Endstation: Bitte alle austeigen!

Nach 24 Jahren: Eisele nimmt Abschied vom Stadtbusverkehr

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Ein letzter Gruß und Dank an alle Fahrgäste. Mit diesem Banner am Busbahnhof sagte die Eisele-Crew nach 24 Jahren Stadtbusverkehr leise „Servus!“.
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Einmal letztes Mal die Linie 1 mit Eisele: Nach 24 Jahren muss das Busunternehmen den Stadtbus abgeben. Zum Abschied gab‘s eine Fahrt im vollen Bus mit Musik.
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Nach 24 Jahren: Eisele Bus nahm am Samstag mit zahlreichen Gästen Abschied vom Landsberger Stadtbusverkehr.
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Nach 24 Jahren: Eisele Bus nahm am Samstag mit zahlreichen Gästen Abschied vom Landsberger Stadtbusverkehr.
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Nach 24 Jahren: Eisele Bus nahm am Samstag mit zahlreichen Gästen Abschied vom Landsberger Stadtbusverkehr.
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Nach 24 Jahren: EiseleBus nahm am Samstag mit zahlreichen Gästen Abschied vom Landsberger Stadtbusverkehr.
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Nach 24 Jahren: Eisele Bus nahm am Samstag mit zahlreichen Gästen Abschied vom Landsberger Stadtbusverkehr.
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Nach 24 Jahren: Eisele Bus nahm am Samstag mit zahlreichen Gästen Abschied vom Landsberger Stadtbusverkehr.

Landsberg – „Eine Ära geht zu Ende.“ Dieser Satz ist bei der Abschiedstour des Busunternehmens Eisele am Samstagvormittag oft zu hören. Vollgepackt mit Bürgermeistern und Stadtratsmitgliedern, vier Musikern, den Eisele-Mitarbeitern und „ganz normalen Fahrgästen“ fährt der Bus im bekannt silbergrünen Design vom Bahnhof aus zum Penzinger Feld und wieder zurück. Eine der letzten Fahrten der Linie 1. Denn nach 24 Jahren muss das Busunternehmen Eisele den Stadtverkehr abgeben. Ab Montag, 5. Februar, übernimmt Waibel Bus.

Draußen schneit es, in der Garage ist es kuschlig: Christoph und Thomas Eisele mitsamt Belegschaft sowie zahlreiche Gäste warten auf die letzte Busfahrt. Sie startet um 12.15 am Bahnhof Landsberg und endet mit einem Essen im Wirtshaus am Spitalplatz. Initiiert hat das die Stadt Landsberg. Um Danke zu sagen für 24 Jahre gute Zusammenarbeit.

Schon am Bahnhof ist der Bus proppenvoll. Mit dabei sind die drei Bürgermeister Landsbergs, Stadtratsmitglieder, Bürgermeister der Gemeinden und Ex-Bürgermeister. Firmeninhaberin Erika Eisele mit ihren Söhnen Christoph und Thomas. Und natürlich auch die Busfahrer. Ulrich Manhart ist einer von ihnen. Und weil er seit 27 Jahren bei Eisele ist, sitzt der Dienstälteste bei der Abschiedstour am Steuer; „Ich bin immer auf den Stadtbuslinien gefahren. Das ist jetzt vorbei.“ Auch andere bedauern Eiseles Abschied: „Ich kenn den Eisele jetzt seit 44 Jahren“ erinnert sich Harry Reitmeir. „Wir haben damals zusammen Handball gespielt. Jetzt geht eine Ära zu Ende.“ Oder in Christophs Worten: „Schade, dass es so weit hat kommen müssen.“

Gegen die melancholische Stimmung hilft gute Laune. „You are my Sunshine“. Oder „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen.“ Die Tuba leidet etwas unter Platzmangel, auch das Akkordeon ist beengt. Macht nichts. An der ersten Haltestelle wollen noch mehr mit. So voll war der Bus selten, oder? „Die Linie 1 war schon immer gut genutzt“, erzählt Christoph Eisele. Als das Busunternehmen 1988 unter Ex-OB Franz-Xaver Rößle mit dem Stadtbus startete, musste ganz von vorne angefangen werden. „Damals gab’s noch keinen Stadtverkehr“, erinnert OB Mathias Neuner. Landsberg hatte gerade mal 20.000 Einwohner. Penzinger Feld? Fehlanzeige. „Da ist man Rad gefahren. Oder gelaufen.“

Ganz am Anfang hatte Eisele drei Kleinbusse, die im Halbstundentakt fuhren. „Wir standen oft bis tief in die Nacht in der Werkstatt“ erinnert sich Eisele. „Immer die Bergstraße hoch und runter, das haben die nicht gepackt.“ Nach gut zwei Jahren kamen größere Fahrzeuge, ab 2003 schließlich die „Erwachsenengeneration“. Inzwischen gibt es fünf Linien mit 62 Haltestellen. In den 24 Jahren kam Eisele auf 11,6 Millionen Fahrgäste, mit denen es sechs Millionen Kilometer zurücklegte.

Oben am Kreisel steigt ein Fahrgast aus und verabschiedet sich vom Fahrer: „Alles Gute, Uli.“ Uli bleibt Eisele erhalten, ebenso viele andere Mitarbeiter. Aber als vor einem Jahr die Entscheidung gegen Eisele fiel, habe er schlaflose Nächte gehabt, erzählt Christoph: „Wie soll ich denn jemandem sagen, dass er gehen muss?“ Der Wegfall des Stadtbusverkehrs bedeutete auch weniger Fahrer. Kündigen musste Christoph aber niemanden. Fünf Mitarbeiter haben von sich aus neue Jobs gefunden. Im Moment hat das Unternehmen 25 Fahrzeuge, der Großteil Linienbusse. Aber verkaufen will Christoph Eisele nicht. Er sei noch wegen neuer Aufträge mit möglichen Kunden im Gespräch. Also erst mal nur das Logo ab, das Design „neutralisieren“.

Hinten im Bus, auf der Fünferbank, sitzen immer die Coolsten. Auch bei der Abschiedsfahrt: Eiseles Busfahrer genießen es, einmal nur Mitfahrer zu sein. Unter ihnen Werkstattmeister Gökmen Ficilar, auch durch seine Landsberger Morgen- und Abendfotos auf Facebook bekannt. Die Fotos mache er immer auf seinem Weg zur Arbeit und zurück, schmunzelt er. Obwohl ihm gar nicht nach Schmunzeln ist: „Eigentlich haben wir alle Tränen in den Augen. Aber wir bleiben stark und halten zusammen.“ Man habe ja seit der Ausschreibung von dem Ende gewusst. „Das war wie eine Sanduhr.“ Sie alle hätten ein Jahr Zeit gehabt, sich zu verabschieden. Dennoch tut es weh: „Am Montag, den 5. Februar, bricht für uns eine neue Zeit an.“

Susanne Greiner

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