Schatten und Licht

Klasse: Hyde (Johannes Rind) und Lucy (Julia Kandler). Foto: Wölfl

Keiner leichten Aufgabe haben sich jüngst die musik- und theaterbegeisterten Oberstufenschüler des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums St. Ottilien gestellt. Sie brachten das schon auf vielen professionellen Spielstätten gezeigte Musical „Jekyll & Hyde“ des amerikanischen Komponisten Frank Wildhorn auf die Bühne des Ottilianer Festsaals – mit großem Erfolg.

November-Nebel-Stimmung ist die passendste Jahreszeit,um eben dieses Musical aufzuführen. Dabei geht es nicht nur um die Äußerlichkeiten der Wetterverhältnisse. Nein, auch die in diesem Monat speziellen Gedanken zu Tod, Seele und Heil spielen hier eine besondere Rolle. Basierend auf der Novelle von R.L. Stevenson erzählt das Werk die Geschichte des unglücklichen Arztes Dr. Jekyll, der sich auf der Suche nach einer Arznei, die das Böse vom Guten im Menschen trennen soll, im Selbstversuch zum grässlichen Mr. Hyde verwandelt und London mit seinen Schreckenstaten in Aufruhr versetzt. Den beiden Hauptdarstellern, Robert Hüttinger (Jekyll) und Johannes Rind (Hyde) gelang es eindrucksvoll durch souveräne und professionelle Bühnenpräsenz die konträren Seelen der Titelfiguren darzustellen. Leidenschaftliche Euphorie und Ver­- zweiflung gegenüber dämonischem Zynismus kann man nur dann so überzeugend charakterisieren, wenn das gesangliche und schauspielerische Können ein so hohes Niveau aufzeigt, wie es an diesem Abend zu hören und zu sehen war. Der subtil ausgearbeiteten Personenregie von Florian Werner (Assistenz: Kathi Buzin) ist es zu verdanken, dass die Darsteller der weiblichen Haupt­rollen sich ebenfalls als wahre Glücksbesetzungen erwiesen. Die sanfte und verständnisvolle Verlobte Jekylls wurde in einer Doppelbesetzung verkörpert. Sophie Kühl und Franziska Schnei­- der sangen mit feinen, intonationssicheren Stimmen die lyrischen Passagen. Hervorragend, und mit absoluter Selbstsicherheit beeindruckte Julia Kandler als Lucy, die Prostituierte. Ihre stimmliche und körperliche Präsenz verzauberte das Publikum sowohl im temperamentvollen „Bordell-Chanson“ als auch in den träumerischen Balladen des zweiten Aktes. Desweiteren stehen Stefan Hör (Utterson) und Jonathan Skudlik (Sir Danver) in ihrer sängerischen und gestalterischen Darbietung in keiner Weise ihren Kollegen nach und bestätigen durchwegs das hohe Niveau dieser Aufführung. Die vielen Nebenrollen, Doppelbesetzungen in Schauspiel, Gesang und Tanz (Choreographie: Kirsten Heithoff), eine tolle Lichtshow und nicht zuletzt die laufende Verwandlung im Bühnenbild aus der Hand des Praxisseminares Kunst haben eine staunenswerte Vielseitigkeit und Spielfreude im gesamten Ensemble erkennen lassen. Aber was wäre ein noch so guter Sänger ohne seinen „Begleiter“? Schulchor und Orchester haben hier ganze Arbeit geleistet. Konzentriert und taktsicher bildeten sie die musikalische Grundlage und nötige Unterstützung für das gesamte Musiktheater. Unter den Rahmenbedingungen einer solchen Auf­führung ist es fürwahr nicht leicht immer zusammen und präsent zu sein. Zudem verlangt die Komposition für sich schon ein hohes Maß an Musikalität von jedem einzelnen Musiker. Scheinbar mühelos gelang der Instrumentalistenwechsel, auch der Chor hat sich reibungslos stets neu positioniert und sich dabei auch stimmlich immer von seiner besten Seite gezeigt. Eine grandiose Leistung aller Beteiligten. Das Streichorchester studierte Simone Komann ein. Außenstehende „Nichtottilianer“ konnten am Ende der zweistündigen Vorstellung nur eines sagen: „Hut ab“ vor dieser organisatorischen und musikalischen Meisterleistung. Allem voran Christian Schumertl, der als „musikalischer Obermanager“ sicherlich die meisten Lorbeeren verdient. Von seinen Schülern liebevoll „Schumi“ genannt ist er dann mit all seinen mitwirkenden Kollegen auch stürmisch gefeiert worden. Der Applaus war lang, heftig und wohlverdient. So zeigt es sich doch , dass der Schatten des Bösen nicht von Dauer ist, sondern das Gute im Rampenlicht siegt.

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