Schlüsselszene spielen

„Spielen wir eine Schlüsselszene im KZ Auschwitz bei der Ankunft ungarischer Juden“, sagt Pater Schaumannim Hain der Massengräber. Er sagt es zu Friedrich Schreiber, Sprecher des Vereins „Gedenken in Kaufering“ vor Neuntklässlern des Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasiums: „Ich bin Jude, Sie sind SS-Arzt Mengele. Mit dem Finger entscheiden Sie. Muss ich in die Gaskammer? Oder ab nach Kaufering zur Zwangsarbeit im Bunkerbau?“

Das Rollenspiel vor den größten Gräberfeldern des ehemaligen KZ-Kommandos Kaufering mit seinen elf Lagern und drei Bunkerbaustellen ist eine Schlüsselszene in der Schülerpädagogik des Kauferinger Gedenkvereins. „Schulisches Wissen soll einfühlsam ergänzt und ver-tieft, möglichst wirklichkeitsnah erlebt und gefühlt, durch eigenes Handeln nachempfunden werden“, sagt Schreiber, „an konkreten Orten des Geschehens, mit authentischen Zeitzeugen wie Karl Rom, Überlebender von Lager 11 und des Todesmarsches nach Dachau.“ Drastische Wirklichkeit auch in der Lesung des Schülers Jerry Bazata aus dem Buch „Vom Ufer der Memel ins Ungewisse“, in dem der litauische Jude Zwi Katz den letzten Weg der „Muselmänner“, der Todkranken, in die „Vernichtung durch Arbeit“ beschreibt. Am Ende Totengebete durch Pfarrer Nitz von der evangelischen St. Paulus Kirche, Pater Schaumann und in hebräischer Sprache von Karl Rom. Auch an den anderen zwei Kauferinger Gedenk-Orten, der „Rampe Güterbahnhof“ und der „Gedenkstätte Lager 3“, erleben und empfinden die Schülerinnen auf authentische Weise das Ritual der töd- lichen KZ-Haft. Nach kurzer Information über das tatsächliche Geschehen am konkreten Ort eine Lesung aus dem Buche eines ehe- maligen Kauferinger Häftlings, dazu spontane Fragen der Schüler und sachliche Antworten des Überlebenden. Am Ende wieder das Nachempfinden im Gebet. An der "Rampe" Besonders wirklichkeitsnah empfinden Schüler das historische Geschehen an der „Rampe“. Hier wurden rund 30000 Häftlinge aus den Güterwaggons herausgetrieben, in die elf Lager des „Kommandos Kaufering“, in die Zwangsarbeit in Hitlers Kauferinger Rüstungsfabriken. Besonders bedrückt die Schülerinnen die Information: An der „Rampe“ wurden die Schwerkranken aus den „kalten Krematorien“ in die Gaskammern von Auschwitz abtransportiert. Der alte Viehwaggon vermittelt diese grausame Wirklichkeit, auch Lara Kilbs Lesung des Kapitels „Ankunft in Kaufering – Marsch nach Hurlach“ aus dem Buch „Pécs - Auschwitz - Kaufering“ des ungarischen Juden Jehuda Garai. Abermals authentisch der Fußmarsch von der „Rampe“ zum ehemaligen Lager 3. Auf einem kleinen Areal, zwischen Schrebergärten, der Betonboden der ehemaligen Lagerküche, eine Informationstafel und einige private Gedenksteine. Wirklichkeitsnähe wieder mit Zeitzeuge Rom, seiner Schilderung von Hunger, Kälte und Krankheiten im Lager. Eine andere Authentizität in der Lesung Katharina Grubers: Viktor Frankl, Häftling im Lager 3 und nach der Befreiung Psychiatrieprofessor und Existenzphilosoph, beschreibt in seinem Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ die „Zerstörung der Seele der Häftlinge“. "Es wird feierlicher" „Nach dem 26. April, der Einweihung des zentralen Mahnmals der KZ-Gedenkstätte Kaufering, werden Schülergruppen im ,Hain der 30000‘ am Rande des Bahnhofsplatzes feierlicher empfangen“, verspricht Friedrich Schreiber.

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