Reif für die Schrottpresse

Ein Golf, den keiner haben möchte

Rott - Schrottauto
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Dem Wandel der Zeit unterworfen: ein illegal entsorgter Golf III auf dem Rotter Parkplatz nahe der Landkreisgrenze.

Rott – Seit etwa sechs Wochen steht auf dem Parkplatz zwischen Rott und Wessobrunn ein Schrottauto. Es wurde illegal entsorgt – die fachgerechte Entsorgung geht auf Kosten des Steuerzahlers. Doch während der Standzeit erlebte das Wrack ein Eigenleben.

Erst waren die Hecklichter weg. Später Teile der Innenverkleidung, dann die Blinkleuchten. Und seit einigen Tagen ragt die hintere linke Nabe nackt und ohne Rad aus der Karosserie heraus. Sogar der Ölnachfülldeckel hat einen neuen Liebhaber gefunden: Der blaue Golf III erlebte in den vergangenen Wochen gerade einen Schwund an Teilen. Der Eigentümer? Unbekannt, keine Kennzeichen mehr vorhanden. Klar ist jedoch: Das Auto ist reif für die Schrottpresse – und wurde wohl von seinem Besitzer illegal entsorgt.

Vor etwa sechs Wochen wurde ein polnischer Lkw gesehen, wie er das Auto an dem kleinen Parkplatz an der Staatsstraße St2057 von Rott ablud. Die Kennzeichen hatte der Beobachter leider nicht notiert. „Der hat das Auto da illegal entsorgt, das ist eine Sauerei“, sagt Kfz-Meister Bernd Stäbel. Stäbel, der eine Werkstatt in Rott betreibt, nützt gelegentlich die Strecke von rund 800 Metern inklusive Parkplatz als Wendepunkt für kurze Testfahrten bei Reparaturen. Der Handwerker hatte den blauen Golf daher recht bald bemerkt und umgehend die Landsberger Polizei angerufen. „Die kamen dann, haben das Auto untersucht und den orangen Aufkleber draufgeklebt.“ Dann passierte erst mal nichts. Außer einem: dass das Auto, wie erwähnt, „immer weniger wurde“, wie Stäbel bei seinen Testrunden feststellte.

Eine Nachfrage bei der Polizei Landsberg ergibt: Man habe den Fall bereits an das Landrats­amt weitergegeben. „Das Fahrzeug ist uns bekannt“, sagt Pressesprecher Wolfgang Müller. Es gelte noch zu klären, wer für eine Entsorgung zuständig sei. „Dazu sind wir mit dem Weilheimer Straßenbauamt in Kontakt, denn diese Behörde ist Eigentümer des Parkplatzes. “

Das Prozedere ist in solchen Fällen für die Behörden nicht immer einfach – gerade wenn sich ein Wrack auf Privatgrund befindet. Gesetzlich gilt: Verantwortlich ist letztlich der Verursacher. Die Polizei muss versuchen, den letzten Halter ausfindig zu machen, diesen zu kontaktieren und aufzufordern, das Schrott­auto zu entfernen. Erst dann kann einen „Verwertung“, erfolgen. Nicht selten werden jedoch Kennzeichen entfernt und Fahrzeugidentifika­tionsnummern aus dem Rahmen geschliffen – gerade bei älteren Fahrzeugen wie dem Golf ist das noch einfach. Schlimmstenfalls muss dann ein privater Besitzer des Grundstücks die Entsorgung bezahlen, eine Kommune oder der Landkreis.

Neuer Müll

Dennoch: Bei der Bearbeitung müssen von den Ämtern Fristen eingehalten werden – darum steht das Fahrzeug vermutlich noch nach Wochen auf dem Parkplatz. Und dort ist mit dem alte Golf nun wieder eine weitere erstaunliche Verwandlung geschehen, wie Kfz-Mechaniker Stäbel bei seinem Testrunden bemerkte: in die umgekehrte Richtung. „Nun wurde das Auto nicht noch weniger, sondern eher mehr.“ Es kamen nämlich Dinge hinzu: Alte Reifen wurden bei Nacht und Nebel im und am Fahrzeug abgelegt. Ebenso Flaschen, Lebensmittel, eine ausrangierte Fahrzeugkupplung, Radkappen und Schmuddelhefte. Stäbel: „Die haben da einfach ihren Müll entsorgt.“

Doch dann gehen die Amtswege schnell: Eine Stunde nach der Presseanfrage meldet sich Müller, dass man im Landrats­amt gerade von der Polizei eine Mitteilung per Post erhalten habe. „Der Halter konnte wohl nicht festgestellt werden“, sagt Müller. Damit sei das Landrats­amt als Abfallrechtsbehörde zuständig. Bedeutet: „Das Fahrzeug wird in ein bis zwei Wochen auf Staatskosten entsorgt.“

Bleibt zu hoffen, dass der etwas einsame Parkplatz nun schrottfrei bleibt. Übrigens: Ein wenig Pech hatten die Landsberger da schon. Wären die illegalen Entsorger noch ein wenig weiter gefahren, wäre das Landratsamt Weilheim-Schongau zuständig: Der Parkplatz befindet sich gerade 500 Meter vor der Landkreisgrenze.
Klaus Mergel

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