Zuckerrohr statt Plastik

Schirmherr für das Projekt »Plastikfreies Dießen« gesucht

Volle gelbe Tonne
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Coronabedingt gibt es derzeit eine wahre Plastikflut an Verpackungsmüll, der die Gelben Tonnen zum Überquellen bringt. Für die Grünen im Dießener Gemeinderat ein Dorn im Auge.

Dießen – Schnitzel vom Lieferdienst in der Styropor-Box oder Coffee-To-Go im Einwegbecher sorgen in der Pandemie für eine noch nie dagewesene Verpackungsflut. Der Lockdown produziert übervolle Gelbe Tonnen und Säcke in Privathaushalten. Auch die Papierkörbe in Parks oder Seeanlagen quellen über, weil ein Spaziergang mit den Kaffee-Becher in der Hand hip ist. Laut Bundesumweltministerium gehen in Deutschland stündlich bis zu 320.000 To-Go-Becher über die Ladentheke. Die Abfall-Bilanz allein von Bechern, Einweggeschirr und Wegwerfboxen galoppiert laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung in Richtung 400.000 Tonnen pro Jahr.

Einer engagierten Dießenerin bereiten diese Zahlen und auch die steigende Menge von anderen Kunststoffabfällen Magenschmerzen: Miriam Anton, grüne Marktgemeinderätin und Mitinitiatorin von „Plastik-Fasten“ und „Plastikfreies Dießen“. Sie kämpft an allen Plastik-Fronten für ein nachhaltigeres Umweltbewusstsein und hat schon viele Geschäfte und Familien zum Umdenken für ein (fast) plastikfreies Leben überzeugt. Jetzt sucht sie einen prominenten Schirmherrn, um „Plastikfreies Dießen“ noch mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Ihre Wunschkandidatin, Bürgermeisterin Sandra Perzul, fehlte leider krankheitsbedingt, als Miriam Antons Schirmherrin-Anfrage sowie der Antrag um mehr gemeindliche Unterstützung im Marktgemeinderat behandelt wurde.

Auf Vorschlag von Petra Sander, Ex-Mitglied der Grünen-Fraktion, wurde der Antrag mit 15:8 Stimmen zurückgestellt, „da die Auswirkungen einer solchen Aktion auf die Gastronomie, die wegen der coronabedingten Einschränkungen ohnehin schon sehr belastet ist, nicht absehbar sei.“ Wie Geschäftsleiter Karl Heinz Springer betonte, unternehme die Verwaltung bereits einiges, um auch hier Beiträge zum Umweltschutz zu leisten. So sei in allen neuen Pachtverträgen wie beispielsweise bei den Bade- und Freizeitgeländen Mehrweggeschirr vorgeschrieben und auch bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum werde dies zur Auflage gemacht. Sogar Büromaterialien würden bei örtlichen Einzelhändlern gekauft, um Verpackungsmüll und unnötige Fahrten von Paket- und Kurierdiensten zu vermeiden.

Aus für Wegwerfartikel

Dem Ansinnen von Miriam Anton und der Grünen-Fraktion im Gemeinderat kam jetzt die Bundesregierung entgegen. Herstellung und Verkauf von Einwegprodukten aus Kunststoff sind ab 3. Juli 2021 verboten. Dazu gehören Fast-Food-Verpackungen aus Styropor, Einweg-Geschirr, To-Go-Becher, Rührstäbchen oder Trinkhalme. Zum Schutz der Umwelt und der Meere hat das Kabinett das „Aus“ der Wegwerfartikel aus Kunststoff besiegelt.

Dießens Ex-Bürgermeister Herbert Kirsch benutzt schon lange umweltfreundliche Stoffbeutel beim Einkaufen.

Denn es gibt durchaus Alternativen, wie Peter Kaun jun. mit seiner Hendlbraterei auf den Wochenmärkten Dießen und Schondorf beweist. Seit Jahren schon benutzt er Verpackungen und Geschirr aus Zuckerrohr oder Karton, beides kompostierbar. Ein Modell, das die Landsberger Gastronomie für Ihre Abholkundschaft und Lieferungen problemlos übernehmen könnte.

Kunden von immer mehr Metzgereien im Landkreis Landsberg erhalten gegen Pfand eine Frischhaltebox aus lebensmittelechtem und 100 Prozent recyclebarem Kunststoff als nachhaltige Lösung gegen Einweg-Plastikmüll. Auch für den trendigen Kaffee-To-Go gibt es inzwischen praktikable Lösungen. Für ein kleines Pfand als Leihgebühr bekommt man sein Getränk im Mehrwegbecher, den man bei nächsten Besuch gespült zurückgibt oder neu befüllen lässt. Und auch in zahlreichen Supermärkten hat inzwischen ein Umdenken eingesetzt. So kommen immer mehr Kunden mit Stoffbeuteln zum Einkaufen, weil die Dießener Geschäfte die Plastiktüten verbannt haben.
Dieter Roettig

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