Mobilfunk-Widerstand in Dienhausen:

Weiße Flecken im Lechrain bleiben

Denklingen Hochbehälter im Sachsenrieder Forst
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An dieser Halle für den neuen Denklinger Hochbehälter im Sachsenrieder Forst sollte auch der 50 Meter hohe Mobilfunkmast installiert werden. Doch der ist nicht erwünscht.

Denklingen/Dienhausen – Bei der Mobilfunkversorgung werden im südwestlichen Landkreis Landsberg an der Grenze zu Weilheim-Schongau und zum Ostallgäu weiße Flecken bestehen bleiben. Grund: Die Gemeinde Denklingen verzichtet auf die Leistungen aus dem Förderprogramm und wird das Projekt nicht weiterverfolgen. Deswegen wird der Beratungsvertrag mit einem Büro aus Seefeld sofort gekündigt. 

„Der Gemeinderat bedauert diese Entwicklung, weil eine Mobilfunkversorgung für Dienhausen eine Verbesserung der Infrastruktur darstellen würde“, hieß es im Beschlussvorschlag zur Sitzung am Mittwochabend. Diese Entscheidung wurde bei einer Gegenstimme so getroffen.

Bürgermeister Andreas Braunegger erklärte eingangs, dass die Gemeinde vom Bayerischen Wirtschaftsministerium einen Förderbescheid übereicht bekam: 500.000 Euro. Das Geld werde allerdings erst nach Abschluss der Leistung ausbezahlt.

Mit einer Beraterfirma aus Seefeld im Kreis Starnberg wurde schon ein Vertrag geschlossen. Der umfasste das Erstellen aller notwendigen Dokumente, die für das Förderverfahren benötigt werden, die Gespräche und den E-Mail-Verkehr mit dem Mobilfunkzentrum (bei der Regierung der Oberpfalz), ein Nutzungsmanagement und die Ingenieursleistungen mit Planung, Baugenehmigung, Ausschreibung und Bauüberwachung, damit ein Mobilfunkmasten erstellt werden kann.

Der nächste Schritt war die Suche nach einem Grundstück. Zwei Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein: Erstens muss die Fläche technisch geeignet sein, was mit Messungen herausgefunden wird. Und zweitens muss der Grundstückseigentümer an die Gemeinde Denklingen verpachten. Diese bräuchte zirka 200 bis 300 Quadratmeter Fläche. Dafür könne sie 3.600 Euro im Jahr zahlen, heißt es seitens der Gemeinde.

Einige Grundstücksbesitzer hätten zunächst sogar zugesagt. Doch am nächsten Tag sei schon die Absage gekommen. Hintergrund war nach Darstellung aus dem Rathaus eine Bürgerinitiative, die eine Unterschriftenaktion ankündigte und schriftliche Informationen in die Briefkäsen geworfen habe. Weil man zum einen nicht gegen den Willen der Dienhausener handeln wolle und zum anderen nicht weiteres Geld aufgrund des Beratervertrages umsonst ausgeben wolle, verzichte man nun auf das Mobilfunkförderprogramm.

„I find’s einfach schad“, kommentierte Gemeinderat Martin Ahmon. „Die Mobilfunkversorgung ist nun mal ein Standortfaktor – ob wir es wollen oder nicht.“ Anton Stahl ergänzte: „Da geht’s um Chancen für die Zukunft.“ Bürgermeister Andreas Braunegger reagierte enttäuscht: „Wenn der Wille nicht da ist, dann bitteschön.“ Es sei sein Bestreben, die drei Ortsteile Denklingen, Epfach und Dienhausen gleichmäßig zu versorgen.

Auf Nachfrage von Regina Wölfl zum Pachtpreis erklärte Rathauschef Braunegger, das sei eine Frage der Abwägung. Wenn woanders 10.000 Euro im Jahr bezahlt würden, dann werde dort die Zahl der Nutzer gewiss eine deutliche höhere sein.

In der Sitzung war der ehemalige Gemeinderat Martin Steger aus Dienhausen als Zuhörer anwesend. Er gehört zu den Initiatoren, die einen hohen Masten kritisch sehen. Gewiss seien erste Aktionen erfolgt; aber von einer Bürgerinitiative zu sprechen, sei doch überzogen, erklärte Steger im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

50 Meter hoch

Was er in der Darstellung und in der Debatte zum Thema vermisst habe, seien Fakten zum Masten selbst. Der Standort dafür sei im Sachsenrieder Frost drei Kilometer westlich von Dienhausen vorgesehen – ungefähr im Bereich des neuen Hochbehälters. Auf diesem Höhenzug sollte dann ein gut 50 Meter hoher Mast errichtet werden. Dagegen richte sich die Kritik, die in Dienhausen aufgekommen sei.

Die Ortschaft selbst, so ergänzte Steger, könne auch mit einer niedrigen Antenne ausreichend versorgt werden. Dafür bräuchte man kein so hohes Bauwerk, das auch die knapp 30 Meter hohen Bäume noch deutlich überrage.

Freilich: Weiße Flecken im Sachsenrieder Forst und im Denklinger Rotwald – das zusammenhängende Waldgebiet reicht von Ingenried bis ins Fuchstal – könnten mit einem kleinen Masten nicht beseitigt werden. Die Funkversorgung im großen Waldgebiet mit großem Staatsforst-Anteil sei aber genau das Ziel, das die bayerische Staats-Regierung mit dem Förder­programm verfolge, das im Dezember 2018 aufgelegt wurde.
Johannes Jais

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