Deutsche Blechroller-Meisterschaft:

Tacho Karacho: Die ersten Meter sind entscheidend

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Qualmende Reifen und Motoren vor dem Start.
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Mit Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h der Ziellinie entgegen.
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Jesco Schmidt und zwei getunte Roller, die noch auf Siege warten.
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Mit Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h der Ziellinie entgegen.

Landsberg – Laut wird es werden, am Samstag, 27. Juli, in der Marie-Curie-Straße. Richtig laut. Im Landsberger Gewerbegebiet wird der dritte Lauf der „Deutschen Blechroller Meisterschaft“ (DBM) vom Rollerzubehör-Lieferanten SIP ausgerichtet. Unter dem Titel „Tacho Karacho II“, direkt vor den Toren der Firma, die gerade ihr 25-Jähriges feierte.

Mit dabei ist Jesco Schmidt. Seit 2017 lebt und arbeitet der erfolgreiche Racer und Gründer der Rennserie in der Lechstadt und gilt auch für diesen Lauf wieder als Favorit in diversen Klassen. Wetterbedingt war sein Start beim ersten Lauf in Singen am Bodensee buchstäblich ein Schlag ins Wasser: Ohne Grip auf regennasser Fahrbahn waren Siege unmöglich. In Hofstätten in Österreich lief es am 13. Juli ungleich besser: Zwar musste er ein Rennen wegen Defekts schon vor dem Start sausen lassen, gewann aber in der 200er-Klasse und belegte im „Best of All“-Vergleich der Klassensieger den 2. Platz.

Gefahren wird in sieben verschiedenen Klassen über eine Strecke von 150 Metern. Es handelt sich um sogenannte Beschleunigungsrennen. Bedeutet: zwei hochgezüchtete Roller fahren gegeneinander und Sieger ist, wer als erster die Ziellinie überquert. Dabei gilt es, die Kraft der Motoren, bis zu 70 PS, auf die Straße zu bringen. Das Rennen entscheidet sich laut Schmidt zu 80 Prozent auf den ersten Metern. Nur wer ohne Fehlstart den ampelgesteuerten Start perfekt beherrscht, das Abheben des Vorderrads verhindert und die Kupplung im Griff hat, kann schließlich Geschwindigkeiten von bis 140 km/h erreichen und über die Ziellinie brettern.

Neben den eigentlichen Rennen, die gegen 12:30 Uhr starten werden, ist rund um die Roller viel geboten: Das Fahrerlager wird geöffnet sein und die Zuschauer können die ge­tunten Maschinen aus der Nähe begutachten. Moderiert wird das Event von Eishockeylegende und DAZN-Moderator Harald Birk. Wenn dann gegen Abend die Besten der einzelnen Klassen zum „Best Of All“-Rennen antreten, wird der Tagessieger ermittelt und gebührend gefeiert.

Der KREISBOTE unterhielt sich vorab mit Schmidt aus Landsberg über die DBM und „Tacho Karacho II“.

Jesco, wie kommt man auf die Idee Roller zu fahren und dann noch bei Rennen anzutreten?

Jesco: „Ich komme ja aus dem schönen Wolfenbüttel, das eigentlich nur wegen des Jägermeisters bekannt ist und nicht wegen seiner lebendigen Ju­gend­kultur. Im nur wenige Kilometer entfernten Braunschweig gab es allerdings eine sehr aktive Rollerszene. Die umgebauten Roller vor der Disko haben mich früh in ihren Bann gezogen.“

Was war dann dein erster Roller?

Jesco: „Eine Vespa PX80. Die ganze Szene war damals eine echte Subkultur und definierte sich über Musik, Klamotten, Lifestyle und eben die Scooter, also die Roller. 1990 bin ich dann auch zu Rollertreffen gefahren und habe dort die ersten Rennen gesehen, die seinerzeit nicht unbedingt organisiert und legal waren.“

Und du warst infiziert?

Jesco: „Ganz genau. Ich habe Kataloge und Magazine studiert und angefangen, mir meinen eigenen Motor zu bauen. Mit Rollern von der Stange braucht man bei diesen Rennen gar nicht anzutreten. 1992 bin ich meine ersten Rennen gefahren, zwar halbwegs erfolgreich, aber mit meinem Straßenroller. Nach einigen Jahren Pause trat ich 2003 bei einem großen professionell organisierten Rennen in Stockach an. Ich bekam dermaßen den Hintern versohlt, dass ich mich sehr nachdenklich auf die Rückreise nach Berlin machte, wo ich mittlerweile in einer WG wohnte und Philosophie studierte. Mir war klar geworden, dass es für wirklich gutes Tuning eben nicht reichte, Magazine und Kataloge zu Rate zu ziehen.“

Also alles auf Anfang?

Jesco: „Ich habe mich zurück­gezogen und in meinem WG-­Zimmer auf zwölf Quadratmeter angefangen, einen neuen Roller zu bauen. Die Mitbewohner waren begeistert, vor allen Dingen als mir einmal der Tank auslief und die ganze Bude nach Sprit stank. Ich war damals durchaus ein Verrückter in der Szene und opferte Zeit und Geld, um den ultimativen Racer zu bauen.“

Offensichtlich mit Erfolg?

Jesco: „Ich darf sagen, dass ich die Rennserie ab 2006 dominiert habe und eigentlich bei jedem Lauf als Favorit an den Start ging. Damals wurde die Szene durch das Internet erst richtig befeuert und es gab einen steten Austausch in den einschlägi­gen Foren. Denkwürdig war eine feuchtfröhliche Nacht mit einem Kumpel. An Einzelheiten kann ich mich gar nicht mehr erinnern, aber Tatsache ist, dass wir am nächsten Morgen die Deutsche Blechroller Meisterschaft gegründet hatten.“

Die Rennserie, die heute noch existiert?

Jesco: „Genau. Wir hatten von Anfang an viel Zuspruch und die Serie entwickelte sich fantastisch. Von 2008 bis 2015 war ich regelmäßig Deutscher Meister, einmal sogar in vier Klassen gleichzeitig. 2016 bin ich dann mehr oder weniger zurückgetreten, ich wollte nicht mehr so viel Zeit und Geld in dieses Hobby investieren. Eigentlich wollte ich mal eine Weile nichts mehr mit Rollern und Rennen zu tun haben.“

Das hat ja nicht so ganz geklappt, denn du arbeitest bei SIP als Produktmanager und hast jeden Tag mit Rollern zu tun.

Jesco: „Ich hatte mir das Studium und das Racing damit finanziert, dass ich professionell an Rollern geschraubt habe. Die Stellenanzeige von SIP zeichnete ein Berufsbild, das genau dem entsprach, was ich ohnehin schon jahrelang gemacht hatte. Ich fuhr zum Termin nach Landsberg und hielt noch während des Vorstellungsgesprächs meinen Vertrag in Händen.“

Von Berlin ins beschauliche Landsberg. Wie gefällt es dir hier?

Jesco: „Zugegeben, das ist schon ein ziemlicher Schritt von der Großstadt in die Kleinstadt. Aber ich wurde hier gut aufgenommen und fühle mich auch ziemlich heimisch. Und nun habe ich die Rennserie ja auch nach Landsberg gebracht und feile an meinem Comeback. Wir haben über die letzten Monate einen Racer bei SIP gebaut, und der muss sich nun unter realen Bedingungen bewähren. Bisher hat das nicht so gut geklappt, aber ich hoffe, dass ich beim nächsten Rennen hier in Landsberg zeigen kann, was in ihm steckt.“

Dietrich Limper

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