber so philosophischen Fragen wie „Brauchst du England?“ Für ihn ist die Antwort ganz klar: Nein. „Kein Wetter, kein Essen, keine Hautfarbe.“ Wie auch schon in seinen vorherigen Programmen, lässt der 51-Jährige seine Bühnenfigur wieder über alles meckern und mosern. Dem Proll, der wie gewohnt breitbeinig auf seinem Stuhl fläzt, sind andere Menschen schon mal grundsätzlich zuwider. Dabei hat Miller auch kein Problem, sich über politische Korrektheit hinwegzusetzen. Wenn er in seinem bayerisch-hessisch-badischen Dreiländereckdialekt das Stichwort ‚MeToo‘ dem Publikum vor die Füße wirft, dann geht bereits ein Lachen durch die Reihen. Wer Miller kennt, weiß, das kann nicht gut enden. Und so stellt er die These auf: „Alle Menschen sind gleich. Die Ausnahme hat die Regel.“ Man bekommt das Gefühl, dass das Publikum bei den herben Gags mitunter am lautesten lacht.

Allgemein schafft es Miller, ein Dauerlachen im Saal zu erzeugen. Von der ersten Minute an sorgen seine Halbsätze, die quasi im Nirgendwo enden und vom Publikum meist mit Stereotypen weitergedacht werden, für Gelächter.

Mit seiner Art zu sprechen und vor allem auch seinen sorglos dahingeplapperten, und manchmal fragwürdigen, Meinungen lässt Miller wie immer ein richtiges Stammtischfeeling aufkommen. Millers Bühnenfigur ist nicht nur ein Proll, sondern auch ein Dummschwätzer. Er faselt was von „einäugigen Zwillingen“, „zweigleißigen Schwertern“ und der berühmten Erziehungsmaßnahme „Butterbrot und Peitsche“. Begegnete einem so jemand tatsächlich beim Stammtisch, würde man wahrscheinlich die Augen verdrehen bei so viel Peinlichkeit. Miller sorgt damit allerdings für gute Laune beim Publikum. Ganz nach dem Motto: „Über Humor muss man auch mal lachen können.“

Rolf Miller, der wohl konsequenteste verbale Minimalist des deutschen Kabaretts, enttäuscht das Landsberger Publikum an diesem Abend nicht. Auch wenn das Programm neu ist, Miller gibt sich in alter Manier. Und am Ende gibt es tosenden Applaus für ihn. Aber Miller bedankt sich auch bei seinem Publikum. „Sie sind schön. Ist ja auch wichtig. Schließlich muss ich Sie zwei Stunden lang angucken.“ Und als Zuschauer blieb einem wieder einmal die Erkenntnis: ‚einwandfrei, der Ding‘.

Stephanie Novy

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