Schaum oder Spray?

Nothilfe oder gefährliche Körperverletzung? Diese Frage muss das Amtsgericht Landsberg in der Verhandlung gegen den Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma klären. Der 31-Jährige soll laut Anklage einem Besucher des Dießener Seefests ohne Grund eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben. Der Angeklagte bestreitet das. Er habe lediglich einem Kollegen geholfen, der von mehreren Festbesuchern verprügelt wurde.

Es war der letzte Tag des Seefests 2010 im Juli, an dem traditionell die „Miss Dießen“ gekürt wird. Der Tag auch, an dem die meisten Besucher kommen, die größten Mengen Alkohol konsumiert werden und meisten Zwischenfälle passieren, wie ein Polizeibeamter vor Gericht aussagte. So auch dieses Mal. Der Angeklagte berichtete von einer regelrechten Massenschlägerei, die sich vor dem Seiteneingang des Festzeltes abgespielt habe. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erklärte er. „Es ist zugegangen wie im Zweiten Weltkrieg.“ Mehrere Festbesucher hätten seinen Kollegen verprügelt. „Die lagen auf ihm drauf, und ich habe die nicht mehr runtergebracht.“ So griff er zur Sprühflasche, die aber kein Pfefferspray, sondern nur Pfefferschaum enthalten habe. Dieser kann zielgerichteter eingesetzt werden und verteilt sich nicht weiträumig in der Luft. Mit einer Ladung Pfefferschaum ins Gesicht eines der Angreifer habe er seinen Kollegen befreien können. „Für mich war das ein klarer Fall von Nothilfe“, so der Angeklagte. Der Kollege bestätigte das. Er habe an jenem Abend einen Besucher an die Luft gesetzt, „einen kleinen Japaner, der schon die ganze Zeit herum gestänkert hatte“. Daraus entwickelte sich die Schlägerei. „Fünf oder zehn Leute lagen auf mir drauf und schlugen auf mich ein.“ Zu den schlimmsten Attackierern habe der Geschädigte gehört. Ohne das Einschreiten seines Kollegen „wäre ich nicht mehr auf die Beine gekommen“. Der Geschädigte schilderte den Vorfall ganz anders. Er habe mit der Schlägerei gar nichts zu tun gehabt, sondern sei auf dem Weg zur Toilette gewesen. Beim Verlassen des Zeltes durch den Seiteneingang habe er unvermutet das Spray ins Gesicht bekommen. „Es traf mich voll ins rechte Auge.“ Die beiden Ordner seien ihm in den Tagen zuvor schon als übertrieben grob aufgefallen. „Einmal haben sie einen Jungen festgehalten, der weinte und blutete. Ich fand das unprofessionell.“ Der 28-jährige Altenpfleger unternahm trotzdem zunächst nichts. Ein paar Tage nach dem Vorfall habe ihn ein anderer Festbesucher auf der Straße angehalten und sich als Zeuge angeboten. „Er fand das absolut nicht in Ordnung, was da passiert war.“ Zum Arzt ging der Geschädigte erst einige Tage später, zur Polizei sogar erst nach mehreren Wochen. Ausgerechnet der Zeuge, der die Version des 28-Jährigen bestätigen könnte, fehlte trotz Ladung bei der Verhandlung. Richterin Beate Kreller einigte sich deshalb mit Staatsanwalt Matthias Böglmüller und Verteidiger Matthias Seidl auf einen Fortsetzungstermin. Am 3. Mai wird weiterverhandelt.

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