In Saus und Braus gelebt

Mit der Luxus­yacht an der Cote d'Azur entlangsegeln, in Las Vegas Geburtstag feiern, in München im Luxushotel Bayerischer Hof wohnen – wie es sich gut leben lässt, das wusste ein 22-jähriger Kauferinger ziemlich genau. Da ihm aber für das Leben in Saus und Braus das Geld zum größten Teil fehlte, landete er vergangene Woche vor dem Schöffengericht in Landsberg – wegen besonders schweren Betrugs in insgesamt neun Fällen.

Der Angeklagte, ein schmächtiger, blasser junger Mann, wirkt zerfahren. Er spricht von Höhenflügen und Größenwahn und davon, dass er es nie geschafft habe, vernünftig zu kalkulieren. „Wenn ich Geld hatte, war es immer schnell wieder weg.“ Geld verdiente er gelegentlich mit einer Firma, die Erotikführer herausgab und Anzeigen von Prostituierten, Swingerclubs und Bordellen veröffentlichte. Diese Kunden hätten meistens bar bezahlt. Das mussten sie auch, denn ein eigenes Konto besaß der Kauferinger nach einem ersten Gefängnis­auf­enthalt nicht mehr. Deshalb mussten zuweilen die Konten von Verwandten und Freunden für den Zahlungsverkehr herhalten. Als der 22-Jährige für sich und drei Freunde im Frühjahr 2009 für fast 5000 Euro eine Segeltour im Mittelmeer buchte, die erforderliche Anzahlung aber nicht leisten konnte, mailte er dem Reisebüro einen gefälschten Überweisungs­- beleg mit den Kontodaten seiner Großmutter. Später sagte er die Reise wieder ab. „Wenn ich Sachen nicht in Anspruch genommen habe, habe ich sie auch nicht bezahlt“, räumt der Angeklagte vor Richter Dr. Wolfgang Daum und den Schöffen ein. „Das war leider meine Einstellung damals.“ Für einen Flug nach Las Vegas für sich selbst und fünf Mitreisende verwendete er die Bankdaten eines der Freunde. Ob mit dessen Einverständnis oder nicht, blieb in der Verhandlung offen – jedenfalls erhielt der Freund das Geld nicht zurück. Auch ein Optikergeschäft blieb auf seiner Rechnung für zwei Sonnenbrillen sitzen, ebenso wie ein Grafiker, der für 26000 Euro Logos und Flyer für die Firma des Angeklagten anfertigte. Zwischenzeitlich unternahm der 22-Jährige immer wieder Versuche, an schnelles Geld zu kommen. So versteigerte er im Internet für 1600 Euro eine Dauerkarte für den FC-Bayern, die er weder besaß noch besorgen konnte. Für die Vermittlung von Mietwagen an eine Gruppe von Geschäftsleuten aus dem Nahen Osten ließ er sich eine Anzahlung von 12500 Euro geben. Statt die gewünschten Mer­cedes-Fahrzeuge zu besorgen, setzte sich mit dem Geld nach Italien ab. Doch mit Hilfe eines internationalen Haftbefehls wurde er schließlich im September vergangenen Jahres festgenommen. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt dem berufslosen Kauferinger, der unter Legas­thenie und einer hyperkinetischen Störung leidet, eine teilweise eingeschränkte Steue­- rungsfähigkeit und verminderte Schuldfähigkeit. „Er konnte das Unrecht seiner Taten erkennen, aber nicht danach handeln“, so Richter Dr. Daum, der dem Antrag von Staatsanwalt Christian Hanft folgte und den Kauferinger zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilte.

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