Verhexte Quellen

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Unterschiedlichste Böden und Quellen, die es eigentlich nicht gibt: Die Sanierung der Nordquelle in der Teufelsküche macht Probleme.

Landsberg – Nass und schlammig ist es noch vor Kurzem auf der Baustelle an der Teufelsküche gewesen. Standen die Arbeiter da noch im Regen, steht ihnen jetzt schon wieder der Schweiß auf der Stirn. Aber immerhin: „Der starke Regenfall hat keinen Schaden angerichtet“, sagt Baustellenleiter Markus Kleinschmidt. Dafür gibt es aber genug andere Probleme.

2013 hatte man in den Quellsammelbecken ungewöhnlich viel Sand gefunden. „Als wir mit einem Teleskop durch die Leitungen gefahren sind, haben wir einen Riss entdeckt“, so Diplom-Ingenieur und Leiter Bau und Betrieb der Stadtwerke Martin Michl. Daher also die Sandeinspülung, aber woher kam der Sand? „Es gibt hier eine Quelle, die es eigentlich gar nicht geben dürfte“, erklärt Michl. „Man nennt das eine Überlaufquelle, die normalerweise nur im Fels vorkommt.“ An der Teufelsküche kommt sie aber aus den Kies- und Sandböden. 

Als dort gegraben wurde, fand man eine große Aushöhlung in der Seitenwand – der abgespülte Sand. „Und damit uns das nicht alles zusammenstürzt, mussten wir sanieren, das war sozusagen alternativlos“, betont Michl. Als man mit der Sanierung der 1948 gebauten Quellsammelleitung begann, war schnell klar, dass es nicht einfach werden würde: „Wir haben hier an der Nordquelle ganz andere Bodenbeschaffenheiten vorgefunden als gedacht“, erzählt Baustellenleiter Kleinschmidt. Zudem gebe es noch eine Quelle am Ostende, die stark nach oben hin ansteige. „Warum da trotzdem der Schacht auf 4,50 Meter ausgehoben wurde, ist uns ein Rätsel“, gibt Michl zu.

Instabile Böden 

Der Baustellenschacht der Nordquelle führt auf einer Länge von gut zehn Metern von Südosten nach Nordwesten. Die Seiten des Schachtes sind wegen der instabilen Böden mit Stahlwänden abgesichert, zudem muss der Boden unterhalb des Einflusses der Überlaufquelle vor weiteren Aushöhlungen mit Platten gestützt werden. Quer über den Schacht laufen zahlreiche Stahlstützen, Sprießungen, die die Stahlwände aussteifen. Am Boden des Schachtes wird gerade eine der vier geplanten Abteilungen mit Quarzkies aufgefüllt. „Da drauf liegen dann die Sickerleitungen, die das Wasser aufnehmen und zur Sammelleitung bringen“, erklärt Michl. 

Die zwei alten Quellsammelschächte, die senkrecht nach unten führen, werden nicht mehr genutzt. Das sei viel zu aufwendig, sagt Michl: „Um die 4,5 Meter runter zu steigen, brauchen Sie eine Kletterausrüstung.“ Der neue Sammelschacht wird horizontal über eine Treppe führen, sodass der Zugang komfortabler wird. 

Die neu entdeckte Überlaufquelle, der Schadensverursacher und Auslöser der Sanierung, hat aber auch Vorteile: „Wir können jetzt mehr Wasser sammeln, da wir diese Quelle auch anzapfen“, erklärt Michl. Ebenso wird die am oberen Ende ansteigende Quelle jetzt besser genutzt. Insgesamt lege man vier Sammelleitungen, zwei mehr als zuvor. Der Wassergewinn könne von einem bis acht Liter pro Sekunde liegen, „das kann man jetzt noch nicht so genau sagen“, urteilt Michl. Der Gewinn rechtfertige die Zusatzkosten der Sanierung: geplant waren 430000 Euro, jetzt sind es 730000. 

Der technische Leiter der Stadtwerke, Norbert Köhler, hofft auf mindestens sechs Liter pro Sekunde mehr Wasser. Aber nicht nur dieser Gewinn finanziere die Mehrkosten: „Es fallen ja auch ein paar Projekte dieses Jahr weg, wie zum Beispiel das Baugebiet Wiesengrund oder die Wasserleitung in der Brudergasse“, so Köhler. Mit diesen aus dem Etat ‚Neuerung der Wasserleitungen‘ frei werdenden Mitteln könne man die Sanierung finanzieren. „Zudem haben wir 2014 einen Überschuss erwirtschaftet. Sagen wir mal, die Stadtwerke sind liquide“, fügt er hinzu.

Nicht nur die wachsende Einwohnerzahl Landsberg benötige in Zukunft mehr Trinkwasser. Man solle auch an die Zukunft denken, so Köhler: „Wenn wir mal eine längere Dürreperiode als jetzt haben, sind wir sicher dankbar für das zusätzliche Trinkwasser.“ 

Die Bauarbeiten werden noch bis mindestens Mitte September andauern. Bis dahin bleibt der Zugang zum Stauweiher komplett gesperrt. Vielleicht wird es aber auch noch länger dauern. Wer weiß schon, was an der Teufelsküche noch alles passieren kann.

Susanne Greiner

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