Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg 

Sängerin Solitaire Bachhuber: "Mein ganzes Leben ist Musik"

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Auf dem Weg zur professionellen Sängerin: Solitaire Bachhuber aus Unterdießen, die ebenso wie zwei weitere junge Musiker mit dem Kulturförderpreis des Landkreises bedacht wird.

Unterdießen – „Glücklich und stolz“ sei sie darüber, mit dem Kulturförderpreis des Landkreises ausgezeichnet zu werden: Das bekundet Solitaire Bachhuber aus Unterdießen, die in Salzburg studiert, inzwischen im fünften Semester ist und professionelle Sängerin werden möchte. „Mein ganzes Leben ist eigentlich Musik“, bekennt die 19-Jährige.

Ein Samstagabend im November. Zur Recherche trifft sich der Kreisboten-Reporter mit der jungen Frau im italienischen Lokal in der Landsberger Innenstadt. Da hat sie schon einen anstrengenden Tag hinter sich. Von 10 Uhr bis 17 Uhr war sie beim Probentag des schwäbischen Oratorienchores in Augsburg. Und am Sonntag geht’s weiter mit dem Probenwochenende. Solitaire wird dabei sein, wenn am 1. Dezember in Augsburg das Händel-Oratorium „Saul“ aufgeführt wird.

Zu hören war Bachhuber in der Region neulich bei zwei Konzerten des Bayerischen Landesjugendchores, in dem sie seit 2015 mitsingt. Die beiden Auftritte waren in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz und in der romanischen Basilika in Altenstadt, wobei Solitaire Bachhuber auch solistisch gefordert war.

In Salzburg, wo sie Gesang und Musik studiert, ist die junge Frau aus dem Landkreis Landsberg Sopranistin im Extra-Chor des Landestheaters. So wirkt sie aktuell in Wagners Oper Lohengrin ebenso mit wie in der Carl Maria von Webers Oper „Oberon“. Der Extrachor ist ein Ensemble, wo nach Aufführungen eine Gage ausbezahlt wird; das Geld kann sie zusätzlich zum Bafög gut gebrauchen.

Ende des Jahres wird die Studentin in München vorsingen. Sie bewirbt sich für die Audi-Chorakademie. Allerdings wird sie dann ihre fünfjährige Zeit beim Bayerischen Landesjugendchor beenden.

Das Gesangsstudium in Salzburg, wo sie zusammen mit einer anderen angehenden Musikerin ein Apartment in einem Wohnheim hat, umfasst acht Semester. Danach kann sie den Bachelor of Music mit klassischem Gesang als Hauptfach ablegen. Das Klavierspiel, z.B. als Begleiterin von Solisten, schließt sie schon nach sechs Semestern ab.

Ihr Ziel, so blickt Solitaire Bachhuber voraus, ist es, nach der Zeit an der Universität Mozarteum freiberuflich als Sängerin zu arbeiten. Warum freiberuflich? Der Vorteil sei, dass sie in kurzer Zeit an mehreren Häusern, auf mehreren Bühnen, Erfahrung sammeln könne.

Früh gefördert

Die Mutter erkannte sehr früh das Talent der Tochter. Schon mit drei Jahren war das Mädchen in der musikalischen Früherziehung in Buchloe. Mit viereinhalb Jahren lernte sie das Klavier – zuerst noch nach Gehör, später nach Noten. Als Kind war Solitaire, die bereits mit fünf Jahren eingeschult wurde, an der Singklasse in Landsberg. Im Alter von acht bis 13 Jahren hatte sie Unterricht auf dem Akkordeon, später auch am Fagott.

Gesungen hatte sie im Kinderchor ebenso wie im Jugendchor. Anfangs war sie im hohen Sopran, seit 2014 im Sopran II. Unterricht zum Ausbilden der Stimme, bei der es wesentlich auf die richtige Atmung ankommt, nahm sie sechs Jahre; Lehrerein war Caterina Prestele.

Wert legt Solitaire – der Name kommt aus dem Französischen und bedeutet einzigartig – auf Erfahrungen, die sie bei Wettbewerben oder bei Chorfahren ins Ausland sammeln kann. So nahm sie an einem Wettbewerb in Kassel teil, wo sie nicht nur weit kam, sondern der vor allem „wichtig war für die Weiterentwicklung“.

2017 war sie in Frankreich. Dort wurde der „Orpheus“ des frühklassischen Komponisten Willibald Gluck in einem Museum aufgeführt. „Ich steh‘ gern auf der Bühne“, bekundet die Sängerin mit dem runden Gesicht und mit den dunklen Haaren. 2018 war sie einen Monat mit dem Weltjugendchor in China unterwegs – als einzige Frau aus Bayern. Die 65 anderen Sängerinnen und Sänger kamen von allen Kontinenten.

Bei einer „Tournee“ des Bayerischen Landesjugendchores war Argentinien das Ziel. Dort haben Solitaire und ihre Mutter an die Auftritte zwei Wochen Urlaub drangehängt. So lernte die junge Frau ihren argentinischen Vater und die fünf Halbgeschwister kennen.

Aufgewachsen ist die Sängerin bei ihrer Mutter und beim Opa in Unterdießen, wohin sie im Studium regelmäßig heim kommt. Dort hat sie mal beim Wiesbach-Chor, in dem auch die Mutter der Sangesfreude frönt, den Dirigenten vertreten. In Unterdießen freut sich die Tochter über den Reiberdatschi der Mama. Das ist ihr Lieblingsgericht.

Die Hobbys sind das Akkordeon, das Fagott, das Lesen und das Tanzen. Solitaire machte zehn Jahre Ballett. Freilich: Dafür bleibt bei den vielen Aktivitäten als Sängerin kaum Zeit. Ihr Lieblingskomponist ist zurzeit Brahms; in dessen Liedern macht sie „faszinierende Harmoniefolgen“ aus. Blues und Jazz sind nicht ihre Stilrichtung. Da zieht sie Renaissance-Musik, Werke von Bach oder auch argentinischen Tango vor –z.B. wenn sie beim Kochen ist. Und dann Musik einfach mal nur hört anstatt selbst zu proben.
Johannes Jais

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