Vivaldi auf dem Hackbrett

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Rasantes Tempo: Das Urgestein am Hackbrett Rudi Zapf beim konzentrierten Saitenspiel.

Landsberg – Man nehme einen Hackbrettvirtuosen, eine Jazz-Geigerin mit Drive und einen Kontrabassisten, vermenge es mit Bayerischer Heimatliebe zu einem Teig und würze es mit Weltmusik: Was entsteht, ist das „Grenzenlos-Trio“ mit dem Hackbrett-Urgestein Rudi Zapf. Gemeinsam mit Geigenvirtuosin Sunny Howard und Bassisten Harald Scharf spielt er Volksmusik aus der Mongolei, Indien, dem Balkan oder Bayern, gerne auch bunt gemischt. Das Ergebnis ist virtuos, melancholisch schön und unglaublich unterhaltsam.

Gleich beim ersten Stück mischen sich die Kontinente: irische Musik, geschrieben in Aus­tralien von ausgewanderten Iren. Und es handelt sich dabei um eine Polka, die in immer schnellerem Tempo ins Ohr geht. Wie Zapf auf seinem Pedalhackbrett mit winzigen Schlegeln die richtigen Saiten trifft – ein Geheimnis. Zwischendrin greift er immer wieder zum Knopfakkordeon, auch da ein Virtuose. Sunny Howard kann auf der Geige lässig mithalten: Ihre Finger rennen am Geigenhals entlang, der Bogen fliegt. Dass sie zudem viel Gefühl in die Musik legt und das mit einer lässigen Leichtigkeit, macht ihr Geigenspiel zum Hörgenuss. Fast meint man, Harald Scharf am Bass hinke hinterher, sind seine „Finger-Wege“ ja auch länger als die seiner Kollegen. Er spielt den Bass souverän, doch weniger bestimmend. Aber macht nichts, das Tempo geben Zapf und sein Hackbrett vor.

„Vor 32 Jahren habe ich ihn zum ersten Mal engagiert“, erzählt Rolf Lang vom s’Maximilianeum. 1984 hatte Zapf sein Musikstudium hinter sich, sein erstes Hackbrettkonzert lag schon fünf Jahre zurück und auch das weltweit erste elektroakustische Hackbrett hatte er schon erfunden. Seine ersten Karriere­schritte machte er 1989: Zapf erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik und organisierte das erste internationale Hackbrettfestival. Und das wurde zur Institution, so wie Zapf selbst.

Von Irland und Australien geht es weiter zu einem „Freylech from Warsaw“, einem Klezmer-Lied, das Melodiefetzen von „Horch, was kommt von draußen rein“ trägt. Phänomenal der darauffolgende „Gerstreit-Boarische“. Am Anfang noch ganz im traditionellen verwurzelt, schmuggeln sich immer mehr Blues-Improvisationen seitens Geige und Bass hinein. Kompliziert wird es beim rasanten Siebenachteltakt einer bulgarischen Polka – den hat Zapf tagelang gespielt, nachdem er mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Gefolgt von einem indischen Raga nach der Pause. „Den können wir ewig weiterspielen, gar kein Problem“, lacht Zapf. Und wem das noch nicht global genug ist, den konnte sicher das Stück aus der Mongolei zufriedenstellen: „Das ist was zum Meditieren“, rät Zapf. „Stellen Sie sich die Steppe dort vor. Diese Steppe, das ist… ganz viel Nichts.“ Zapf kennt das alles aus eigener Erfahrung: Auf seinen Tourneen hat er die ganze Welt bereist.

Sogar Oper können die Drei, „Il Giustino“ von Vivaldi, nach Zapf die einzige Oper mit Hackbrettsolo: „Wir haben die vierstündige Oper auf das Wesentliche verkürzt, nämlich dieses Solo.“ Fürs Drumherum spielt Sunny Howard die ersten und zweiten Geigen, Harald Scharf die Bratschen, Celli und Kontrabasse. Es funktioniert, die barocken Töne umschmeicheln das Ohr, Triller lassen an Schnabelschuhe denken – und das Hackbrett kommt einem Cembalo doch recht nah. Nach zwei Zugaben aus Russland endet ein langer aber zu keiner Zeit langatmiger Weltmusikabend auf hohem Niveau mit begeisterten Zuschauern.

Susanne Greiner

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