Das Scheitern einer Utopie

Grandiose Bilder und mehr bescherte das Metropoltheater München den Zuschauern im Stadttheater Landsberg. Foto: kb

Ein Kaleidoskop mächtiger Bilder und überragende schauspielerische Leistungen: das Münchener Metropoltheater bescherte den Landsbergern am Freitagabend mit seiner Inszenierung von Tankred Dorsts „Merlin oder das wüste Land“ ein grandioses, ein magisches Theatererlebnis.

Ein Holzsteg in der Form eines Kreuzes, über der zumeist sehr düsteren Bühne schwebt eine leuchtende Weltkugel. „Merlin“ ist ein Stück über Utopien und deren Scheitern. „Der Mensch ist seinem eigenen Entwurf nicht gewachsen, für seine eigene Utopie nicht geeignet“ beschreibt es Tankred Dorst und demonstriert es an jeder einzelnen Figur, zeigt den Niedergang von Ideen, Visionen und Lebensentwürfen. Es beginnt mit Merlin selbst. Der legendäre Zauberer der Artus-Sage ist hier der Sohn des Teufels, in die Welt gebracht, um die Menschheit zu ihrer eigentlichen Natur, dem Bösen zu führen. Doch Merlin widersetzt sich, ihm schwebt das Ideal einer friedlichen Gesellschaft vor, manifestiert in der Tafelrunde. Maria Weidner ist ein verletzlicher Merlin, kein allwissender Magier. Ein Puppenspieler, der zusehen muss, wie sich seine Figuren selbst zugrunde richten und nicht verhindern kann, wie er doch dem Teufel in die Hände spielt. Auch König Artus (Heiner Bomhard) und seine Ritter beginnen mit den besten Absichten, mit hehren Zielen, doch Neid, Missgunst, Eifersucht und Machtgier treten bald an die Stelle von Edelmut und Brüderlichkeit, verzweifelt Artus an dem Widerspruch, eine bessere Welt mit Krieg und Gewalt durchzusetzen zu wollen. Mordred (überzeugend psychopatisch: James Newton), der illegitime Sohn Artus und dessen Halbschwester Morgause, intrigiert gegen den König, Lancelot (Patrick Nellessen) liebt Königin Ginevra (Sarah Grunert) und tötet im Wahn seinen Freund Gareth, Mordred und seine Brüder erschlagen die eigene Mutter. Die Gralssuche, von Merlin als rettendes Mittel erdacht, um die Ritter wieder an ihre Ideale zu erinnern, muss scheitern. Zurück bleibt das „wüste Land“. Die Inszenierung von Jochen Schölch setzt auf packende Bilder: assoziativ, faszinierend, poetisch, manchmal zutiefst verstörend. Märchenhaft-tänzerische Szenen wechseln mit blutigen Gewaltdarstellungen, Drastisches mit Magischem. Die Schauspieler singen, tanzen, kämpfen, stellen lebende Bilder und agieren großartig – meist in wechselnden Rollen und simultanen Sequenzen. Besonders eindringlich das Bild des scheiternden Königs, unter der Weltkugel stehend, auf sein Schwert Excalibur gestützt, während ihm die Tränen über das Gesicht rinnen. Magisches Theater.

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