Schätze ganz nah am Ammersee

Im Produktionsbüro von Indie-Star in der Mühlstraße laufen die Vorarbeiten für „Reality XL“ auf Hochtouren. Von rechts: Susanne Zimmer (Produktionsassistentin), Chris Filser (Computer-Centrum-Dießen), Tom Bohn (Produzent/Regisseur/Autor), Martin Schlecht (Kamera), Nue Ammann (Pressebeauftragte) und Scho Ilnicki (Executive Producer). Foto: Robert

„Nicht jeder Schatz besteht aus Silber und Gold, weißt du.“ Dieses Zitat von Johnny Depp aus „Fluch der Karibik“ stellt sich Tom Bohn als Arbeitsmotto voran. Jene Schätze, mit denen sich der Filmemacher und Autor aus Dießen derzeit beschäftigt, bestehen ohnehin aus einer anderen Materie, denn „Realität ist ein Traum“. Der 51-Jährige steckt mit seinem Team von Indie-Stars in den Vorbereitungen für seinen ersten eigenen Kinofilm, der ab Montag im Radom in Raisting gedreht wird: „Reality-XL“ mit Heiner Lauterbach.

Ob Krimi, Thriller, Komödie, Action oder Drama – die Filmographie Tom Bohns reicht zurück bis in das Jahr 1982. Zunächst arbeitete er als Fernseh­- journalist unter anderem für die ARD, das ZDF und den BR, war aber von Beginn an dem Independent-Film zugetan. Um Geld in die klamme Kasse zu bringen, folgten Werbefilme, dann größere Produktionen. Im Jahr 1999 kam der Kinofilm „Straight Shooter“ heraus, und allein mehr als ein Dutzend Tatorte kann Bohn aufzählen. Der jüngste Tatort mit dem Titel „Das schwarze Haus“, den der gebürtige Wuppertaler 2010 drehte, wird Ende dieses Jahres erstmals ausgestrahlt. Der Erfolg stellte sich bald auf der ganzen Linie ein, glänzende Preise sind darunter, wie zwei Goldene Löwen und zwei Silberne Löwen in Cannes. Auch wenn sich der Dießener freut, nicht mehr „nur“ als Tatort-Regisseur bezeichnet zu werden, will er weiterhin zweigleisig fahren: „Bei der ARD gibt es noch ein Fenster, wo man Filme mit außergewöhnlichen Stoffen machen kann.“ Bohn will die Zuschauer als eigenständige Wesen betrachtet sehen, „die durchaus in der Lage sind, sich auch mit komplizierten Dingen auseinander zu setzen“. Kein Geheimtipp Die Produktionsfirma Indie-Stars gründete Tom Bohn extra für „Reality-XL“. Bereits 2007 begann der Dießener mit der gleichnamigen Internet-Plattform rein für Independent-Filme. Insgesamt sechs Mitarbeiter an drei Standorten verhelfen den frei produzierten Filmen, die in Mainstream-Medien wie Kino oder Fernsehen keine Chance haben, ins Netz. Indie-Stars stellt die Filme kostenfrei zur Verfügung – sowohl für die Filmemacher als auch für die Nutzer. Die Plattform ist längst kein Geheimtipp mehr: Aus anfangs 100 Fans sind mittlerweile 20000 unterschiedliche Besucher geworden. Der nächste Relaunch steht bevor, doch schon heute arbeitet Indie-Stars mit modernster Technik, damit auch Smartphones bedient werden können. Bohn: „Wer sich auf junge Gedanken und neue Wege einlassen will, ist bei Indie-Stars gut aufgehoben.“ Futuristischer Psychothriller „Reality-XL“ heißt der Psychothriller, den Tom Bohn aus Dießen in der Erdefunkstelle in Raisting dreht. „Geradezu ideal für einen futuristischen Psychothriller ist die Location im Industriedenkmal Radom und im Fuß einer Antenne“, so Nue Ammann, Sprecherin von Indie-Stars. Bohn, der seit Mai vergangenen Jahres am Drehbuch für seinen visionären Stoff arbeitete, konnte Heiner Lauterbach als Hauptdarsteller gewinnen – „Binnen 24 Stunden hatte ich die Zusage“. Mit dabei sind auch Max Tidof („Comedian Harmonists“), Godehard Giese und Annika Blendl. Dießener treten als Komparsen auf, Filmprofis aus der Region unterstützen das Team, darunter Sabine Bauer (Dießen), Joachim Schäfer (Eberfing), Jutta Fritz (Herrsching), Fritz Altewische (Pähl), Julia Koch und Christof Fiedler (Utting). In „Reality-XL“ dreht sich alles um Traum und Realität. Nach der Nachtschicht in einem Kontrollraum des Teilchenbeschleunigers LHC am Kernforschungsinstitut CERN sind 23 Wissenschaftler spurlos verschwunden. Der 24. Wissenschaftler (Heiner Lauterbach) muss sich den Fragen der ermittelnden Kriminalbeamten (Tidorf/Blendl) stellen, „eine unglaubliche Geschichte nimmt ihren Anfang“, verspricht der Drehbuchautor und Regisseur. Bohn hatte dafür im Vorfeld die beste Unterstützung: CERN-Wissenschaftler hatten ihn und sein Team eingeladen. In Genf diskutierte man über Themen wie Urknall, Schwarze Löcher und die spirituelle Lehre vom kosmischen Reiskorn. Außerdem durften die Filmleute den echten Teilchenbeschleuniger besichtigen, mit dem die Wissenschaftler Materie und Antimaterie herstellen und versuchen, die Weltformel zu ergründen. Mehr Infos unter www.tom-bohn.de, www.reality-xl.com und www.indie-stars.de.

Meistgelesen

Landrat klärt Mordfall
Landrat klärt Mordfall
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
80 Schafe verenden bei Stallbrand
80 Schafe verenden bei Stallbrand
"Besorgniserregende" Entwicklung
"Besorgniserregende" Entwicklung

Kommentare