Klinikum Landsberg

Der Landrat bittet den Vorstand zum Rapport

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Nichts gibt’s vom Landkreis: Die erneute Kostensteigerung für die Sanierung muss das Klinikum Landsberg selbst tragen.

Landsberg – Wohl gefühlt hat sich der Vorstand des Klinikums Landsberg, Peter Rahn, vor dieser Sitzung des Kreisausschusses nicht. Noch während er auf den Einlass wartete, ließ er den Projektsteuerer für die Sanierung und Erweiterung des Klinikums, Erwin Kuhn von KMP München, wissen, er verstehe „nicht ganz“, warum man im öffentlichen Teil der Sitzung referieren müsse.

Den Grund lieferte dem Klinikums-Chef Landrat Walter Eichner (CSU) nur Minuten später: Die erneuten Kostensteigerungen beim Bauprojekt solle das Krankenhaus selbst tragen, sagte er Rahn in deutlichen Worten vor der Öffentlichkeit. Nach dem einstimmigen Votum des Kreisausschusses dazu bleibt das Klinikum auf den zusätzlichen rund 200000 Euro erst mal selbst sitzen.

Die ungewöhnliche Vorgehensweise des Landrates hatte ihre Ursache offenbar in der jüngsten Sitzung des Klinikums-Verwaltungsrates zwei Wochen zuvor. Hinter verschlossener Tür war klar geworden, dass man mit den 18,2 Millionen Euro Gesamtkosten für den Umbau nicht hinkommen würde. Höhere Ausschreibungsergebnisse und demnach teurerer Brandschutz würden die Teilsumme für den aktuellen Bauabschnitt nach oben treiben, hieß es damals. Von 539000 Euro würde der Landkreisanteil demnach auf 748000 Euro steigen. Das wollte der Verwaltungsrat nicht ohne weiteres hinnehmen, zumal nach seiner Meinung nach nicht schlüssig offengelegt wurde, warum die Kosten so stark gestiegen waren.

Nicht nur der Landrat, auch CSU-Fraktionschef Dr. Manfred Rapp wunderte sich über die Kostensteigerung. „Der Bauplan wird doch von Fachleuten gemacht“, meinte er, „mir ist nicht klar, wie das in diesem Teilbereich in kürzester Zeit um fast 20 Prozent teurer werden kann“. Eichner selbst sah das genauso: „Die Zahlen aus der Planung sind ja nicht uralt, die sind ganz frisch. Da würden wir jetzt schon gerne wissen, was da passiert ist. Wir stehen auch in einer Verantwortung dem Bürger gegenüber.“

Kaum Angebote

Die Aufklärung, die Projektsteuerer Kuhn und Geschäftsführer Rahn dem Verwaltungs­- rat offenbar nicht geben konnten, versuchten beide jetzt nachzuliefern. Für die Ausschreibungen der Gewerke seien nur in einem Fall drei Angebote eingegangen, so Kuhn, „ansonsten hatten wir zwischen null und zwei“. Neue Anforderungen hätten sich teilweise erst „im Dialog mit den Genehmigungsbehörden“ ergeben, zudem habe sich das Material im Brandschutz binnen eines Jahres um bis zu 77 Prozent verteuert. Auch Rahn führte die „Großwetterlage“ im Baugewerbe an.

Laut Erwin Kuhn sind in die Kostensteigerungen auch Reserven von 113000 Euro für „unvorhergesehene Ereignisse beim Bau“ eingerechnet, ob diese Kosten wirklich anfallen, sei aber noch unklar. „Das sind jetzt aber schon ganz andere Zahlen als die, die wir im Verwaltungsausschuss gehört haben“, meinte Eichner, der so­- wohl Kuhn als auch Rahn mehrfach in ihrem Vortrag unterbrach.

Auch Peter Rahn brach noch eine Lanze für das Klinikum. „Wir haben einen erheblichen Investitionsbedarf, in einigen Bereichen sind keine Ersatzteile mehr da. Die Anfrage an den Landkreis, jetzt in Gebäude zu investieren, ist noch leichter. Wenn ich in einigen Jahren einen neuen OP-Tisch brauche, wird das schwierig, da kann ich Sie nicht fragen.“ Landrat Walter Eichner blieb hart: „Sie haben für ihr Haus argumentiert und das ehrt Sie. Aber bin sehr dafür, dass die Kostensteigerung das Klinikum selbst erwirtschaften muss. Vielleicht schaut man dann intern auch anders auf den einen oder anderen Euro, den man ausgibt.“

Offenes Ohr

Der Kreisausschuss folgte dieser Empfehlung einstimmig, wobei Walter Eichner unmissverständlich zum Ausdruck brachte, dass diese Entscheidung keine Abwendung vom Klinikum bedeute, „wir lassen das nicht absaufen“. Allerdings: „Wir haben hier immer das offenste Ohr überhaupt gehabt.“ In den vergangenen zehn Jahren habe man über zehn Millionen Euro für die Einrichtung aufgewendet. „Aber im Moment haben Sie die liquiden Mittel zur Verfügung, um das selbst zu übernehmen. Beim Bauabschnitt Nord werden die Karten ja vielleicht wieder neu gemischt.“


Man(n) sieht sich immer zweimal…


Landsberg – Mit Erwin Kuhn stand wegen der Kostensteigerungen bei der Erweiterung des Klinikums kein Un­bekannter in der Kritik und musste sich vor Landrat Eichner und dem Kreisausschuss rechtfertigen: Kuhn ist seit Jahren so etwas wie der „Haus- und Hof-Projektsteuerer“ des Landkreises.

Andreas Magotsch

Die Liste der Baumaßnahmen, die Kuhns Münchner Firma „KMP“ (früher KPS) für den Landkreis betreute, und dafür in der Regel gute zwei Prozent der Bausumme einstreicht, ist lang. Zwar ist er auch in München und im Raum Rosenheim an Projekten beteiligt, doch einen Großteil erwirtschaftet das Unternehmen in der Lech-Ammersee-Region: Berufliche Schulen Landsberg, Sonderpädagogisches Förderzentrum, Grund- sowie Realschule Schondorf und der umstrittene Neubau des Geltendorfer Feuerwehrhauses – wenn es im Landkreis etwas zu bauen gibt, erhält für die Projektsteuerung meist KMP den Zuschlag. So auch beim Klinikum Landsberg.

Während Kuhn in der vergangenen Woche zusammen mit Klinikumschef Peter Rahn im Kreisausschuss im Feuer stand, hält sich der zweite Geschäftsführer der Firma dezent im Hintergrund, obwohl gerade er die Materie am besten kennen müsste: Der im April 2011 als Landsberger Kreisbaumeister ausgeschiedene Andreas Magotsch trat ein Jahr später seinen Posten in der Leitung bei KMP an. Neben Magotsch und dem gelernten Maurer Kuhn sind noch zwei Diplom-Ingenieure für die Firma tätig. Während er zehn Jahre die Bauprojekte vom Landratsamt aus betreute, kann Magotsch nun für ähnliche Tätigkeiten Rechnungen an den Landkreis schreiben.

Der Landrat scheint das 2011 schon geahnt oder gewusst zu haben. Man werde Magotsch „sicher bei dem einen oder anderen Auftrag wieder treffen“, sagte Eichner damals bei der Verabschiedung. Begonnen hatte Andreas Magotschs zehnjährige Karriere beim Landkreis übrigens 2001 – mit dem Umbau des Klinikums.

Christoph Kruse

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