Ein kleiner Pieks, der Leben rettet

Was geschieht eigentlich mit dem Blut nach der Spende?

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Claus-Peter Lang ist in Landsberg Gebietsreferent beim Blutspendedienst und koordiniert dessen Termine.

Landkreis – Es ist Sommer. Das Wetter ist heiß. Und die Fußball-WM ist in vollem Gange. Eigentlich alles gut. Nur für den Blutspendedienst ist all das eher von Nachteil. Hitze, Ferienzeit und große Events sorgen in der Regel dafür, dass die Anzahl der Spender zurück geht. Aber was genau passiert eigentlich mit dem Blut und wer organisiert das alles? Claus-Peter Lang vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes in Landsberg gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Alles beginnt im Frauenwald in Landsberg. Im Katastrophenschutzzentrum des BRK ist auch der Blutspendedienst untergebracht. Dort wird das gesamte Material gelagert, das bei einer Spende nötig ist: Blutbeutel, Röhrchen, Verbände und vieles mehr. Von hier koordiniert der Gebietsreferent Lang auch die Blutspendetermine. Er ist aber nicht nur für den Landkreis Landsberg zuständig. Weilheim-Schongau, das Stadtgebiet Augsburg, Südschwaben über das Allgäu bis zum Bodensee – für all diese Regionen macht Lang die Planung. Das sind 500 Termine jedes Jahr.

„Im Durchschnitt rechne ich heute mit 200 Spendern“, sagt Lang bei der jüngsten Blutspende im Landsberger Sportzentrum. Das hört sich viel an, aber bei täglich 2.000 benötigten Blutkonserven in Bayern zählt jeder Einzelne. Zumal sich auch der demografische Wandel bemerkbar macht. „Das ist schon ein Problem. Es kommen weniger Spender nach, als aus Alters­gründen aufhören müssen.“ In Deutschland liegt das Spendenhöchstalter bei 72 Jahren. Da viele Stammspender zur älteren Generation gehören, braucht es Nachschub.

Und Blutspenden ist gar nicht so schwer. Um spenden zu können, muss die Höhe des Hämo­glo­binwertes, also des roten Blutfarbstoffs, bestimmt werden. Dafür wird etwas Blut vom Finger genommen. Ist alles im grünen Bereich, geht es weiter zum Arzt. Blutdruck, Puls und Temperatur werden überprüft. Außerdem kontrolliert der Mediziner noch den zuvor ausgefüllten Anamnesebogen. Stellt er keine gesundheitlichen Probleme fest, gibt er sein Okay.

Nun beginnt die eigentliche Spende. Man darf es sich auf einer der Entnahmeliegen bequem machen. Dann heißt es kurz die Zähne zusammenbeißen. Nach wenigen Sekunden sitzt die Nadel schon und das Blut fließt. Zunächst werden damit vier kleine Röhrchen gefüllt. Die sind wichtig, da mit ihnen das Blut später auf verschiedene Krankheiten hin getestet wird. „Mit diesen Tests haben wir eine 99-prozentige Sicherheit, dass keine Krankheiten übertragen werden“, versichert Lang. Getestet wird unter anderem auf HIV sowie Hepatitis A, B und C.

Interessant ist, dass Krankheiten auch dann im Blut erkannt werden, wenn der Spender selbst noch gar nichts davon weiß. Es ist möglich, die Inkubationszeit im Labor zu verkürzen. Das heißt, in dem im Röhrchen befindlichen Blut „bricht die Krankheit aus“. Sollte das der Fall sein, wird die entsprechende Blutkonserve sofort vernichtet.

Zurück zur Spende. Sind die vier Röhrchen gefüllt, wird ein Beutel an den Spender gehängt. Es dauert meist nicht länger als zehn Minuten, bis die 500 Milliliter eingelaufen sind. Soviel kann problemlos entnommen werden, ohne negative Folgen für den Körper. Anschließend muss das Blut sofort gekühlt werden. Im Winter wird es sogar aufgewärmt. 21 Grad ist die optimale Temperatur. Um die zu gewährleisten, gibt es ein Auto mit eingebautem Kühlraum im Sommer. Dort wird das Blut gelagert, bis der Spendetermin vorbei ist.

Anschließend geht es mit der wertvollen Fracht zurück in den Frauenwald Landsberg. Dort wird das Blut umgelagert in ein anderes Auto und nach Gersthofen gebracht. Dort angekommen, werden noch die Lieferungen von weiteren Blutspende-Teams mitaufgenommen. Die Endstation heißt dann Wiesentheid, in der Nähe von Würzburg. Dort werden die Blutkonserven gelagert.

Zuvor wird das Blut jedoch noch bearbeitet. An dem Beutel hängen ein Filter und weitere Beutel. „Ein geschlossenes System. Dadurch muss das Blut niemals aus dem schützenden Beutel entnommen werden“, erklärt Lang. Das Blut wird also von einem Behältnis durch den Filter in den nächsten gepumpt. In einer Zentrifuge wird das Blut dann in seine Bestandteile getrennt. Somit befindet sich in einem Beutel das flüssige Blutplasma und in einem anderen die festen Erythrozyten, rote Blutkörperchen.

Das Blutplasma ist recht widerstandsfähig und kann, nachdem es schockgefroren wurde, bei Minus 40 Grad ganze drei Jahre gelagert werden. Die Erythrozyten sind bei 21 Grad hingegen nur 42 Tage haltbar. Ab sofort kann das Blut bis zu drei Menschen helfen.

Für den Blutspender gibt es als kleines Dankeschön abschließend eine Brotzeit zur Stärkung. Und natürlich bleibt auch das gute Gefühl, wieder einmal anderen Menschen geholfen zu haben.

Stephanie Novy

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