Open-Air-Kino in der Altstadt

Romantik mit Leinwand in Landsbergs Alter Bergstraße

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Romantik mit Leinwand: Die Alte Bergstraße beweist sich beim Snowdance Summer Screening als perfektes Kino.

Landsberg – Die Alte Berg­straße ist steil. Und eignet sich damit ideal als Open-Air-Kino: Dank Steigung und Mindestabstand kann man sogar dann noch über den Kopf des Vordermanns schauen, wenn man bequem im Liegestuhl fläzt. Snowdance-Macher Tom Bohn hat am vergangenen Wochenende im Snowdance Summer Screening den Kino-Test gewagt – und bestanden. Am Freitag- und Samstagabend lief jeweils ein Kurz- und ein Langfilm – die die Bergstraße in ein Kino mit Lagerfeuerromantik verwandelten.

Auf den Gehsteigen leuchten Richtungspfeile, am Boden markieren Klebeband-Kreuze die Sitzorte für die Cineasten. Rund 100 Personen können sich in dem ‚Freiluft-Kinosaal‘, der circa vom Chapeau bis zum Zirnheld reicht, breit machen. Eine Familie hat es sich auf flauschiger Decke direkt vor der Leinwand bequem gemacht. Der Rest packt Campingstühle und Decken aus und bildet aufsteigende Reihen. Wer nichts dabei hat, kann sich Decke und Liegestuhl auch ausleihen: „Jeder darf nur seinen eigenen Stuhl verwenden, alle sind desinfiziert, zur Not desinfizieren wir alles nochmal“, sagt Bohn. Einer der vielen Kulturschaffenden, die alles wollen, nur nicht nochmal einen Lockdown: „Dann ist es auch mit der Kultur hier in Landsberg wieder komplett vorbei.“ Neben dem Hygienekonzept muss Bohn noch andere Anforderungen erfüllen. Zum Beispiel , dass die Leinwand innerhalb von einer Minute abgebaut werden kann – falls doch Feuerwehr oder Notarzt durch müssen.

Als ‚Vorspann‘, spielt Erik Müller live Klassiker wie „Bobby Brown“ oder Pink Floyd. Kleinigkeiten zum Essen sowie Biolimonade und Bier aus Flaschen bietet das Zirnheld. Die Häuserfassaden sind rot beleuchtet, hinter dem Schmalzturm leuchtet das Abendrot, Stimmensurren in der Luft: Urlaubsgefühl pur. Zumindest am Freitag, am Samstag grätscht ein bisschen Regen ins Dolce Vita.

Als die Filme starten, zeigen sich zwei Minuspunkte des schmalen, langen ‚Kinosaals‘: Der Ton ist doppelt, erst unten, dann oben. Ein Phänomen, das man aber nur auf Höhe des Zirnheld hört. Das andere Problem Die Leinwand ist nicht groß. Und das ist zumindest am Freitag eine Herausforderung. Eduardo Rufeisens Kurzfilm ist auf Französisch; die anschließende Umweltdoku „Sea of Shadows“, produziert von Leonardo Di Caprio, zwar auf Englisch, hat aber viele spanische Dialoge. Es gibt Untertitel. Aber die sind schwer zu lesen, da klein. „Nächstes Jahr klappt es vielleicht mit einer größeren Leinwand, die dann auch höher hängt“, stellt Bohn in Aussicht.

Beide Freitagsfilme waren Previews für das Snowdance Festival im Januar. Zu dem sogar das DOK.fest aus München anrücken wird, kündigt Bohn stolz an. Das musste heuer nämlich ausfallen.

Eine Bergstraßen-Wiederaufnahme 2021 wäre schön. Ende August kommt Bohn auch dem Open Air Kino von Rudolf Gilk nicht in die Quere. Der übrigens selbst am Freitag bei der ‚Konkurrenz‘ vorbeischaute.
ks

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