Mit dem Rücken an der Wand

Der neu gewählte Vorstand der Zimmerer-Innung Landsberg (von links): Michael Riedle, Jürgen Jordan, Stefan Fichtl, Reinhard Schuster und Obermeister Peter Loy. Foto: Osman

Mit Kritik an der Ausschreibungspraxis öffentlicher Auftraggeber im Landkreis hat Obermeister Peter Loy am Freitag auf der jüngsten Mitgliederhauptversammlung der Zimmerer-Innung am Freitag nicht hinter dem Berg gehalten. Auch ärgere er sich über Äußerungen, wie sie beim diesjährigen Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft gefallen seien. Dort habe Landsbergs Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) kritisiert, dass regionale Betriebe sich an öffentlichen Ausschreibungen entweder nicht beteiligten oder zu den teuersten Bietern gehörten. „Wenn so etwas noch einmal gesagt wird, werde ich aufstehen und gehen“, kündigte Loy an, „ich werde nicht mehr akzeptieren, dass das Handwerk so angegriffen wird.“

Die regionalen Betriebe lieferten gute Qualität und hätten deshalb ihren Preis, so der sichtlich verärgerte Obermeister auf der Versammlung im Gasthaus Schaur in Untermühlhausen. Mit dem billigsten Bieter zögen die Auftraggeber keineswegs „immer das große Los“. Loy forderte, die Ausschreibungen so zu formulieren, dass das Handwerk vor Ort eine Chance habe. Der Dießener Zimmerermeister Franz Pföderl meinte, manche besonders günstigen Angeboten ließen sich nur durch Schwarzarbeit erklären. Bei einer spontanen Umfrage gaben fünf der 13 anwesenden Meister an, sich öfter an Ausschreibungen zu beteiligen. Nur einer von ihnen gab an, dabei tatsächlich manchmal Aufträge zu bekommen. Kreishandwerksmeister Ernst Höss versuchte zu schlichten. Ihm sei an guter Kommunikation mit den politischen Entscheidungsträgern im Landkreis gelegen – nur so könne er Akzeptanz für die Belange des Handwerks erreichen. „Den Verantwortlichen sind die Hände gebunden. Sie müssen den billigsten Bieter nehmen“, sagte Höss. Er sei kein Freund von pauschalen Kontrollen auf Baustellen, riet den Zimmerern aber: „Wenn euch etwas komisch vorkommt, meldet es.“ Obermeister Loy machen noch andere Dinge Sorgen, vor allem die Nachwuchssituation. Im Speckgürtel von München sei es angesichts der vielen Industriebetriebe für das Handwerk noch schwieriger, gute Bewerber anzulocken. „Die Ab­- solventen weiterführender Schulen sind für uns fast unerreichbar“, bedauerte Loy. Und den Bewerbern, die zur Verfügung stehen, mangele es zum Teil an den Grundvoraussetzungen – „lesen, schreiben, rechnen und Elternhaus“. Immer wieder suche man den Kontakt zu Schulen, um die Jugendlichen für einen Berufsweg im Handwerk zu interessieren. Bisher habe aber nur die Mittelschule Weil positiv reagiert. „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, so Loy über den Fachkräftemangel. Diesen Trend sieht auch Kreishandwerksmeister Höss. Bisher habe das Handwerk 30 Prozent über dem eigenen Bedarf ausgebildet, um genügend Fachkräfte heranzuziehen, die nicht in die Industrie abwanderten. Das sei mangels ausreichender Bewerber schon heute nicht mehr möglich. „Also werden wir bald 30 Prozent zu wenig an Fachkräften haben“, so Höss. Dass sich das Handwerk organisiere, um seinen Anliegen Gehör zu verschaffen, sei angesichts der Verschiebung der Märkte besonders wichtig. Enttäuscht äußerte sich Höss darüber, dass die seit letztem Jahr laufende Image-Kampagne des Handwerks von den Betrieben kaum umgesetzt werde. „Eigentlich sollten in jedem Betrieb Plakate hängen und jedes Firmenauto mit Aufklebern herumfahren“, sagte Höss. Tatsächlich aber würden diese kostenlosen Werbemittel von den Betrieben kaum angenommen. Bei den anschließenden Neuwahlen wurde Peter Loy einstimmig im Amt des Obermeisters bestätigt. Noch einmal werde er nicht antreten, kündigte Loy an. „Diese fünf Jahre sind meine letzten als Obermeister.“ Loys Stellvertreter bleibt Reinhard Schuster. Außerdem wurden Michael Riedle, Jürgen Jordan und Stefan Fichtl in den Vorstand gewählt.

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