Christkindl-Anschießen

Kanonendonner über dem Ammersee

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Die "Kanoniere Dießen am Ammersee" lassen es am heutigen Samstag (19 Uhr) in den Dießener Seeanlagen wieder ordentlich krachen.
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Die "Kanoniere Dießen am Ammersee" lassen es am heutigen Samstag (19 Uhr) in den Dießener Seeanlagen wieder ordentlich krachen.
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Die "Kanoniere Dießen am Ammersee" lassen es am heutigen Samstag (19 Uhr) in den Dießener Seeanlagen wieder ordentlich krachen.
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Die "Kanoniere Dießen am Ammersee" lassen es am heutigen Samstag (19 Uhr) in den Dießener Seeanlagen wieder ordentlich krachen.

Dießen - Mit dem fünften Dießener Christkindl-Anschießen verkündet der Verein „Kanoniere Dießen am Ammersee“ am Samstagabend, 23. Dezember, 19 Uhr, dass das Christkindl schon ganz nah ist. Mit Böllerschüssen in den Boxler-Anlagen direkt am Seeufer erleben Groß und Klein, wie es früher einmal war in manchen alpenländischen Regionen. Die Salven aus Vorderlader-Kanonen sind weithin über den Ammersee zu hören. Der Brauch, erzählt Dominik Werner von den Kanonieren, sollte einst dem Christkindl den Weg auf die Erde weisen.

Bekannt ist das Christkindl-Anschießen vor allem aus dem Berchtesgadener Land. Dort ist es erstmals urkundlich erwähnt anno 1666. Seit mehr als 100 Jahren sind die Berchtesgadener Weihnachtsschützen auch in Vereinen organisiert, die vom 17. bis 24. Dezember das Christkindl mit Böller begrüßen. Täglich wiederholen sie das Anschießen mit Hand-Böller. In den Dörfern am Watzmann beteiligen sich etwa 1.000 Weihnachtsschützen, wie sie sich nennen. Höhepunkt ist dann am Heiligen Abend, wenn auf 17 Standplätzen geschossen wird. Punkt 24 Uhr tritt Ruhe ein.

Das Böllerschießen ist ein uralter Brauch, dessen Ursprung ins 14. Jahrhundert zu reichen scheint. Ausgangspunkt war der tiefverwurzelte Aberglaube an Dämonen, die man mit Lärm vertreiben wollte. Das Schießen mit Böller erfährt mehr und mehr Zuspruch. Das gilt auch für das Perchtenlaufen. Beide Gepflogenheiten verlassen heute ihre angestammten Regionen und ziehen „in die Welt“ hinaus mit ihren – oft vielbeachteten - Auftritten.

Es entstehen zunehmend Vereine, die über das Böllerschießen bei Hochzeiten, Beerdigungen und hohen Feiertagen hinaus den Ehrensalut auch zu Weihnachten abschießen. Allein in Bayern sind bis dato rund 6.000 Böllerschützen bekannt, wobei die meisten eindeutig im Berchtesgadener Land angesiedelt sind.

Seit 2012: Kanoniere in Dießen

Auch in der Marktgemeinde am Ammersee gibt es seit 2012 Kanoniere. Der Verein mit Dominik Werner an der Spitze lädt in die mit Fackeln beleuchteten Seeanlagen zur vorweihnachtlichen Stunde ein. Neben den Böllerschüssen erklingt alpenländische und vorweihnachtliche Musik mit den Diessener Alphornbläsern vom Heimat- und Trachtenverein d‘ Ammertaler Diessen-St. Georgen und dem Musikverein Thaining mit Joachim Mastaller.

Selbst gebaute Kanonen

Geschossen wird übrigens mit selbstgebauten Kanonen, die erste entstand 2013 mit einem 80 Zentimeter langen Kanonenrohr, einem 50 Millimeter Kaliber und einem Gesamtgewicht von 50 Kilo. Die Böller werden mit Böllerpulver (Schwarzpulver mit festgelegter Körnung) und nach vorgegebener Abbrand-Geschwindigkeit gefeuert.

So entwickelt sich am Abend vor der Christnacht ein gewaltiger Kanonendonner hin und her über den See – vom Ostufer aus antworten die Böllerschützen Erling-Andechs, die heuer ihre Signale nicht vom Seeufer aus Richtung Dießen schicken, sondern vom Aussichtsplateau (Parkplatz) oberhalb von Erling zünden. Dort wird gemeinsam mit dem Andechser Trachtenverein Kienthaler Erling-Andechs auch ein Sonnwendfeuer entzündet.

Beate Bentele.

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