Verborgenes Kunstwerk

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Helene Walterskirchen (rechts) erläutert den Gästen in der ehemaligen Hauskapelle von Schloss Rudolfshausen das Fresko mit der Himmelskönigin Maria.

Holzhausen – Viele Jahre lang war in einem Raum in Schloss Rudolfshausen in Holzhausen ein Kunstwerk aus dem Jahr 1739 hinter einer abgehängten Decke mit hässlich grauen Platten und Neonröhre verborgen. Niemand wusste, dass sich dahinter eine historische Stuckdecke und ein kunstvolles Deckenfresko befanden. Jetzt ist das kostbare Gut wieder sichtbar.

Als die Autorin, Publizistin und Kultur-Mentorin Helene Walterskirchen vor vier Jahren in das Schloss zog, das lange Zeit Pfarrhof von Holzhausen gewesen war, zeigte ihr der damalige Kirchenpfleger Hans-Jürgen Asemann, dass sich etwas hinter der abgehängten Decke befand: er entfernte zwei der Deckenplatten und zum Vorschein kam ein kleiner Ausschnitt eines weitgehend übermalten und stark zerstörten Deckenfreskos. Die neue Nutzerin wollte von Anfang an die moderne Decke entfernen und das dahinter liegenden Kunstwerks freilegen. 

Experten kamen – sowohl von der Diözese Augsburg wie auch vom Denkmalschutzamt München. Man war sich einig, dass eine Restaurierung ein Gewinn für das Schloss sein würde. Jedoch wollte die Diözese Augsburg als Eigentümer des Gebäudes die Mittel, die auf rund 20000 bis 30000 Euro geschätzt wurden, nicht aufbringen, erinnert Walterskirchen Im Spätherbst 2014 fassten sie und ihre Tochter den Entschluss, die Restaurierung von sich aus in Auftrag zu geben und die Mittel dafür aus eigener Tasche bereitzustellen. Sie beauftragten Diplom-Restaurator Christian Mack aus Ober-Eglfing und Stuckateur-Meister Markus Sem aus Bobingen, die Restaurierung durchzuführen. 

Als die alten Farbschichten im Februar entfernt worden waren, zeigte sich auf einem Deckenfresko in Form eines ovalen Medaillons, das von kunstvoll stuckierten Zierleisten umgeben war, Mutter Maria, die auf einer Himmelswolke schwebend, ihren blauen Schutzmantel über eine Gruppe von Betenden breitete. Linkerhand sah man im Vordergrund einen Prämonstratenser-Priester, dahinter männliche Wesen verschiedenen Alters; rechterhand eine Gruppe von Frauen in unterschiedlicher Kleidung, auch teilweise in Tracht. 

„Leider war aufgrund von elektrischen Arbeiten beim Einbau der Deckenabhängung dieser Teil des Freskos stark beschädigt worden, so dass man die Köpfe der Frauen nicht mehr sehen konnte“, berichtet Walterskirchen. „Unter dem Medaillon befand sich eine Inschrift, die besagte, dass dieses Fresko von Michael Gassner im Jahre 1739 in Auftrag gegeben worden war.“ In der Dorfchronik von Holzhausen war unter dem Kapitel „Die Pfarrherren von Holzhausen“ ein Michael Gaßner aufgelistet, der von 1733 bis 1744 Pfarrer am Ort gewesen war. Vermutlich war er der Auftraggeber. Somit stand fest, dass dieser Raum einst die Hauskapelle des Schlosses beziehungsweise des Pfarrhofes gewesen sein musste. Warum die Hauskapelle in einen so desolaten Zustand gekommen war, konnte sich niemand erklären. 

Nun aber, nach der Restaurierung erstrahlte der komplette Raum wieder in neuem Glanz. Hausherrin Helene Walterskirchen präsentierte ihn jüngst einem ausgewählten Publikum, unter anderem der Vorsitzenden des Historischen Vereins in Landsberg, Sigrid Knollmüller, sowie den Iglinger Bürgermeistern der Gemeinde Igling, Günter Först und Peter Blatter, dem jetzigen Kirchenpfleger Joachim Drechsel sowie seinem Vorgänger, die sehr beeindruckt waren von dem lange Zeit verborgenen Schatz. 

Gerne präsentiert Helene Walterskirchen auf Anfrage weiteren Interessierten die einstige Hauskapelle mit dem Deckenfresko und berichtet über die Restaurierung. Bei Interesse: info@schlossrudolfshausen.de.

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