Schauspieler auf der Überholspur

Adnan Marals Slalomfahrt

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In der Welt des Films ein superkorrekter Kriminalkommisar, im wirklichen Leben wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs vor Gericht: Schauspieler Adnan Maral.

Geltendorf/Eching – In „Un­known Identity“ mit Filmikone Liam Neeson spielte er einen türkischen Taxifahrer; und im preisgekrönten „Türkisch für Anfänger“ den superkorrekten Kriminalkommissar Metin: Adnan Maral. Das ist die Welt des Films. Im wirklichen Leben sieht es ganz anders aus. In Rollen, für die ein Führerschein notwendig ist, kann der 48-Jährige vorerst nicht mehr schlüpfen. In Landsberg steht er derzeit wegen wilder Fahrmanöver mit Unfallfolge vor Gericht, die Fahrerlaubnis wurde dem in Geltendorf wohnenden Schauspieler deshalb schon vor Monaten entzogen.

„Oh, ich komme nicht mehr auf die Autobahn drauf“, dachte sich Adnan Maral nach eigener Aussage, als er diesem Mittwochmorgen im Oktober gegen 6.50 Uhr bei Greifenberg auf die A96 auffuhr. Dort herrschte „reger Verkehr“, wie der dreifache Familienvater selbst konstatierte. Zudem sei es „noch stockdunkel“ gewesen.

Die Zeit drängte, der Schauspieler musste zum Filmdreh für „Zaun an Zaun“, erst kürzlich in der ARD erstausgestrahlt. Laut Anklage drückte er aufs Gaspedal seines 258 PS-Mercedes, überholte den ersten Wagen noch rechts auf dem Beschleunigungsstreifen, fädelte anschließend links ein. Mehrmals habe er danach „grob verkehrswidrig“ und „rücksichtslos“ andere Autos in Gefahr gebracht, indem er die Fahrbahn wechselte.

Maral empfand das ganz anders: Er habe immer geschaut, ob die Lücke auf der anderen Fahrbahn frei ist, erst dann habe er geblinkt und sei rüber gefahren. Solange, bis vor ihm ein Einser-BMW auftauchte, der ihn offenbar provozieren wollte. Mittlerweile waren die Auto­kolonnen beider Fahrspuren bis in die Baustellenumfahrung um den Echinger Tunnel vorgerückt. Erst Tempo 120, dann über 100 und 80 am Ende gedrosselt auf Maximalgeschwindigkeit 60 Stundenkilometer.

Der Einser-BMW – weiter unmittelbar vor Maral – habe dann grundlos auf 10 oder 20 km/h abgebremst, ehe es dem Schauspieler zu bunt wurde. Er zog auf die rechte Fahrbahn und mit Kickdown rechts am BMW vorbei. Für den gemächlich dahinrollenden Berufsverkehr offenbar zu schnell, denn Maral habe direkt wieder vor seinem Vordermann abbremsen müssen, um einen Auffahrunfall zu verhindern, so die Auffassung der Zeugen.

Was danach geschah, darüber streiten die Beteiligten. Maral sagt, er sei am 20 km/h-BMW längst vorbei gewesen, wollte vor diesem wieder einscheren. Der aber habe ihn weiter provozieren wollen, indem er plötzlich aufs Gas gedrückt habe. Deshalb habe er den BMW beim Einscheren touchiert. Sachschaden: 4.300 Euro. Soweit die Geschichte von Maral.

Schockiert

Zwei Pendler, die den munteren Fahrbahnwechsel und den daraus resultierenden Unfall aus nächster Nähe verfolgt hatten, teilten die Beobachtungen des Deutsch-Türken nicht. Einer der beiden, 35 Jahre und aus dem Landkreis Landsberg, war schon von Marals Auffahrt auf die A96 schockiert. „Ich habe gedacht, er hat Alkohol oder Drogen intus.“ Slalomartig habe der Angeklagte danach die dicht gedrängten Pkw überholt. Zuletzt den BMW. „Wie von der Tarantel gestochen“, sagt der Zeuge. Und der BMW sei keinesfalls so langsam wie von Maral geschildert unterwegs gewesen, sei im Verkehrsfluss wie jeder andere mitgeschwommen. Deshalb vermute er, habe Maral die Situation beim letzten, riskanten Einscheren schlichtweg falsch eingeschätzt. Ein weiterer Zeuge (53) bestätigte diese Darstellungen. Er sieht den Ursprung der Kollision darin, dass Maral viel zu schnell mit Kickdown auf das vordere Auto aufgefahren sei.

An einer Tankstelle nach der nächsten A96-Ausfahrt klärten die Beteiligten erste Details. „Herr Maral war dort nicht aggressiv, ist immer höflich geblieben“, erinnert sich ein Polizeibeamter. Der Schauspieler habe darum gebeten, die Sache möglichst schnell abzuwickeln, weil er zum Filmdreh müsse. Da dem Polizisten die Überholmanöver vor dem Unfall zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt waren, bot er Maral an, ein Verwarnungsgeld von 35 Euro zu zahlen. Dieser lehnte jedoch ab, schließlich habe der BMW-Fahrer in seinen Augen auch eine Teilschuld.

Die Stellungnahme des BMW-­Fahrers in seiner Eigenschaft als weiterer Zeuge steht noch aus. Er kommt erst Anfang Juni aus dem Urlaub zurück. Deswegen gab es gestern auch kein Urteil. Der Vorsitzende Richter Michael Eberle setzte den Termin für die Fortführung der Verhandlung auf 7. Juni fest.

Übrigens: Adnan Maral steht nicht zum ersten Mal wegen eines Delikts im Straßenverkehr vor Gericht. Vor fünf Jahren wurde er zu einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. In München hatte er beim Rechtsabbiegen einen Motorradfahrer übersehen.

Marco Tobisch

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