Mit Johnny an ihrer Seite

Rosanne Cash und John Leventhal im Landsberger Stadttheater

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Endlich in Landsberg: Rosanne Cash mit Gitarrist und Ehemann John Leventhal.

Landsberg - Liest sich gut, der Tourplan von Rosanne Cash. Viele Konzerte in Kalifornien und Arizona, dann ein Abstecher nach England. Und noch zwei Konzerte in Deutschland, mehr nicht. Eines davon ist in Nürnberg. Das andere in Landsberg. Dass Edmund Epple mit Hilfe der Stadttheater-Crew die Songwriterin nach Landsberg locken konnte, liegt an seinem Engagement und Herzblut. Aber natürlich auch an Rosannes Vater Johnny Cash, dem „Radio Operator“.

Das ist wie Weihnachten: Erst stehen nur die Gitarren auf der Bühne – sozusagen der Baum. Epple sagt an: „Ich will nicht sagen, dass ich einen Kloß im Hals und feuchte Augen habe.“ Er dankt allen, auch dem Büro, der Technik, TILL und der DELO-Herold-Stiftung. Die es ihm ermöglichen, solche Stars in die „gastfreundliche Metropole Landsberg“ zu holen. „Manchmal glaub‘ ich, ich bin im Paradies!“ Sehr bewegt klingt das. Rosanne Cashs aktuelles Album „The River and the Thread“ könne man direkt auf Landsberg beziehen: „Wir haben einen Fluss. Und irgendwie auch den roten Faden.“

Epple spricht länger als sonst. Eben wie an Weihnachten, da wurde man ja auch immer ganz kribbelig, wenn man auf die Geschenke wartete. Aber schließlich kommt Rosanne Cash. Ganz unspektakulär, in dunkler Hose, blauem Top packt sie sich die Gitarre und fängt an zu singen. „Modern Blue“, ein Lied übers Vermissen, auch das Vermissen ihrer Heimat Memphis. Begleitet wird Cash von ihrem Produzenten, Gitarristen und Ehemann John Leventhal. Der hat schon Marc Cohn oder Joan Osborne produziert, komponiert auch. Und spielt hier wunderbar dezent und mit viel Gefühl auf seinen diversen Gitarren die begleitende Rolle.

Ein paar Worte kann Cash auf Deutsch, „Freunde“, „Vielen Dank“. Landsberg sei der Ort, den sie ihr Leben lang kannte. Jetzt endlich ist sie da. Irgendwie wie eine Zeitreise, sagt sie. Ihr Vater war damals 23, so jung wie eine von Rosannes Töchtern jetzt. „It is a real pleasure to be here.“

Cashs Heimat, Memphis in Tennessee, die Südstaaten insgesamt, spielen eine wichtige Rolle in ihren Songs. Auch in „The Sunken Lands“ über ein Gebiet am St. Francis River in Arkansas, dass nach einem Erdbeben 1811 um gut viereinhalb Meter nach unten rutschte. 1935 zogen die Cashs dahin, erzählt Rosanne. Ihre Texte sind poetisch, sprechen in Bildern und Metaphern. Wie auch „A Feather is not a Bird“ – der Song, für den sie 2015 einen Grammy im Bereich „American Roots“ bekam.

Auch wenn Cash nicht als „Ableger“ ihres Vaters gesehen werden will – und das auch nicht korrekt wäre –, Johnny Cash ist oft zu spüren. Zum Beispiel in den Songs der „Liste“: eine Aufstellung der 100 wichtigsten Country-Songs, die ihr ihr Vater zum 18. Geburtstag schenkte. Das erste davon, „I‘m moving on“, spielt sie auch gleich.

Zwar lebte Cash nach der Scheidung ihrer Mutter Vivian Liberto, Johnny Cashs erster Frau, bei Liberto in Kalifornien. Aber nach ihrem Schulabschluss zog sie drei Jahre mit der „Johnny Cash Road Show“ als Backgroundsängerin über die Lande.

Ihren ersten Durchbruch hatte Rosanne aber nicht in den USA, sondern in München. Dort trifft sie 1977 auf Promoterin Renate Damm, die schon 1972 die Tour ihres Vaters in Deutschland betreut hat und ab da mit Johnny befreundet ist. Rosanne spielt Damm ihre Songs vor. Und wird von ihr den Ariola-Managern vorgestellt. Das Label, das auch ihren Vater unter Vertrag hat. Und schwupps gibt ihr der damalige Ariola-Chef Monti Lüftner einen Vertrag. Ihr erstes Album heißt schlicht „Rosanne Cash“. Von da an geht es steil bergauf. In den 1980er Jahren hat Rosanne Cash elf Nummer-1-Singles in der Country-Hitparade. Mit Renate ist Rosanne heute noch befreundet. Ein Song des Konzerts ist ihr gewidmet.

Nicht nur mit den Songs der „Liste“ verweist Rosanne auf ihren Vater. Da ist auch „The Sea of Heartbreak“, das sie gemeinsam mit ihrem Vater schrieb, als sie 23 war. Ein Lied, dass sie nun seit 40 Jahren spielt. Da ist „September when it comes“. Das komponierte und spielte Rosanne 2003 mit ihrem Vater auf der Bühne. Das Jahr, in dem Johnny Cash im Alter von 71 Jahren starb. Und natürlich spielt Rosanne auch „Radio Operator“: der Song über die Zeit ihres Vaters als Funker in Landsberg. Es stammt aus dem Album „Black Cadillac“ von 2006, das von Johnny Cashs Leben erzählt. Beginnend mit der Beerdigung im Titelsong.

Im Oktober wird Cash ein neues Album herausbringen. Einige Lieder spielt sie daraus. Ruhige, melancholische Songs, bei denen Leventhal auch mal ans Klavier wechselt. Ihre klare Altstimme, mit leichtem Vibrato, mit der sie jeden Ton millimetergenau trifft, scheint die Worte wie Watte einzupacken, die Trauer zu mildern. Die neuen Kompositionen gefallen dem Publikum deutlich – auch wenn der Applaus bei allen Darbietungen begeistert ist. Auch ein Song aus der Musical-Adaption des Filmes „Norma Rae“, das Cash mit ihrem Mann gerade schreibt, gefällt dem Publikum exzeptionell. „Dann müsst ihr euch auch das Musical anschauen“, lacht Cash. Wann das am Broadway in Cashs und Leventhals Wohnort New York City rauskommt, ist aber noch nicht bekannt.

Nach zwei Stunden Konzert ohne Pause – Cash nennt die Landsberger robust. Zurecht, denn allzu kühl ist es im Theater nicht und auch noch der letzte Fleck ist mit Menschen gefüllt – spielen die beiden ihren letzten Song. Mit donnerndem Applaus verdient sich das Publikum die Zugaben „500 Miles“ und „Seven Year Ache“, ein Wunsch eines Zuhörers. Danach bricht sich der Jubel Bahn. „Who knows about Landsberg“, lacht Cash angesichts der Standing Ovations. „Ihr habt hier alle auf mich gewartet. Und ich hab so lange gebraucht, um zu euch zu kommen.“

Susanne Greiner

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