Das Salz, der Feind

Nicht nur an den Parkdecks selbst nagt der Zahn der Zeit. Auch die Zugangsstollen zur Schlossbergarage haben einen neuen Anstrich dringend nötig. Foto: Peters

Als die Landsberger Stadtwerke im November vergangenen Jahres still und leise die Gebühren in den Parkgaragen der Lechstadt erhöhten, sah sich das eigenständige Kommunalunternehmen der Kritik zahlreicher empörter Bürger ausgesetzt. Vorstand Norbert Köhler begründete die Erhöhung damals mit anstehenden Sanierungsarbeiten in den beiden Tiefgaragen. Ende Juli beginnen die Stadtwerke nun mit der Instandsetzung der Schlossberg-Garage, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Projekt noch teurer werden könnte als ursprünglich gedacht.

Norbert Köhler hat derzeit einiges um die Ohren. Ob die Planungen für den bevorstehenden Hauptplatzumbau, der Bau des neuen Hochbehälters im Pitzlinger Wald oder der bevorstehende Umzug in das neue repräsentative Bürogebäude an der Epfenhauser Straße: Über zu wenig Arbeit kann sich der Vorstand der Stadtwerke wahrlich nicht beklagen. Nach dem Ruethenfest nimmt sein Unternehmen nun mit der Sanierung der Schlossberg-Garage ein weiteres großes Projekt in Angriff – wenn auch nicht ganz freiwillig. Schon seit Jahren weiß man bei den Stadtwerken über den maroden Zustand der erst 1993 fertig gestellten Tiefgarage Bescheid. Mittlerweile sind die Schäden auch für einen Laien offensichtlich. Auf den Fahrbahnen und an den Pfeilern, die die drei Parkebenen innerhalb der großen Betonröhre tragen, haben sich Risse gebildet. Stellenweise ist der Beton regelrecht abgeplatzt. Schuld daran ist laut Oskar Imhof das salzhaltige Wasser, welches im Winter von den Autos in die Tiefgarage gebracht wird. „Das dringt in den Beton ein und greift den Stahl an“, erklärt der Abteilungsleiter kommunale Dienstleistungen. Schon seit längerem überprüfen die Stadtwerke daher regelmäßig den Beton mit Probebohrungen, schließlich hängt die Stabilität des Bauwerks vom Zustand des darin eingearbeiteten Stahlgitters ab. Das Ergebnis der Tests zwingt das Unternehmen nun zum Handeln. An manchen Stellen sei der Stahl mittlerweile „total zerfressen“, sagt Imhof, eine Sanierung daher unaufschiebbar. Nicht nur die Schlossberg-Garage ist vom Korrosionsproblem betroffen. Auch in der älteren Lechgarage musste das B-Deck bereits wegen angegriffener Stahlträger saniert werden. Ähnliche Schäden tauchten in der zweigeschossigen Tiefgarage des Landratsamtes auf. Dabei lässt sich eine derartige Situation relativ leicht vermeiden, indem die Bodenoberfläche mit Kunstharz versiegelt und so das Wasser am Eindringen in den Beton gehindert wird. „Leider hat man beim Bau nicht daran gedacht, dass man den Beton so schützen muss“, sagt Imhoff. Woran die Ingenieure bei der Konstruktion der 40 Millionen Euro teuren Schlossberg-Garage vor 18 Jahren sparten, muss jetzt mühsam nachgebessert werden. Doch allein mit dem Aufbringen von Kunstharz ist es nicht getan. Zuvor müssen die angegriffenen Stahlstreben erneuert werden. Der Aufwand dafür ist enorm. Damit die einzelnen Decks nach dem Abtragen der obersten, sechs Zentimeter dicken Betonschicht nicht einstürzen, sind zusätzliche Stützen nötig. Um Kosten zu sparen, werde man jede Ebene auf einmal sanieren anstatt wie ursprünglich geplant drittelweise, erklärt Köhler. Statt 300000 Euro für einen Teilabschnitt komme man so auf einen Gesamtbetrag von rund 680000 Euro pro Deck. Im gleichen Zug erhalten die Wände der Tiefgarage einen neuen Anstrich, zudem werden technische Einrichtungen wie die Brandmeldeanlage sowie die Beleuchtung erneuert. Trotz der Einsparung liegen die Gesamtkosten mit mehr als zwei Millionen Euro deutlich über der ursprünglich prognostizierten Summe. Im Wirtschaftsplan 2011 hatte das Unternehmen noch mit einem Budget von 1,8 Millionen Euro gerechnet. Finanziert werden soll die Maßnahme über die Gebühren­erhöhung im vergangenen Jahr, die den Stadtwerken Mehreinnahmen von rund 250000 Euro pro Jahr bescheren. Der Verlust für beide städtischen Tiefgaragen, der laut Köhler rund 800000 Euro beträgt, könnte dennoch weiter steigen: Während der Sanierung bleibt immerhin ein Drittel der 350 Parkplätze gesperrt.

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