Roman um die "Riedlbande" – Unterdießener Autor Rasso Ronneburger auf Spurensuche – Roman fast fertig

Einen unrühmlichen Ruf hatte Apfeldorf einst erlangt: Denn von allen Seiten her wurde der Ort früher sofort mit der berüchtigten „Riedlbande“ in Verbindung gebracht – wie der damalige Bürgermeister Josef Schmid im Jahre 1870 in seinen Aufzeichnungen niederschrieb. Die gefürchteten Gangster trieben in der Zeit um 1830 herum ihr Unwesen – und dies nicht nur in Apfeldorf, Thaining und im gesamten Lechrain, sondern in einem Gebiet, das bis nach Weilheim und Kempten reichte.

Nun soll die Bande, die aus der siebenköpfigen Spickart-Familie aus Oberapfeldorf entstanden war, wieder neue Berühmtheit erlangen: Denn sie wird zur Grundlage für einen Roman, an dem Autor Rasso Ronneburger derzeit arbeitet. Der Schriftsteller aus Unterdießen, der schon mehrere historische Romane herausgebracht hat, beschäftigte sich eingehend mit der Riedlbande und kommt zu einem außerge- wöhnlichen Ergebnis: „Wir hatten im Lechrain eine Bande, die einen wie den Räuber Kneißl bei Weitem in den Schatten stellt.“ Wie kann man jahrelang rauben und teilweise auch morden, ohne entdeckt zu werden? Unter anderem dieser Frage wollte der Autor genau auf den Grund gehen. Daher hatte sich der Unterdießener ans Staatsarchiv in München gewandt. Dass aber die Prozessakten über die Riedlbande einen derart massiven Umfang haben, hätte der Autor nicht erwartet: 24 Akten, aneinander gereiht sind das zweieinhalb Meter, in denen die Untaten festgehalten sind, lagern in der Landeshauptstadt. Und Ronneburger hat sie alle gelesen: 14 Tage lang hat er dafür von morgens bis abends im Staatsarchiv verbracht. Dabei ist er nicht nur auf unzählige Einbrüche, Diebstähle und Münzfälscherei gestoßen, sondern hat auch genauestens die größeren Verbrechen recherchiert, wie etwa den grausa- men Mord an der Kramerin von Obermühlhausen oder den tödlichen Schuss auf den Thaininger Wirt. Diese Greueltaten gibt Ronneburger in seinem Roman ebenso tatsachengetreu wieder wie den Überfall auf den Pfarrer Merk von Kinsau: Der Geistliche wurde von den Spickarts bis auf die Unterhose ausgezogen und musste in diesem Zustand auch noch bis nach Hohenfurch laufen. Von Ganstern fasziniert Trotz aller Schandtaten wird Ronneburgers Roman keine reine Verbrechergeschichte: Auch die Liebe soll darin nicht zu kurz kommen. Schließlich können sich ja Ganoven ebenso verlieben – wie Damian Egwolf, der von Kind auf ein Auge auf Theresia, die Tochter des Thaininger Wirts, geworfen hat. Mit Damian Egwolf beginnt auch der Roman: In der Anfangsszene muss der 14-Jährige bei einem Apfeldorfer Bauern ein Kalb abholen. Dummerweise vergisst er aber, einen Kälber- strick mitzunehmen. So muss der Bursche also das Tier ganz ohne Strick bis nach Thaining treiben. An späterer Stelle beschreibt der Roman, wie Damian schließlich zur Riedlbande stieß und was ihn an den Gangstern so fasziniert hatte. „Es war eine Chance für ärmere Leute, ein bisschen mehr zu haben als andere“, erklärt Ronneburger zu den Beweggründen, warum Leute seinerzeit der Bande beitraten. So sei auch Damian damals nicht entgangen, dass sein Bruder auf einen Schlag viel Geld besessen habe, seit er mit der Maria aus der Apfeldorfer Spickart-Familie liiert war. Ronneburger hat sich ebenso damit befasst, wie es den Bandenmitgliedern erging, als diese dann endlich dingfest gemacht werden konnten und schließlich in Schongau, Kaufbeuren und Weilheim in „Untersuchungshaft“ einsaßen. Damals habe die Polizei gleich mal sämtliche Leute verhaftet, die irgendwie mit den Verdächtigen zu tun gehabt hätten, erklärt der Autor. Die Zustände, denen die Verbrecher im Verlies in Schongau ausgesetzt waren, seien mit den heutigen Haftbedingungen nicht zu vergleichen, erzählt der Unterdießener. Nicht nur, dass es grade mal einmal pro Woche Milchsuppe gegeben habe – auch der Kübel, der als Toilette diente, sei nur alle sieben Tage geleert worden. Kein Wunder also, dass die meisten Insassen dies nicht überlebten. Damian Egwolf sei es sogar gelungen, aus dem Schongauer Gefängnis auszubrechen, hat Ronneburger den Aufzeichnungen ent- nommen. Doch das tragische Ende kam für ihn, als ihn ausgerechnet die eigene Frau, seine Jugendliebe Theresia, verriet und er wieder zurück ins Verlies wanderte. Rasso Ronneburger ist derzeit noch dabei, seinem Roman den letzten Feinschliff zu geben, bevor er dann auf Verlagssuche gehen wird.

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