Wo der Rotstift keinen Sinn macht

Mehr Geld investiert der Landkreis in die Prävention. Davon profitiert unter anderem die „Brücke Landsberg“ in der Vorderen Mühlgasse 189. Geschäftsführer Wolfgang Danner (links) bespricht hier mit Elena Heinzl (rechts) einen der zahlreichen „Fälle“. Foto: Schwaiger

Sparen ja, aber nicht an der falschen Stelle. Das hat Landrat Walter Eichner (CSU) jüngst bei der Vorstellung des Entwurfs für den Jugendhilfehaushalt deutlich gemacht: „Auch wir müssen auf das Geld achtgeben. Aber es gibt Bereiche, da können wir den Rotstift nicht stark ansetzen.“ Das Gesamtvolumen steigt deshalb um rund acht Prozent von 8,6 auf knapp 9,2 Millionen Euro.

Die Leiterin des Kreisjugendamtes relativierte die Zahlen allerdings: „Wir werden fürs laufende Jahr 400000 Euro mehr als vorgesehen benötigen. So gesehen ist das für 2011 nur noch eine Erhöhung von ungefähr 200000 Euro“, so Maria Matheis. Den Jugendhilfeausschuss passierte der Entwurf einstimmig, die endgültige Entscheidung fällt im Kreistag. Zu den größten Positionen gehört nach wie vor die sozialpädagogische Familienhilfe. „Wir gehen weiterhin von 105 Familien aus, die hier regelmäßig besucht werden“, so Matheis. „Aber 7,5 Stunden in der Woche reichen da einfach nicht aus. Deshalb befürchte ich auch, dass wir mit der im Haushalt vorgesehenen Million nicht hinkommen werden.“ Mit 900000 Euro schlägt auch die Heimerziehung mächtig zu Buche. Eingeplant ist hier eine Steigerung um 65000 Euro, was sich daraus ergibt, dass die „Fallzahl“, also die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich stationär in Heimen befindet, von 34 auf 36 gestiegen ist. Die umgekehrte Entwicklung ist bei den Pflegekindern zu beobachten: Hier sinkt die Zahl von 62 auf 58, dementsprechend sind im Haushalt nur noch 419000 Euro vorgesehen, heuer waren es 444000. Pflegeeltern gesucht Allerdings wurde bei der Haushaltsvorstellung auch deutlich, dass man dringend mehr Pflegeeltern benötigen würde. „Ich nehme gerne die Gelegenheit wahr, noch offensiver für diese Sache zu werben“, so der Landrat. Offenbar mangelt es nicht an Familien, die sich dafür bereit erklären würden, aber: „Alle wollen am liebsten kleine Kinder mit möglichst geringen Auf­- fälligkeiten“, weiß Maria Matheis. „Die Realität ist dann aber, dass die Kinder im Schnitt zwölf bis 14 Jahre alt sind und natürlich mit einem hohen Störungspotenzial in die Familien kommen.“ München wildert Auch nicht gerade hilfreich ist, dass „München bei uns im Landkreis wildert“. Die Landeshauptstadt bezahlt an Pflegefamilien doppelt so viel, wie man das in Landsberg kann. Matheis: „Wenn dann nach zwei Jahren die Fallabgabe an uns erfolgt, gibt das regelmäßig Schwierigkeiten, wenn wir den Eltern mitteilen müssen, dass sie künftig wesentlich weniger Geld bekommen.“ Derzeit wird das Problem so umgangen, dass die Münchener ihre Fälle nach zwei Jahren einfach nicht mehr abgeben. Rechtlich ist das so nicht vorgesehen, wird aber offenbar geduldet. Neue Wege geht der Landkreis Landsberg bei der Erziehungsbeistandschaft, in der ein Sozial­pädagoge Jugendliche zuhause besucht. Von 32 Fällen in 2009 über 49 in diesem Jahr steigt die Zahl 2011 auf voraussichtlich 55. Dennoch sinken die Ausgaben dafür laut Ansatz leicht von 480500 auf 473000 Euro, da man diese Aufgabe im kommenden Jahr erstmals nach außen vergibt. Dagegen steigen die Zuweisungen an die Gemeinden für die Jugendpfleger und an den Kreisjugendring von 301300 auf 321600 Euro. Mehr investiert wird auch in die Prävention, in diesem Fall in die „Brücke Landsberg“, die die Jugendkriminalität schon im Vorfeld verhindern soll, und das Projekt „HaLT – Hart am Limit“, das einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zum Ziel hat (siehe untenstehenden Artikel). Der Landkreis lässt sich diese beiden Maßnahmen insgesamt 41000 Euro kosten (Vorjahr: 12500 Euro). Auf die Frage, ob sich diese Ausgaben denn lohnten, sagte Landrat Eichner: „Den Erfolg von Prävention werden Sie nie in Zahlen messen können. Für mich ist es ein Erfolg, wenn wir nicht mehr Fälle bekommen, als wir jetzt haben.“ Während der Landkreis-Zuschuss an die SOS-Beratungsstelle mit 297500 Euro gleich bleibt, steigt der Ansatz für Erziehung in Tagesgruppen von 207500 auf 235500 Euro, für die Eingliederungshilfen, etwa für Schüler mit Legasthenie oder Dyskalkulie, klettern die Ausgaben von derzeit 102500 auf 165000 Euro. Nicht besprochen wurde der größte Posten im Jugendhilfehaushalt, die Personalkosten: diese steigen weiter leicht, eine Entwicklung, die sich voraussichtlich auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Über 1,5 Millionen Euro muss der Landkreis dafür 2011 aufwenden, womit sich die Kosten für die Verwaltung auf insgesamt gut 1,7 Millionen Euro belaufen.

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